Haben wir das echt verdient?
Natürlich fällt es schwer, diese Kolumne nicht mit den vier Grundrechnungsarten zu eröffnen oder mit dem Verweis auf Excel-Kurse für Anfänger („Ich frage für einen Freund…“), aber diese Sätze hier greifen weiter zurück auf einen Abend, als die österreichische Innenpolitik das Land noch nicht erneut zum Gespött gemacht hatte.
Samstagnacht. Die Bregenzer Innenstadt quillt über von fröhlichen Menschen. Frauenlauf war und Street Parade, noch immer mischen sich alle Altersklassen und Milieus zu einem einzigen bunten Korso. Im Schanigarten der Pizzeria werfen die Kellner einander Bonmots und auch Teller zu, servieren mit Grandezza dampfende Speisen und barocke Kunstwerke aus Speiseeis. Einer fällt gar auf die Knie und überreicht einem verdutzten Mädel eine Rose, die er der Dekoration entrissen hat. Wenn jetzt ein Tenor eine zartschmelzende Arie anstimmte, es wunderte niemanden.
Sie alle hier gehen zur Arbeit oder in die Schule, gönnen sich heute Nacht eine Auszeit und treten am Montag wieder an. Sie zahlen Steuern (und schimpfen aufs Finanzamt). Sie lieben, lachen, grübeln und zanken und bilden alle zusammen dieses Österreich. Und sie hätten sich wirklich eine andere Politik verdient als dieses ewige Kasperltheater, das derzeit in Rot und morgen wieder in einer anderen Farbe jeden ernsthaften Gedanken ans Gemeinwohl vermissen lässt.
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