Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen

10.07.2026 • 10:14 Uhr
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Martin Alfare ist Vespa-velutina-Koordinator beim Vorarlberger Imkerverband. VN/Paulitsch

Die Bienen-Killer sind in Vorarlberg angekommen. Auch aus Dornbirn und Altach gibt es Hinweise.

Lustenau Die beiden Nester in Lustenau waren erst der Anfang. Inzwischen hat eine Dornbirnerin auf ihrem Balkon eine tote Asiatische Hornisse (Vespa velutina) entdeckt. In Altach ist ein verdächtiger Teil eines Nests aufgetaucht.

Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Der Vespa velutina auf der Spur: Imker wie Martin Alfare suchen das Nest, Schädlingsbekämpfer vernichten es. VN/Paulitsch
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Dieses Exemplar wurde in Lustenau entdeckt. In der EU ist die Asiatische Hornisse als invasive gebietsfremde Art gelistet. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, die Ausbreitung dieser Art zu verhindern und die Tiere zu bekämpfen. vlk

Die Imker in Vorarlberg sind in Alarmbereitschaft. Sie wollen den Eindringlingen möglichst einen Schritt voraus sein und verhindern, dass sie sich im Land unkontrolliert ausbreiten. „Wir sind gerüstet“, sagt Martin Alfare (62), Vespa-velutina-Koordinator beim Vorarlberger Imkerverband. Die Gefahr: Die Asiatische Hornisse jagt Bienen und bedroht ganze Völker. Weil sie sich außerdem von reifem Obst ernährt, kann sie auch im Obst- und Weinbau erhebliche Schäden anrichten.

Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Ein Sender wiegt 0,13 Gramm. Er wird mit einem Faden angebracht. Der Akku hält vier bis fünf Stunden. VN/Paulitsch

Oberstes Ziel ist es, die Nester zu vernichten. Die Suche danach gleicht echter Detektivarbeit. Nach einem Fund wird zunächst ein Locktopf aufgestellt. Taucht tatsächlich eine Asiatische Hornisse auf, gibt es zwei Methoden. Bei der ersten Methode wird das Tier mit einem Kescher eingefangen, für ein paar Minuten in eine Kühlbox gelegt und, sobald es bewusstlos ist, mit einem winzigen Sender ausgestattet. Der Plan ist, dass die Hornisse nach dem Aufwachen zurück in ihr Nest fliegt. „Dort helfen ihr ihre Schwestern, den Sender wieder loszuwerden. Sie werden den Faden, mit dem er befestigt ist, durchbeißen. Dann bleibt der Sender im Nest“, erläutert Martin Alfare.

Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Die Suche nach den Nestern gleicht echter Detektivarbeit. VN/Paulitsch
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Mit einem Empfänger versuchen die Experten, das Signal des Senders zu orten und so das Nest aufzuspüren. VN/Paulitsch
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Vespa-velutina-Experte Martin Alfare: Der Lustenauer hat bereits im Jahr 2024 im Rahmen seiner Ausbildung zum Imker-Wanderlehrer eine Fachbereichsarbeit zum Thema Asiatische Hornissen geschrieben. VN/Paulitsch

Anschließend beginnt die eigentliche Suche. Mit einem Empfänger versuchen die Experten, das Signal des Senders zu orten und so das Nest aufzuspüren. Die zweite Methode nennt sich Triangulation. Dabei werden die Hornissen mit einem farbigen Punkt markiert. Anschließend wird gemessen, wie lange es dauert, bis sie zum Locktopf zurückkehren. Das Prozedere wird von einem weiteren Standort aus wiederholt. “Dort, wo sich die Linien kreuzen, müsste dann das Nest sein”, ergänzt Alfare.

Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Bienen sind die Leibspeise der Asiatischen Hornisse. Sie lauert ihnen im Schwebeflug vor dem Bienenstock auf. VN/Paulitsch
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Martin Alfare zeigt, wie man einen Locktopf baut: ein Glas mit einem Deckel nehmen, in den Deckel einen Schlitz fräsen oder stemmen, ein Wettex einlegen und mit einer speziellen Mischung füllen: 1/3 Wein, 1/3 Bier und 1/3 süßer Fruchtsaft. „Dort, wo sie Nahrung bekommen, sind sie auch friedlich“, sagt Martin Alfare. VN/Paulitsch
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Hornissen und Co. fliegen auf den Inhalt des Locktopfs. Privat

Der Grund für den Aufwand ist einfach: Ein großes Nest kann mehrere Tausend Tiere beherbergen. In jedem Nest wachsen Dutzende künftige Königinnen heran, die im nächsten Frühling ein eigenes Volk gründen. Für ein großes Volk werden zwei bis drei Kilo Bienen benötigt. “In Frankreich ist die Entwicklung völlig außer Kontrolle geraten”, warnt der Imker.

Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Die neuen Sender, die in der Ladestation aufgeladen werden können, sind vor wenigen Tagen bei Martin Alfare eingetroffen. Jeder Sender hat eine andere Farbe und eine andere Frequenz. VN/Paulitsch
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Asiatische oder Europäische Hornisse? So erkennt man den Unterschied.
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Die Nester in Lustenau wurden in einem Container gefunden. Die Tiere konnten über die Lüftungslöcher ein- und ausfliegen. VLK

Die Asiatische Hornisse wurde 2004 von Asien nach Frankreich eingeschleppt. Seither breitet sie sich in Europa aus. Natürliche Feinde hat sie bislang nicht. Dass das Nest in Lustenau entdeckt wurde, sei eher Zufall gewesen. „Die kleinen Nester werden wir vermutlich gar nicht finden. Die sind nicht einmal so groß wie eine halbe Hand“, sagt der Experte und nennt den Grund: Im Frühling sind die Nester noch klein. Erst im Laufe des Sommers zieht das Volk in ein großes Nest um, das einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen kann und bevorzugt hoch oben in Laubbäumen gebaut wird. „Das Blöde ist, dass die Bäume ihr Laub relativ lange behalten und man die Nester deshalb oft erst im Oktober oder November sieht. Dann haben sie ihre Geschlechtstiere, also die künftigen Königinnen, schon hervorgebracht“, verdeutlicht der Vespa-velutina-Koordinator.

Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Die Nester sollen zerstört werden. VLK
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Die Herausforderung ist, Nester aufzuspüren, bevor sich die invasive Art dauerhaft ausbreitet. vlk

Die Nester in Lustenau wurden entfernt. Zwei Tiere, die überlebt haben, liegen mittlerweile im Tiefkühler und sollen demnächst präpariert werden. In Dornbirn wurden eine Europäische und eine Asiatische Hornisse tot auf einem Balkon gefunden. Martin Alfare geht davon aus, dass sich die beiden einen Kampf geliefert haben. „Da müssen wir fast davon ausgehen, dass irgendwo in der Nähe ein kleines Nest ist. Jetzt müssen wir aufpassen“, unterstreicht er. Ob der Fund aus Altach tatsächlich von einem Nest der Asiatischen Hornisse stammt, soll eine Untersuchung klären.

Sichtungen mit Standort und Foto sollten rasch gemeldet werden: Elisabeth Ritter, fachberatung@inatura.at, Tel. 0676 83306 4766.

Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Die große Nestsuche hat begonnen. Die kleinen Primärnester entstehen meist in geschützter Lage, etwa in Hecken, an Gebäuden, unter Dachvorsprüngen oder in Schuppen. Die deutlich größeren Sekundärnester werden bevorzugt in Laubbäumen gebaut. vlk
Die Jagd auf die Asiatische Hornisse hat begonnen
Die Vespa velutina ist nur wenige Zentimeter groß, doch die Schäden, die sie verursacht, können gewaltig sein. VLK