Walter Grahammer: Von Mellau in das Zentrum Europas

07.08.2026 • 14:05 Uhr
Walter Grahammer ging seinen überaus erfolgreichen beruflichen Weg von Mellau bis ins politische Zentrum Europas.
Walter Grahammer ging seinen überaus erfolgreichen beruflichen Weg von Mellau bis ins politische Zentrum Europas.

Spitzendiplomat, Wüstenfahrer und überzeugter Europäer: Das war der gebürtige Vorarlberger Walter Grahammer, der am 10. April in Salzburg verstarb.

Von Kristina Becker

Mellau Geboren am 19. August 1953 in Lustenau, wuchs Walter Grahammer mit seinen zwei Geschwistern in Mellau auf. Nach der Matura am BG Gallusstraße in Bregenz und dem Grundwehrdienst begann er 1972 in Salzburg sein Studium der Fächer Italienisch und Französisch am Institut für Romanistik. Bei Auslandsaufenthalten u. a. in Reims, Perugia und Toulouse vervollkommnete er seine Sprachkenntnisse. Trotz seines Engagements im Studium fand Walter Grahammer stets Zeit für seine Hobbys: das Musizieren mit Akkordeon und Gitarre, den Gesang, das Theaterspielen und Auftritte in Kabarettshows. Die Musik war es auch, die ihn mit seiner späteren Frau Hannelore zusammenbrachte. Er lernte sie 1975 während eines Studentenjobs als DJ in Kaprun, wo sie als Skilehrerin tätig war, kennen. Der Verbindung entsprangen mit Axel und Julia zwei Kinder, die die beiden auf ihren vielen Stationen durch Europa und Nordafrika begleiten sollten.

Nach seinem Studienabschluss 1978 wurde Walter Grahammer zunächst Lehrer für Französisch und Italienisch an der Höheren Bundeslehranstalt für Fremdenverkehr in Ischl und anschließend Deutschlehrer in St. Quentin in Frankreich. 1985 wurde er schließlich von der österreichischen Wirtschaftskammer zur Außenhandelsstelle in der österreichischen Botschaft in Algier entsandt. Hier schnupperte er erstmals die Luft der Diplomatie, und hier wurde auch seine und Hannelores Liebe zum Wüstenfahren geweckt – später mit dem legendären Steyr-Allrad-Lastwagen, einem echten Wüstenfahrer-Mobil, das er selbst ausgebaut hatte. Hannelore mit ihrem Organisationstalent war für Walter eine große Stütze, was sich im Laufe seiner weiteren Karriere mit zahlreichen Umzügen und Events in den jeweiligen Residenzen immer wieder bewährte.

Als begeisterter und überzeugter Europäer war es Walter Grahammer stets ein Anliegen, für ein stärkeres Europa einzutreten.
Als begeisterter und überzeugter Europäer war es Walter Grahammer stets ein Anliegen, für ein stärkeres Europa einzutreten.

Nach erfolgreich abgelegter Diplomatenprüfung begann ab 1993 Walter Grahammers beeindruckende Karriere: als stellvertretender Botschafter in Luxemburg und Brüssel, Kabinettsmitarbeiter im Außenministerium, stellvertretender Ständiger Vertreter Österreichs in Brüssel, Sektionsleiter für Integrations- und wirtschaftspolitische Angelegenheiten sowie EU-Koordination im Außenministerium sowie schließlich von 2011 bis 2017 als Ständiger Vertreter Österreichs bei der EU. Für seine Leistungen wurde Walter Grahammer, der als besonnen und zielstrebig, aber auch lebenslustig und charmant galt, u. a. mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Das enorme Arbeitspensum, das die verschiedenen Posten mit sich brachten, forderte jedoch auch seinen Tribut: 2013 erlitt Walter erstmals einen schweren Schlaganfall. Mit nahezu übermenschlicher Kraft kämpfte er sich zurück, um seine Arbeit für Österreich fortzusetzen. 2017 wurde er zum österreichischen Botschafter in Frankreich ernannt. In dieser Funktion begleitete er u. a. Bundeskanzler Kurz bei dessen Besuch bei Präsident Macron, und von diesem Posten aus trat er im Sommer 2018 schließlich den Ruhestand an, der ihn zurück nach Österreich führte. Hier verbrachte er gern Zeit mit seinen vier Enkelkindern Felix, Emilia, Charlotte und Pauline.

Von einem zweiten Schlaganfall 2025 erholte sich Walter Grahammer nicht mehr gänzlich, und so mussten ihn seine Familie und Freunde am 10. April 2026 – viel zu früh – in Salzburg auf seine letzte Reise gehen lassen. In Erinnerung bleibt Walter Grahammer als einer, der immer ein offenes Ohr für andere hatte, der mit seiner Kompetenz und Ruhe überzeugte und dessen Verdienste für Österreich und Europa von bleibendem Wert sind.

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