Leserbrief: Gelebte Demokratie statt Abwertung

Der Bericht über das geplante Reststoffkraftwerk in Frastanz hat bei mir vor allem eine Frage hinterlassen: Warum wird die Kritik einer Bürgerinitiative so stark über deren Kommunikationsstil beurteilt, anstatt sich mit ihren konkreten Argumenten und fachlichen Einwänden auseinanderzusetzen? Rondo Ganahl wirft S.O.S. Walgau unter anderem “Fehlinformationen”, emotionalisierende Darstellungen und überzogene KI-Visualisierungen vor. Das kann man kritisieren. Aber kritische Fragen zu stellen, eigene Fachleute einzubeziehen und mögliche Risiken untersuchen zu lassen, ist noch lange nicht unseriös. Gelebte Demokratie bedeutet auch, dass Bürgerinnen und Bürger nicht einfach alles hinnehmen müssen, was ein Projektwerber plant. Sie haben das Recht, Fragen zu stellen, Informationen einzufordern und fachlich geprüfte Einwände auf einer soliden Grundlage vorzubringen. Bei einem Projekt dieser Größenordnung, das Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt haben kann, ist es legitim, mögliche Risiken kritisch zu hinterfragen und eine sorgfältige Prüfung einzufordern. Nachhaltiger wirtschaftlicher Fortschritt ist wichtig und notwendig. Er sollte jedoch im Einklang mit dem Schutz unserer Umwelt und unserer Lebensgrundlagen stehen. Das ist gelebte Demokratie und verantwortungsvolle Bürgerbeteiligung.
Andrea Prestel, Frastanz