Leserbrief: Seltsam, oder nicht?

Fall A: Theaterintendantin Gräve zeigt Geschäftsführerin Wagner an, weil diese ihre Unterschrift missbräuchlich verwendet haben soll. Wagner gibt einen “unbeabsichtigten administrativen Fehler” zu und die Staatsanwaltschaft entlastet sie, weil “kein Vorsatz nachweisbar” sei. Also, wenn das so ist, müsste jemand, der ein Kind am Zebrastreifen anfährt, nur sagen: “Es ist mir da ein unbeabsichtigter Fahrfehler passiert”, und schon ist er das Gerichtsverfahren los. Seltsam, nicht? Fall B: Es fehlt hier der Platz, um all die skandalösen Facetten der Führerschein-Causa zu erläutern. Auf “oesterreichwiki.org/wiki/Führerschein-Causa” sind diese aber gut zusammengefasst. Fakt ist, dass sich durch eine extrem hohe Durchfallquote einzelne Fahrprüfer bis zu 47.000 Euro jährlich zusätzlich zum vollen Lohn verdient haben. Diese unverschämte Bereicherung auf Kosten von Lehrlingen und Studenten ist schon allein dadurch erwiesen, dass sich die Durchfallquote im Land wieder auf ein normales Maß eingependelt hat, seit die betroffenen Prüfer nicht mehr aktiv sind. Die Staatsanwaltschaft tat die Sache (in der auch Staatsanwälte involviert waren!!) damit ab, dass die hohe Durchfallquote “allenfalls auf einen strengen Prüfungsmaßstab hinweise”. Und: Einer der “strengen Prüfer” erhielt nach eigenem Ausscheiden fünf volle Monatsbezüge, ein anderer wurde zum Leiter der Verkehrsrechtsabteilung ernannt. Seltsam, nicht?
Herbert Dünser, Schnifis