Leserbrief: Natur wird zum Schweigen gebracht

Die Landesregierung verspricht mit der Novelle des Naturschutzgesetzes vor allem eines: Bürokratieabbau. Wunderbar, könnte man denken. Doch so, wie die Vorschläge jetzt am Tisch liegen, gewinne ich den Eindruck, dass unter dem Deckmantel eines von vielen gewünschten Bürokratieabbaus etwas ganz anderes passiert: Die Natur wird zum Schweigen gebracht. Denn die einzige Vertreterin der Natur – die Naturschutzanwaltschaft – verliert mit dieser Novelle den Großteil ihres Mitspracherechts, z. B. bei Bauvorhaben. Sie würde durch die geplanten Änderungen aus dem größten Teil der Verfahren ausgeschlossen, nämlich aus allen “normalen” Verfahren, in denen keine EU-rechtlichen Vorschriften berührt werden. Damit geht eine wesentliche Perspektive verloren, die für eine ausgewogene und weitsichtige Entscheidung notwendig wäre. Damit bekommen andere Lobbyinteressen – wie die der Wirtschaftskammer, der Landwirtschaftskammer, der Unternehmen und der Industrie – automatisch viel mehr Gewicht. Für kurzfristige wirtschaftliche Erleichterungen werden die Lebensgrundlagen künftiger Generationen aufs Spiel gesetzt. Das ist kurzsichtig, denn Gesetze zum Schutz der Natur sind zentral, um unsere Welt für künftige Generationen zu erhalten. Zudem gibt es keine Begründung und keinen Nachweis, dass durch einen Ausschluss der Naturschutzanwaltschaft wirklich der versprochene Bürokratieabbau gelingt. Mit dem geplanten neuen Naturschutzgesetz wird also nur der Naturschutz geschwächt – von “Gleichgewicht” kann keine Rede sein. Und das meine ich als Unternehmerin.
Hemma Büchele, Hard