Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen

Die Bienen-Killer sind in Vorarlberg angekommen. Auch aus Dornbirn und Altach gibt es Hinweise.
Lustenau Die beiden Nester in Lustenau waren erst der Anfang. Inzwischen hat eine Dornbirnerin auf ihrem Balkon eine tote Asiatische Hornisse (Vespa velutina) entdeckt. In Altach ist ein verdächtiger Teil eines Nests aufgetaucht.


Die Imker in Vorarlberg sind in Alarmbereitschaft. Sie wollen den Eindringlingen möglichst einen Schritt voraus sein und verhindern, dass sie sich im Land unkontrolliert ausbreiten. „Wir sind gerüstet“, sagt Martin Alfare (62), Vespa-velutina-Koordinator beim Vorarlberger Imkerverband. Die Gefahr: Die Asiatische Hornisse jagt Bienen und bedroht ganze Völker. Weil sie sich außerdem von reifem Obst ernährt, kann sie auch im Obst- und Weinbau erhebliche Schäden anrichten.

Oberstes Ziel ist es, die Nester zu vernichten. Die Suche danach gleicht echter Detektivarbeit. Nach einem Fund wird zunächst ein Locktopf aufgestellt. Taucht tatsächlich eine Asiatische Hornisse auf, gibt es zwei Methoden. Bei der ersten Methode wird das Tier mit einem Kescher eingefangen, für ein paar Minuten in eine Kühlbox gelegt und, sobald es bewusstlos ist, mit einem winzigen Sender ausgestattet. Der Plan ist, dass die Hornisse nach dem Aufwachen zurück in ihr Nest fliegt. „Dort helfen ihr ihre Schwestern, den Sender wieder loszuwerden. Sie werden den Faden, mit dem er befestigt ist, durchbeißen. Dann bleibt der Sender im Nest“, erläutert Martin Alfare.



Anschließend beginnt die eigentliche Suche. Mit einem Empfänger versuchen die Experten, das Signal des Senders zu orten und so das Nest aufzuspüren. Die zweite Methode nennt sich Triangulation. Dabei werden die Hornissen mit einem farbigen Punkt markiert. Anschließend wird gemessen, wie lange es dauert, bis sie zum Locktopf zurückkehren. Das Prozedere wird von einem weiteren Standort aus wiederholt. “Dort, wo sich die Linien kreuzen, müsste dann das Nest sein”, ergänzt Alfare.



Der Grund für den Aufwand ist einfach: Ein großes Nest kann mehrere Tausend Tiere beherbergen. In jedem Nest wachsen Dutzende künftige Königinnen heran, die im nächsten Frühling ein eigenes Volk gründen. Für ein großes Volk werden zwei bis drei Kilo Bienen benötigt. “In Frankreich ist die Entwicklung völlig außer Kontrolle geraten”, warnt der Imker.



Die Asiatische Hornisse wurde 2004 von Asien nach Frankreich eingeschleppt. Seither breitet sie sich in Europa aus. Natürliche Feinde hat sie bislang nicht. Dass das Nest in Lustenau entdeckt wurde, sei eher Zufall gewesen. „Die kleinen Nester werden wir vermutlich gar nicht finden. Die sind nicht einmal so groß wie eine halbe Hand“, sagt der Experte und nennt den Grund: Im Frühling sind die Nester noch klein. Erst im Laufe des Sommers zieht das Volk in ein großes Nest um, das einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen kann und bevorzugt hoch oben in Laubbäumen gebaut wird. „Das Blöde ist, dass die Bäume ihr Laub relativ lange behalten und man die Nester deshalb oft erst im Oktober oder November sieht. Dann haben sie ihre Geschlechtstiere, also die künftigen Königinnen, schon hervorgebracht“, verdeutlicht der Vespa-velutina-Koordinator.


Die Nester in Lustenau wurden entfernt. Zwei Tiere, die überlebt haben, liegen mittlerweile im Tiefkühler und sollen demnächst präpariert werden. In Dornbirn wurden eine Europäische und eine Asiatische Hornisse tot auf einem Balkon gefunden. Martin Alfare geht davon aus, dass sich die beiden einen Kampf geliefert haben. „Da müssen wir fast davon ausgehen, dass irgendwo in der Nähe ein kleines Nest ist. Jetzt müssen wir aufpassen“, unterstreicht er. Ob der Fund aus Altach tatsächlich von einem Nest der Asiatischen Hornisse stammt, soll eine Untersuchung klären.
Sichtungen mit Standort und Foto sollten rasch gemeldet werden: Elisabeth Ritter, fachberatung@inatura.at, Tel. 0676 83306 4766.

