Die stille Revolution im Gemüsebeet – “Wenn der Supermarkt leer ist, brauchen wir einen natürlichen Plan B”

VN / 18.06.2026 • 08:18 Uhr
Die stille Revolution im Gemüsebeet – "Wenn der Supermarkt leer ist, brauchen wir einen natürlichen Plan B"
Permakulturist Leo Simma (60) genießt die Sonne vor seinem Haus in Lauterach. VN/DJSOHM

Mit dem gemeinnützigen Verein “Garten Eden” sammelt Leo Simma Saatgut, organisiert Wissensaustausch und geht noch einen Schritt weiter.

Lauterach Wenn Leo Simma über Lebensmittel spricht, geht es selten ums Kochen, sondern um Versorgungssicherheit und darum, wie wenig Menschen wissen, woher ihr Essen herkommt.

Die stille Revolution im Gemüsebeet – "Wenn der Supermarkt leer ist, brauchen wir einen natürlichen Plan B"
Die Samenbibliothek in Lauterach. VN/DJSOHM

“Wir müssen jeden Tag essen – am liebsten zwei- bis dreimal”, sagt der ehrenamtliche Präsident des Vereins Garten Eden. Dennoch beschäftigten sich nur wenige damit, wie verletzlich das heutige Ernährungssystem geworden sei. Lieferketten würden als selbstverständlich wahrgenommen, obwohl sie in Krisenzeiten schnell unterbrochen werden könnten.

Essen ist essenziell

Genau diese Überlegung war für Simma einer der Auslöser, aktiv zu werden. Die Coronapandemie, internationale Konflikte und die zunehmende Konzentration im Lebensmittelmarkt hätten ihm deutlich gemacht, wie abhängig moderne Gesellschaften geworden seien. “Wenn Lieferketten ausfallen, kann es sehr schnell zu Engpässen kommen. Und dafür haben wir eigentlich keinen Plan B.”

Die stille Revolution im Gemüsebeet – "Wenn der Supermarkt leer ist, brauchen wir einen natürlichen Plan B"
Der Verein Garten Eden bietet Platz zum Austausch, viel Literatur und Raum für Menschen. VN/DJSOHM

Vor rund sechs Jahren gründete er deshalb gemeinsam mit Gleichgesinnten den Verein Garten Eden. Heute zählt dieser rund 70 Mitglieder, für die Simma sehr dankbar ist. Das Ziel: regionale Lebensmittelproduktion stärken, Wissen bewahren und Menschen wieder näher an die Herkunft ihrer Nahrung heranführen.

Vom Saatgut bis zur Gemüsekiste

Im Zentrum des Projekts steht ein Thema, das vielen zunächst unscheinbar erscheint: Saatgut. “Die ganze Welt wird von einem Saatkorn ernährt”, sagt Simma über dieses Forschungsprojekt. Während früher Tausende Betriebe weltweit Saatgut produzierten, werde der Markt heute von wenigen internationalen Konzernen dominiert. Das bereite ihm Sorgen. Deshalb sammelt der Verein samenfestes Saatgut, archiviert es und stellt es Mitgliedern zur Verfügung. “So wird dieses Saatgutvermehrungsprojekt vorangetrieben”, freut sich Simma.

Die stille Revolution im Gemüsebeet – "Wenn der Supermarkt leer ist, brauchen wir einen natürlichen Plan B"
Heiliges “Saat-Gut”. VN/DJSOHM

Das Prinzip funktioniert ähnlich wie eine Tauschbörse. Wer etwa eigene Tomaten-, Kürbis- oder Kohlrabisamen gewinnt, kann diese dem Verein überlassen. Dort werden sie dokumentiert und eingelagert. Im Gegenzug können Mitglieder auf zahlreiche andere Sorten zugreifen.

Solidarische Landwirtschaft als Zukunftsprojekt

Ein weiterer Schwerpunkt ist die sogenannte solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi. Das Modell basiert auf einer einfachen Idee: Mehrere Familien finanzieren gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb und erhalten dafür regelmäßig frisches Gemüse.

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Im Verein Garten Eden können Mitglieder ihr Wissen auffrischen. VN/DJSOHM

“Rund 100 Familien zahlen einen monatlichen Beitrag. Damit können professionelle Gärtner beschäftigt werden”, erklärt Simma. Die Ernte werde anschließend unter allen Beteiligten aufgeteilt. Wer möchte, könne mitarbeiten, müsse aber nicht. Die Lebensmittel werden regional produziert, biologisch angebaut und kommen ohne lange Transportwege aus, die Wertschöpfung bleibt in der Region.

Zurück zur Basis

“Wir müssen wieder dort Lebensmittel anbauen, wo Menschen wohnen”, sagt er. Früher sei das selbstverständlich gewesen. Heute hätten viele Menschen den Bezug zu Boden, Jahreszeiten und Lebensmittelproduktion verloren.

Besonders wichtig ist ihm deshalb die Einbindung von Kindern und Jugendlichen. Schulen müssten künftig stärker in solche Projekte eingebunden werden. “Dieses Wissen ist über Generationen weitergegeben worden.”

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Leo Simma betont die Wichtigkeit des natürlichen Kreislaufs. VN/DJSOHM

Seine Vision für Vorarlberg ist klar: In möglichst vielen Gemeinden sollen solidarische Landwirtschaften entstehen, ergänzt durch lokale Saatgutproduktion und Bildungsangebote.

Für Simma steht dennoch fest, dass die Frage nach der Lebensmittelversorgung künftig wichtiger werden wird. “Wenn morgen der Strom ausfällt oder die Regale leer bleiben, merken wir sehr schnell, wie abhängig wir geworden sind”, sagt er. Für Lauterach sucht der Verein noch Grundstücke zum lokalen Gemüseanbau. Infos gibt’s unter www.garteneden-projekt.at.