
Deshalb liegt die MS Austria auf dem Trockenen
Das Flaggschiff der Vorarlberg Lines ist seit Dienstagvormittag nicht mehr im Wasser.

Fußach Dieser Anblick ist keinesfalls alltäglich: Die MS Austria, das größte und schnellste Fahrgastschiff auf dem Bodensee, liegt seit Dienstagvormittag an Land. Dahinter steckt aber kein Unfall, sondern pure Absicht. Das 84 Jahre alte Flaggschiff der Vorarlberg Lines wird in der Fußacher Werft saniert. Doch dafür gibt es nur ein kleines Zeitfenster.

“Die Unterwasserhaut wird teilweise ausgewechselt”, erklärt Betriebsleiter Hans Wüstner. “Zugleich werden zwei Abwassertanks erneuert.” Heißt: Aus der Schiffshülle, die normalerweise unter Wasser liegt, werden einzelne Felder herausgeschnitten und ausgetauscht. Eines der entstandenen Löcher nutzen die Schiffsexperten direkt, um Bauteile für einen Tank ins Schiffsinnere zu bringen. Dort werden sie dann zusammengebaut.

Letzter Abschnitt der Sanierung
Bevor es aber so weit ist, sind am Morgen die Bodenseetaucher Lutz Wendt und Atilla Sonntag im Einsatz. Sie verkeilen das Schiff, damit es beim Transport an Land nicht kippt. Dann werden die Maschinen angeworfen, ein durchdringendes Surren ertönt. Fünf Schlitten mit einer Zugkraft von je 250 Tonnen ziehen das 450 Tonnen schwere Schiff die leichte Neigung am Ufer hoch.

In den vergangenen Jahren gab es dieses Prozedere mehrere Male. “Wir haben schon viel erneuert”, sagt Wüstner. Die Schiffshaut wird nämlich regelmäßig auf ihre Dicke überprüft. Die aktuellen Maßnahmen stellen den letzten Abschnitt dar. “Für die nächsten zig Jahre”, mutmaßt der Betriebsleiter. “Dann ist das Unterwasserschiff wieder tipptopp beieinander.”


Doch der Weg scheint unendlich weit. Zentimeter für Zentimeter rückt das Schiff in der Werft näher an Land. Eigentlich soll dieser Vorgang nur gut eine halbe Stunde dauern. Am Dienstag ist es am Ende über eine Stunde. Für Unruhe sorgt das nicht. “Alles läuft nach Plan”, sagt Wüstner. Einmal wird alles gestoppt, damit zusätzliche Keile angebracht werden können. Nur kein Risiko. Dann geht es weiter – im Schneckentempo. Etwa 15 Männer sind insgesamt im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.
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Weniger Muscheln als erwartet
Langsam erscheint die untere Schiffshaut an der Oberfläche. “Schaut gut aus”, ruft Wüstner. Weit weniger Muscheln als erwartet, zieren das Schiff. Die viel diskutierte Quagga-Muschel ist nämlich auch für die Bodenseeschifffahrt ein Ärgernis. Sie blockiert Kühlungswege. Als Erstes wird daher später die Hülle mit Hochdruck gereinigt. Dann beginnen die eigentlichen Arbeiten. Damit sind auch Arbeiter der Öswag Werft aus Linz betreut. Insgesamt zehn Menschen bringen die MS Austria wieder auf Vordermann.


Interessierte können auch einen Blick auf die MS Austria an Land ergattern. Das Werftgelände ist für Besucher zwar geschlossen, aber vom Ufer auf der anderen Seite aus hat man freie Sicht auf das 60 Meter lange Schiff.
Bis zum 17. November müssen sie fertig sein. Denn: “Eine Woche später beginnen die Weihnachtsfahrten”, erläutert der Betreibsleiter. Ein wichtiges Geschäft für die Vorarlberg Lines. Immerhin kostet die Sanierung selbst mehrere Hunderttausend Euro. Bis dahin müssen die Schiffsreparateure aber immer auch den Wasserstand im Blick haben. Sollte es weiter so trocken bleiben, und der Wasserpegel im Bodensee sinken, muss das Schiff vielleicht schon früher zurück ins Wasser. Damit es am Ende nicht unabsichtlich strandet.

Verzichten möchten Wüstner und Co. nämlich nicht auf ihr Flaggschiff, das seit 1939 unterwegs ist. “Es ist in einem sehr guten Zustand. Das liegt natürlich auch daran, dass wir auch immer sehr gut darauf schauen.” Und das soll noch viele Jahre so bleiben.