Die stille Revolution im Gemüsebeet – “Wenn der Supermarkt leer ist, brauchen wir einen natürlichen Plan B”

Mit dem gemeinnützigen Verein “Garten Eden” sammelt Leo Simma Saatgut, organisiert Wissensaustausch und geht noch einen Schritt weiter.
Lauterach Wenn Leo Simma über Lebensmittel spricht, geht es selten ums Kochen, sondern um Versorgungssicherheit und darum, wie wenig Menschen wissen, woher ihr Essen herkommt.

“Wir müssen jeden Tag essen – am liebsten zwei- bis dreimal”, sagt der ehrenamtliche Präsident des Vereins Garten Eden. Dennoch beschäftigten sich nur wenige damit, wie verletzlich das heutige Ernährungssystem geworden sei. Lieferketten würden als selbstverständlich wahrgenommen, obwohl sie in Krisenzeiten schnell unterbrochen werden könnten.
Essen ist essenziell
Genau diese Überlegung war für Simma einer der Auslöser, aktiv zu werden. Die Coronapandemie, internationale Konflikte und die zunehmende Konzentration im Lebensmittelmarkt hätten ihm deutlich gemacht, wie abhängig moderne Gesellschaften geworden seien. “Wenn Lieferketten ausfallen, kann es sehr schnell zu Engpässen kommen. Und dafür haben wir eigentlich keinen Plan B.”

Vor rund sechs Jahren gründete er deshalb gemeinsam mit Gleichgesinnten den Verein Garten Eden. Heute zählt dieser rund 70 Mitglieder, für die Simma sehr dankbar ist. Das Ziel: regionale Lebensmittelproduktion stärken, Wissen bewahren und Menschen wieder näher an die Herkunft ihrer Nahrung heranführen.
Vom Saatgut bis zur Gemüsekiste
Im Zentrum des Projekts steht ein Thema, das vielen zunächst unscheinbar erscheint: Saatgut. “Die ganze Welt wird von einem Saatkorn ernährt”, sagt Simma über dieses Forschungsprojekt. Während früher Tausende Betriebe weltweit Saatgut produzierten, werde der Markt heute von wenigen internationalen Konzernen dominiert. Das bereite ihm Sorgen. Deshalb sammelt der Verein samenfestes Saatgut, archiviert es und stellt es Mitgliedern zur Verfügung. “So wird dieses Saatgutvermehrungsprojekt vorangetrieben”, freut sich Simma.

Das Prinzip funktioniert ähnlich wie eine Tauschbörse. Wer etwa eigene Tomaten-, Kürbis- oder Kohlrabisamen gewinnt, kann diese dem Verein überlassen. Dort werden sie dokumentiert und eingelagert. Im Gegenzug können Mitglieder auf zahlreiche andere Sorten zugreifen.
Solidarische Landwirtschaft als Zukunftsprojekt
Ein weiterer Schwerpunkt ist die sogenannte solidarische Landwirtschaft, kurz Solawi. Das Modell basiert auf einer einfachen Idee: Mehrere Familien finanzieren gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb und erhalten dafür regelmäßig frisches Gemüse.

“Rund 100 Familien zahlen einen monatlichen Beitrag. Damit können professionelle Gärtner beschäftigt werden”, erklärt Simma. Die Ernte werde anschließend unter allen Beteiligten aufgeteilt. Wer möchte, könne mitarbeiten, müsse aber nicht. Die Lebensmittel werden regional produziert, biologisch angebaut und kommen ohne lange Transportwege aus, die Wertschöpfung bleibt in der Region.
Zurück zur Basis
“Wir müssen wieder dort Lebensmittel anbauen, wo Menschen wohnen”, sagt er. Früher sei das selbstverständlich gewesen. Heute hätten viele Menschen den Bezug zu Boden, Jahreszeiten und Lebensmittelproduktion verloren.
Besonders wichtig ist ihm deshalb die Einbindung von Kindern und Jugendlichen. Schulen müssten künftig stärker in solche Projekte eingebunden werden. “Dieses Wissen ist über Generationen weitergegeben worden.”

Seine Vision für Vorarlberg ist klar: In möglichst vielen Gemeinden sollen solidarische Landwirtschaften entstehen, ergänzt durch lokale Saatgutproduktion und Bildungsangebote.
Für Simma steht dennoch fest, dass die Frage nach der Lebensmittelversorgung künftig wichtiger werden wird. “Wenn morgen der Strom ausfällt oder die Regale leer bleiben, merken wir sehr schnell, wie abhängig wir geworden sind”, sagt er. Für Lauterach sucht der Verein noch Grundstücke zum lokalen Gemüseanbau. Infos gibt’s unter www.garteneden-projekt.at.