Eine Drohne als großer Retter der Rehkitze

VN / 10.06.2019 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alleine in einem Schweizer Kanton konnten in wenigen Tagen 59 Rehkitze gerettet werden. VEREIN REHKITZRETTUNG SCHWEIZ/REHKITZRETTUNG.CH

Drohnen helfen in der Schweiz, Rehkitze vor Mähdreschern zu retten. Auch in Vorarlberg wäre dieses Modell denkbar.

Der größte Feind der Rehkitze ist der Mähdrescher. Zumindest in der Mähsaison. Drei Viertel aller Rehkitze suchen im hohen Gras Schutz und vertrauen dabei auf ihre Tarnung. Droht Gefahr, verharren sie in der Deckung. Schutz vor einem Mähdrescher bietet dieser Instinkt freilich nicht. Erst kürzlich rechnete Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft, in den VN vor: Rund 30.000 Rehkitze fallen jährlich den Mähdreschern zum Opfer. „Auf Vorarlberg heruntergebrochen sind es einige Hundert.“ Er und die Vorarlberger Wildtierhilfe bauen deshalb auf ein Gerät Namens „Kitzretter 01“ (die VN berichteten). Mittels Blaulicht- und Infrarotsignalen sollen die Tiere irritiert werden, was sie dazu bringt, ihre Rehkitze woanders zu verstecken. In der Schweiz kommen indes immer häufiger Drohnen zum Einsatz. Sie gehen mit Wärmebildkameras auf die Suche nach Rehkitzen, Retter holen sie anschließend aus ihrem Versteck. Auch Vorarlbergs Grüne sowie Agrarlandesrat Christian Gantner (ÖVP) zeigen sich auf VN-Anfrage offen gegenüber der neuen Technologie.

Eine solche Drohne kann bis zu 10.000 Quadratmeter in fünf Minuten absuchen.  Verein Rehkitzrettung Schweiz/Rehkitzrettung.ch
Eine solche Drohne kann bis zu 10.000 Quadratmeter in fünf Minuten absuchen. Verein Rehkitzrettung Schweiz/Rehkitzrettung.ch

Die Vorfälle sind nicht nur für die Rehkitze schrecklich. Ihre Mütter suchen teilweise noch tagelang nach den Kitzen. Zudem können die Leichenreste den Boden und damit das Futter für Rinder vergiften.

Die Zahlen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden sind jedenfalls vielversprechend. Am 30. Mai begann die Mähsaison. Gleichzeitig nahmen vier Drohnen mit Wärmebildkameras ihre Arbeit auf. Fünf Tage später zog die Jagd- und Fischereiverwaltung eine erste Bilanz: 59 Rehkitze konnten gerettet werden, dem gegenüber stehen neun getötete Rehkitze. Das Drohnenangebot ist für die Landwirte kostenlos, extra ausgebildete Piloten werden zur Verfügung gestellt. Auch in Deutschland kommen Drohnen zum Einsatz. Der Verein Rehrettung Hegau-Bodensee bietet zum Beispiel einen fliegenden Rehretter an, um Landwirten zu helfen.

Die Drohnen sind mit Wärmebildkameras ausgestattet und finden so die Rehkitze.  Verein Rehkitzrettung Schweiz/Rehkitzrettung.ch
Die Drohnen sind mit Wärmebildkameras ausgestattet und finden so die Rehkitze. Verein Rehkitzrettung Schweiz/Rehkitzrettung.ch

Der grüne Landtagsabgeordnete Daniel Zadra ist in einer Anfrage an Landesrat Gantner überzeugt: „Einen Einsatz von Drohnen zum Schutz von Rehkitzen vor Mähmaschinen halten wir Grüne für vielversprechend.“ Allerdings seien noch einige Fragen offen. Zadra möchte wissen, ob das Land eine Statistik über getötete Rehkitze führt, welche Schutztechniken derzeit angewendet werden und wie Gantner zum Einsatz von Drohnen steht. Der angesprochene Landesrat antwortet auf Anfrage der VN: „Wir stehen Neuem grundsätzlich sehr offen gegenüber und prüfen derzeit die Erfahrungswerte anderer und eine mögliche Anwendung in Vorarlberg.“ Die Digitalisierung biete große Chancen für die Landwirtschaft, eine Drohne zum Schutz von Rehkitzen sei ein gutes Beispiel dafür. Gantner fügt an, dass allerdings auch geprüft werden müsse, ob die Drohnen für Unruhe im Lebensraum sorgen. Einen Seitenhieb auf den Anfragesteller kann sich der Landesrat nicht verkneifen: „Es wundert mich ein wenig, dass dieser Vorschlag gerade von den Grünen kommt, die sich im Zuge des Naturschutzgesetzes massiv für Drohnenflugverbote stark gemacht haben.“

„Wir prüfen derzeit die Erfahrungswerte anderer und eine mögliche Anwendung in Vorarlberg.“

Agrarlandesrat Christian Gantner (ÖVP)

Gernot Heigl von der Vorarlberger Jägerschaft hat sich vor einigen Wochen in den VN bereits zum Drohnenmodell geäußert. Ein Nachteil sei, dass die gefundenen Rehkitze rausgenommen, versorgt und anschließend wieder freigelassen werden müssten. Der „Kitzretter 01“ würde hingegen den Tieren helfen, sich selbst zu retten.