42 Baustellen in einem Dorf – “Wir investieren Millionen in die Zukunft”

Dutzende Baustellen gleichzeitig – trotzdem spricht die Gemeinde nicht von einem Bauboom.
LECH Wer derzeit durch Lech fährt, sieht Baukräne, Handwerkerfahrzeuge, Gerüste und neu eingerichtete Baustellen. Insgesamt 42 Bauprojekte prägen den Ort und sind teilweise in der Endphase. Für Bürgermeister Gerhard Lucian ist die hohe Bautätigkeit jedoch kein Zeichen eines Baubooms im klassischen Sinn. Vielmehr sei sie Ausdruck einer erfolgreichen Wintersaison und des Bekenntnisses zur Qualitätsverbesserung.


“Für mich ist es ein Zeichen, dass die letzte Wintersaison sehr gut war und dass investiert wird”, sagt Lucian. Der Großteil der Vorhaben betreffe Umbauten, Erweiterungen und Modernisierungen bestehender Gebäude. “Wir setzen seit Jahrzehnten auf Qualität statt auf Quantität. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung von Lech.”


Tatsächlich verfolgt die Gemeinde seit Jahren einen restriktiven Kurs beim Wachstum. Neue Bauflächen sind rar, die Vorgaben streng. “Lech soll Dorf bleiben”, betont der Bürgermeister. Wer von außen auf den Ort blicke, erkenne nach wie vor die gewachsene Struktur. Zwischen den Gebäuden gebe es ausreichend Freiräume, Grünflächen seien erhalten geblieben. Unterstützt werde dies durch klare Vorgaben bei Gebäudehöhen und Bebauungsdichten.
Qualität als Erfolgsfaktor
Der Fokus auf Qualität sei auch wirtschaftlich entscheidend, ist Lucian überzeugt. Mit mehr als 900 000 Nächtigungen pro Jahr zählt Lech zu den stärksten Tourismusgemeinden Vorarlbergs. “Qualität hat Bestand. Dort, wo Qualität geboten wird, besteht auch der Tourismus”, sagt er.
Hotel Post investiert neun Millionen Euro
Dass die Betriebe kontinuierlich investieren, zeigt sich an mehreren Großprojekten. Im traditionsreichen Hotel Post läuft derzeit die dritte Bauetappe einer umfangreichen Modernisierung. Hotelier Florian Moosbrugger investiert rund neun Millionen Euro. Ein Nebentrakt wurde abgebrochen und an anderer Stelle neu errichtet. Dadurch entstehen acht zusätzliche Gästezimmer. Gleichzeitig werden Infrastruktur und Betriebsabläufe modernisiert.


“Wir versuchen immer zeitgemäß zu bauen”, erklärt Moosbrugger. Der traditionelle Charakter des Hauses soll dabei erhalten bleiben. Man verzichte bewusst auf architektonische Experimente. Sämtliche Arbeiten würden von regionalen Unternehmen ausgeführt. “Wir arbeiten ausschließlich mit Firmen aus der Region zusammen und sind froh über diese langjährigen Partnerschaften.”

Auch im Hotel Berghof wird diesen Sommer intensiv gearbeitet. Dort werden 14 Zimmer vollständig erneuert – vom Boden über die Einrichtung bis hin zu den Bädern werden 1,5 Millionen Euro investiert. Im Hotel Burg Oberlech investiert die Betreiberfamilie Lucian mehr als drei Millionen Euro in einen beheizten Außenpool, der ganzjährig genutzt werden kann. Gleichzeitig wird die bestehende Saunalandschaft modernisiert.




Wohnbau bleibt Herausforderung
Nicht nur touristische Betriebe investieren. Die Raiffeisenbank Lech erhält eine neue Fassade mit moderner Außenbeschattung und zusätzlicher Wärmedämmung. Ziel ist es, die zunehmende sommerliche Hitze im Gebäude ohne zusätzlichen Energieverbrauch zu reduzieren. Im Inneren entstehen neue Arbeitsplätze und moderne Bürostrukturen.

Eine der größten Herausforderungen bleibt jedoch der Wohnraum. In Stubenbach entstehen derzeit 42 Mitarbeiterwohnungen in nachhaltiger Holzbauweise. Das Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Lech und der Tiroler Wohnbau GmbH soll bereits Ende 2026 bezugsfertig sein. Die Wohnungen richten sich an Mitarbeitende und deren Familien und sollen den Wirtschaftsstandort langfristig stärken.

Die meisten der 42 Baustellen werden in den nächsten beiden Wochen, vor dem Start der Sommersaison 2026, fertiggestellt.