Maria Waldberg: Vom Milchkärrili-Mariele zur SPAR-Vorarlberg-Mitgründerin

Mit Maria Waldberg verabschiedet Schruns eine prägende Persönlichkeit, die die Berge des Montafon genauso liebte wie die weite Welt.
Von Krista Vonbank
Schruns Am 15. Juli verstarb Maria Waldberg, “Mariele aus dem Lädili”, in ihrem Haus in Schruns-Gamprätz – im selben Haus, in dem sie vor 96 Jahren geboren wurde.
Maria erblickte am 22. Jänner 1930 als Jüngste von zehn Geschwistern das Licht der Welt. Die Jahre der Kindheit verliefen in großer Bescheidenheit, waren aber von einem liebevollen Elternhaus geprägt. Die Größe der Familie verlangte einen Beitrag von jedem, so auch von Mariele. Eine ihrer Aufgaben bestand beispielsweise darin, allmorgendlich noch vor Schulbeginn die frisch gemolkene Milch auf einem “Kärrili” (Handwagen) in die Sennerei im Schrunser Ortsteil Tobel zu bringen.

Mariele war wiss- und lernbegierig. Sie wollte die Handelsschule besuchen, was der Familienrat für überflüssig befand. “Der Strapf brucht des net”, lautete der Tenor. Doch die Mutter stand ihr zur Seite, und so wurde es Mariele doch gestattet, die Schule zu besuchen. Eine wichtige Voraussetzung für ihre spätere berufliche Tätigkeit im kaufmännischen Bereich. Auch den Führerschein wollte sie unbedingt haben – für Frauen zu dieser Zeit nicht selbstverständlich. Dasselbe Spiel, dieselben Vorzeichen: Der Familienrat war dagegen, die Mutter stärkte ihr den Rücken, und Mariele machte ihren Führerschein.

Die heimische Bergwelt zu erwandern, zählte für Mariele zum Schönsten. Dagegen hatte glücklicherweise auch niemand etwas einzuwenden. Dass sie im Laufe des Nachmittags losziehen durfte – auf Wormser, Tilisuna- oder welche Hütte auch immer –, galt als Belohnung für die morgendliche Heu- oder anderweitige harte Arbeit. Im Montafon findet sich kaum ein Gipfel, den sie nicht bestiegen hat.
Einundzwanzigjährig übernahm sie die elterliche Gemischtwarenhandlung, den Nahversorger im Schrunser Ortsteil Gamprätz, der seit Jahrzehnten als “Lädili” bekannt war. Vorausschauend schloss sie ihr Geschäft 1958 als Selbstbedienungsbetrieb an die von ihr mitbegründete Ladenkette SPAR Vorarlberg an.
Nachdem sie mit Hans Waldberg den Bund fürs Leben geschlossen hatte, machten die beiden Töchter Angela und Klaudia die Familie komplett. Mit ihrem Hans ging Maria auf Reisen, als die Mädchen größer wurden. Weite Reisen. Und sie fand Riesenspaß daran, erzählte im Freundeskreis voller Stolz, sie habe in fast allen Weltmeeren gebadet.

Mariele war “umtriebig”: gesellig, voller Humor und dabei bienenfleißig. Jahre hindurch verwöhnte sie ihre Pensionsgäste nach Kräften und unterhielt sie mit abendlichen Gitarrenklängen. Sie musizierte, tanzte und lachte für ihr Leben gern. Auch das “Wiberturnen” war Teil ihres Lebens, genauso wie Yoga oder der “Wiberskikurs”, in dessen Reihen die traditionelle holzgeschnitzte Schrunser Fasnachtsmaske, das “Hülzerne Glächter”, seine Neuauflage erfahren hatte.

Maria Waldberg war eine Ausnahmepersönlichkeit. Mit ihrem Tod, am Geburtstag des verstorbenen Ehemannes Hans, ist eine Ära zu Ende gegangen; für ihre Familie, aber auch weit darüber hinaus.
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