Ex-Mitarbeiter mit Karriere: Wer von Gehrer und Gorbach blieb

10.06.2019 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die damalige Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer und ihre Pressesprecherin Heidi Glück kamem 1998 nach Vorarlberg, um eine Informationsoffensive an Schulen zu starten. ZELLHOFER

Was wurde aus Heidi Glück, Andreas Reichhardt, Ina Sabitzer, Florian Phleps und anderen ehemaligen Kabinettsmitarbeitern?

Johannes Huber

WIEN Kabinettsmitarbeiterin zu sein, das sei für sie „wie Harvard in der Praxis“ gewesen, berichtet Heidi Glück. Allgemein bekannt wurde sie als Sprecherin von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel (73). Zuvor aber war sie für die ehemalige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (77) tätig. Und das waren nicht irgendwelche Jobs, wie sie betont: „Harvard“ steht für eine hochstehende, aber auch knallharte Ausbildung. Von Montag bis Freitag mehr oder weniger durcharbeiten ist ebenso selbstverständlich wie Krisenmanagement an Wochenenden. Hinterher aber sind die Voraussetzungen für eine steile Karriere nicht die schlechtesten. Im Gegenteil, Glück ist erfolgreiche Beraterin geworden, im Fernsehen ist ihre Einschätzung zur österreichischen Politik immer wieder gefragt.

Was aus Kabinettsmitarbeitern werden kann, sieht man bei all jenen überhaupt sehr eindrucksvoll, die einst für die beiden Vorarlberger Regierungsmitglieder Gehrer (1995 bis 2007) und Hubert Gorbach gearbeitet haben. Gorbach war von 2003 bis 2007 Vizekanzler und Verkehrsminister. Andreas Reichhardt war stellvertretender Bürochef bei ihm. Soeben ist ihm der 50-Jährige quasi nachgefolgt: Reichhardt ist von Bundespräsident Alexander Van der Bellen (75) als Verkehrsminister angelobt worden.

Vielfältige Wege

Die Wege, die andere Männer und Frauen nach ihrer Zeit im Kabinett des Frastanzers Hubert Gorbach (62) gemacht haben, sind vielfältig: Ina Sabitzer wurde Konzernsprecherin der Telekom Austria. Florian Phleps ist heute Geschäftsführer der Tirol Werbung und Christine Lackner Cheflobbyistin des ORF. Unter Gorbach vom Verkehrsministerium zur Bahn gewechselt ist wiederum einer, der erst jüngst zum ÖBB-Finanzvorstand bestellt worden ist: Arnold Schiefer.

Belastbarkeit ist Voraussetzung

Wer an der Seite eines Regierungsmitglieds bestehen will, muss laut Heidi Glück physisch und psychisch belastbar sein, „weil überwiegend unter starkem zeitlichen Druck gearbeitet wird“. Auch absolute Loyalität, Vertraulichkeit und kommunikatives Geschick seien gefragt. Ronald Zecha kann das nur bestätigen: „Natürlich war die Tätigkeit ein enormes ,Soft-Skills-Training‘“. Sprich: Viele Eigenschaften, Fähigkeiten und Qualifikationen seien weiterentwickelt worden. Zecha, wie Glück einst Sprecher von Gehrer, sieht aber auch eine andere Seite: Hinterher wird man parteipolitisch sehr stark zugeordnet, ja darauf reduziert. Umso mehr fachliche Kompetenz will unter Beweis gestellt werden. Zecha ist nach seiner Kabinettszeit ganz ins Bildungswesen gegangen, war zunächst Geschäftsführer der Volkshochschule Tirol und ist seit 2017 Direktor der höheren landwirtschaftlichen Lehranstalt in Kematen.

Aufstieg im Verborgenen

Elisabeth Gehrer hatte in all den Jahren in der Regierung zahlreiche Mitarbeiter, die heute von sich reden machen oder im Verborgenen aufgestiegen sind: Martin Netzer, ein gebürtiger Montafoner, war unter Bildungsminister Heinz Faßmann (63) Generalsekretär des Ressorts. Daniel Kapp ist Kommunikationsexperte, der ÖVP-Chef Sebastian Kurz (32) nahesteht. Thomas Obernosterer ist Landtagsdirektor in Niederösterreich. Maximilian Schnödl hat es in den USA in die Vorstandsetage eines führenden Unternehmens für Verwaltungssoftware gebracht; im Übrigen ist er Aufsichtsratspräsident des Bundesrechnungszentrums. Und dann ist da noch Thomas Schmid, der für Gehrer eine Zeit lang Pressekontakte gepflegt hat: Der 43-Jährige ist gerade Chef der Staatsholding ÖGAB geworden. Als solcher verwaltet er die milliardenschweren Beteiligungen der Republik an OMV, Telekom, Post, Verbund und Casinos Austria.

Gorbachs ehemaliger stellvertretender Bürochef ist jetzt als Verkehrsminister angelobt worden. Diesmal von Präsident Alexander Van der Bellen.  APA
Gorbachs ehemaliger stellvertretender Bürochef ist jetzt als Verkehrsminister angelobt worden. Diesmal von Präsident Alexander Van der Bellen. APA