Ausbildungsbonus in der Pflege noch ohne Effekt

VN / 06.07.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Die Pflege braucht Verstärkung, deshalb wird daran gearbeitet, noch mehr Interessenten in die Ausbildung zu bringen. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"><span class="copyright">khbg</span></span></p>

Die Pflege braucht Verstärkung, deshalb wird daran gearbeitet, noch mehr Interessenten in die Ausbildung zu bringen.  khbg

Die Bildungseinrichtungen kämpfen mit stagnierenden Bewerberzahlen.

Feldkirch Personelle Engpässe zwingen die Krankenhäuser zu teils drastischen Maßnahmen. Im Stadtspital Dornbirn werden Patienten der Traumatologie mit jenen der Orthopädie zusammengelegt, und im LKH Bludenz sperrt demnächst die Geburtshilfe für einen Monat zu (die VN berichteten). Es sind nicht die einzigen Betten, die in den Landeskrankenhäusern aktuell brachliegen. Laut Auskunft der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) betrifft die Stilllegung derzeit rund 80 von 1540 Patientenbetten. Als Ursachen für die „gelegentlich kurzfristigen und geringfügigen Umstrukturierungen“ werden Umbauarbeiten, Krankenstände, Karenzierungen und der Fachkräftemangel angegeben.

Zu kurzfristig

Dem hofft das Land unter anderem mit der Ausbildungsförderung beizukommen. Dafür wurden extra die Anmeldefristen in den einschlägigen Bildungseinrichtungen verlängert. Der erhoffte Effekt blieb jedoch aus. „Das Ganze war zu kurzfristig angesetzt“, vermutet Mario Wölbitsch, Leiter der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in Feldkirch und Rankweil. Nur sechs Bewerbungen kamen zusätzlich herein. Nachsatz: „Das haben wir aber jedes Jahr.“  Er hofft, dass sich das finanzielle Zubrot in Höhe von monatlich 600 Euro bei den im Frühjahr angesetzten Kursen bemerkbar macht. „Wir sind da mit sehr viel Motivation ans Werk gegangen“, sagt Mario Wölbitsch, hält sich mit Euphorie jedoch zurück: „Ob wir die Kurse vollbekommen, steht auf einem anderen Blatt.“

Kein Grund zum Überschwang liefern auch die heurigen Bewerbungszahlen. Insgesamt gab es 257 Online-Bewerbungen, allerdings stellten sich nur 170 Interessenten dem Aufnahmeverfahren. Wölbitsch spricht von einer hohen Drop-out-Rate, die er sich mit Doppelbewerbungen erklärt, aber nicht nur: „Dieses Phänomen, dass sich Leute bewerben und dann nicht erscheinen, hatten wir schon im vergangenen Jahr. Das müssen wir im Auge behalten.“ Bis es zur Aufnahmekommission ging, war die Zahl der Bewerber auf 152 geschrumpft. „Für 100 Ausbildungsplätze ist das nicht eben der Bär“, bemerkt Mario Wölbitsch. Angenommen wurden letztlich 106. Die Absagen erfolgten nicht alle durch die Schule. „Einige zogen von sich aus zurück, weil sie keine Lust mehr hatten, andere wechselten an die Polizeischule“, nennt der Direktor zwei Beispiele. Als limitierenden Faktor führt er auch die Klassengröße an: „Wir können nicht statt 38 einfach 50 Schüler nehmen. Das lässt sich nicht stemmen.“

Rückläufiges Interesse

Umso mehr hofft er auf eine Wirkung der Ausbildungsförderung im Frühjahr. Gleichzeitig verweist Mario Wölbitsch auf die connexia Implacementstiftung, über die Wieder- und Quereinsteiger bereits eine finanzielle Unterstützung erhalten. „Wir hatten in Vorarlberg also schon eine gute Situation“, sagt er. Besser könnte hingegen das Interesse am Pflegeberuf insgesamt sein. Seit drei Jahren ist die Tendenz sinkend. „Wir wären aber schon zufrieden, wenn es so bleiben würde. Dann hätten wir doch 100 oder 90, die jedes Jahr fertig werden, plus jene von der FH“, rechnet Wölbitsch vor. Von den 106 Interessenten, die im Herbst anfangen, zeigt er sich jedenfalls überzeugt.