Wasser in Hülle und Fülle

VN / 28.08.2019 • 09:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Kops-See ist ein großer Jahresspeicher, hier wird besonders viel Wasser von der Tiroler Seite der Silvretta genutzt. ILLWERKE VKW

Die Silvretta eignet sich perfekt für die Energiewirtschaft: Es gibt genug Wasser und ein starkes Gefälle.

Gernot Schweigkofler

Gaschurn Ein Wochenende lang kann die Bevölkerung gemeinsam mit illwerke vkw die Eröffnung des neuen Obervermuntwerks II feiern. Das im Berg verbaute Pumpspeicherkraftwerk ist die neueste Ergänzung zum dicht ausgebauten Kraftwerksnetz auf der Vorarlberger Seite der Silvretta. Die hohe Dichte an Kraftwerken in diesem Bereich ist natürlich kein Zufall. In der Silvretta kommen zwei Dinge zusammen, die für den Ausbau der Wasserkraft ideal sind: ein großes Einzugsgebiet mit viel Wasser sowie die ideale Topographie des Geländes. Schon im Mittelalter wurde das Gefälle genutzt, seit 1926, als der Baubeginn des Vermuntwerks war, sind hier die Illwerke bzw. jetzt die illwerke vkw tätig.

Topografisch begünstigt

Energiewirtschaft in der Silvretta und dem Rhätikon kann sich auf eine ideale Topografie stützen. Das Wasser hat von den Hochtälern ins Illtal hinunter eine hohe Fallhöhe (bis zu 1538 Metern), in Verbindung mit Speicherseen kann dieses Potenzial optimal genutzt werden. Auf der Tiroler Seite der Silvretta ist das ganz anders, der Talgrund des Paznauntals liegt rund 600 Meter höher als der des Montafons. Aus diesem Grund wird das Wasser der Tiroler Seite auch in die Vorarlberger Speicherseen geleitet, hier gibt es entsprechende Abkommen mit den Tirolern.

Der Silvrettasee (rechts oben) sowie der Vermuntspeicher (links unten) - zwischen den beiden Speichern findet sich das neue Pumpspeicherkraftwerk Obervermunt II. illwerke vkw
Der Silvrettasee (rechts oben) sowie der Vermuntspeicher (links unten) – zwischen den beiden Speichern findet sich das neue Pumpspeicherkraftwerk Obervermunt II. illwerke vkw

Die Gletscher und die vielen Quellen im Silvretta-Gebiet sorgen zudem für ein schnelles Auffüllen der Speicherseen. So wird der große Silvretta-See durch Zufluss zwei Mal im Jahr komplett aufgefüllt – er wird deshalb als Jahresspeicher bezeichnet. Ähnliches ist es mit dem Kopsspeicher, der, vor allem mit Tiroler Wasser, mehr als fünf Mal im Jahr befüllt wird. Der Lünersee im Brandnertal, wird im Vergleich nur alle fünf Jahre natürlich befüllt – hier ist das Einzugsgebiet weit kleiner. Neben diesen Jahresspeichern, gibt es auch einen Wochenspeicher, den Vermuntsee. Er würde natürlich mehr als zwei Mal im Monat komplett befüllt werden. Heute kommen natürlich die Pumpspeicherwerke dazu – Kops II, OVW II, Rodund I und II sowie das Lünerseewerk nutzen die Schwankungen am Strommarkt um Wasser wieder in die Speicher zu pumpen. Damit dienen diese Speicher als gigantische Batterien für den europäischen Strommarkt.

die großen Speicher der Illwerke Vkw

Silvretta: Jahresspeicher, 38,6 Mio Kubikmeter Speicherraum, gespeicherte Energie 134,69 Mio kWh (80 Mio Kubikmeter Zufluss pro Jahr)

Vermunt: Wochenspeicher 5,3 Mio Kubikmeter Speicherraum, gespeicherte Energie 15,13 Mio kWh (173 Mio Kubikmeter Zufluss pro Jahr)

Kops: Jahresspeicher 42,9 Mio Kubikmeter Speicherraum, gespeicherte Energie 127,45 Mio kWh (233 Mio Kubikmeter Zufluss pro Jahr)

Lünersee: Jahresspeicher 78,3 Mio Kubikmeter Speicherraum, gespeicherte Energie 226,16 Mio kWh, (15 Mio Kubikmeter Zufluss pro Jahr)

Jahresenergieverbrauch Vorarlberg (ohne Kraftstoff-Export): 9692 GWh, Regelarbeitsvermögen der Werksgruppe Obere-Ill – Lünersee 2886 GWh

Vorarlberg ist auch meteorlogisch für die Wasserkraft begünstigt: die Niederschlagsmengen sind nämlich deutlich höher als im Osten Österreichs. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Situation wird von den Experten der illwerke vkw wie folgt eingeschätzt. Die Gletscher in der Silvretta werden wohl um rund ein Viertel zurückgehen, bleiben aber auch weiterhin wichtig für das Wasserangebot der Kraftwerke im Sommer. Das Wasserkraftpotenzial wird sich im Sommer dennoch um ca. zehn bis 20 Prozent verringern. Demgegenüber steigert sich aber das Potenzial im Winter um rund 20 Prozent. Der wichtige Bodenschatz Wasser bleibt in der Silvretta jedenfalls erhalten.

Optimierung durch neue Werke

Auch ohne die beiden großen Pumpspeicherkraftwerke Kops II und jetzt OVW II wurde in der Silvretta viel Strom erzeugt, aber die Vergleichszahlen zeigen, wie sehr die sogenannte „Engpassleistung“ (das ist die maximale Dauerleistung die der Kraftwerkverbund im Normalbetrieb leisten kann) gesteigert werden konnen. 2005 lag diese bei 1248 MW, 2008, nach Inbetriebnahme von Kops II bei 1814 MW und heute, mit dem neuen OVW II- sowie dem Rellswerk bei 2204 MW. Zum Vergleich, die Höchstlast im elektrischen Netz in Vorarlberg liegt bei lediglich 500 MW, das könnte vom Kops II Werk alleine gestemmt werden.

„Energie für unser Leben“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der Vorarlberger Nachrichten mit Unterstützung von illwerke vkw.

Tag der offenen Tür OVW II

Samstag und Sonntag, 31. August und 1. September von 8.30 bis 18 Uhr

Gratis Bustransfer zum Kraftwerk und zur Bielerhöhe (Silvretta-Hochalpenstraße für öffentlichen Verkehr gesperrt)

Besichtigung der Kraftwerkskaverne und exklusive Führungen (Fußweg ca. 2 Kilometer mit Steigungen)

Umfangreiches Rahmenprogramm

Detaillierte Informationen unter www.illwerkevkw.at