Causa Thoma und warum die Bildungsdirektion kritisiert wird

VN / 04.04.2024 • 13:52 Uhr
<p class="infozeile">Wir reden nicht von einer Schließung der Geburtenstation Bludenz. <span class="namen">Christoph Thoma</span>, ÖVP</p>

Christoph Thoma und seine Aktivitäten am BG Bludenz sind Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen. VN/Hartinger

Einschüchterung von Lehrpersonen? Ermittlungsverfahren in der Causa Thoma noch nicht abgeschlossen.

Bludenz, Bregenz Dem ÖVP-Kultursprecher im Landtag und Wirtschaftsbunddirektor Christoph Thoma (50) wird vorgeworfen, mehrere Lehrpersonen am Gymnasium Bludenz unter Druck gesetzt zu haben. Thoma sei unter anderem massiv gegen eine Deutschlehrerin vorgegangen, die eines seiner Kinder negativ beurteilt hatte. Weitere Vorwürfe kreisen um Thomas angebliche Einmischung in Unterrichtsinhalte bei verschiedenen Lehrern der AHS. In einer anonymen Anzeige gegen den Politiker ist von Nötigung, Machtmissbrauch und Drohungen die Rede. Für die Staatsanwaltschaft Feldkirch Grund genug, in dieser Angelegenheit Ermittlungen durchzuführen.

Die Anschuldigungen beziehen sich auf einen längeren Zeitraum im Schuljahr 2022/2023.

BG Bludenz
Am BG Bludenz mussten sich mehrere Lehrpersonen gegen Interventionen des ÖVP-Kultursprechers im Landtag wehren. VN/Böcken

Einvernahme von Lehrern

Auf Anfrage der Vorarlberger Nachrichten gab Heinz Rusch, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch, bekannt, dass das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei. “Zum Inhalt der Ermittlungen kann ich nichts mitteilen. Ich möchte und kann auch keine Prognose darüber abgeben, wie lange die Ermittlungen noch dauern werden.”

Laut Freddy Wittwer, Lehrergewerkschafter am BG Bludenz, sind sind fünf Lehrpersonen von dem ermittelnden Beamten einvernommen worden. Darunter befinden sich nicht nur die hauptbetroffene Deutschlehrerin und Schulleiter Gerald Fenkart, sondern auch andere FachlerInnen. Spannende Fragen dabei: Wie eng war der Direktor mit dem ehemaligen Elternvertreter, Christoph Thoma? Welchen Einfluss konnte der ÖVP-Politiker ausüben? Und warum hat der Schulleiter die betroffene Deutschlehrerin nicht umgehend und besser vor den Angriffen des Politikers geschützt?

Maturabeilage 2021: Interview mit Freddy Wittwer (BG Bludenz).
Lehrergewerkschafter Freddy Wittwer hätte sich ein etwas entschlosseneres Handeln der Bildungsdirektion gewünscht. VN/Lerch

Einige Fragen

Mögen diese Fragen womöglich nicht von strafrechtlicher Relevanz sein, so bleiben von der Betroffenen-Seite Vorwürfe speziell gegen die Bildungsdirektion. AHS-Lehrervertreter Gerhard Pusnik (64), der beim “klärenden Gespräch” bei der Bildungsdirektion mit der betroffenen Deutschlehrerin dabei war, kritisiert die Schulbehörde scharf. “Dieses Gespräch war völlig unbefriedigend. Die Bildungsdirektion war sich keiner Schuld bewusst. Von der so oft gelobten Fürsorgepflicht für die Lehrerinnen und Lehrer keine Spur. Seit Juni vergangenen Jahres wussten Direktor, Schullandesrätin und die Bildungsdirektion von diesen Interventionen Thomas. Sie taten nichts. Es gab keinerlei Entschuldigung.”

Causa Thoma und warum die Bildungsdirektion kritisiert wird
Auch Direktor Gerald Fenkart wurde von dem ermittelnden Beamten einvernommen. Wie eng war er mit Thoma? VN/Lerch

Freddy Wittwer, GÖD-Lehrergewerkschaftsvertreter am BG Bludenz, spricht von einer zu zögerlichen Haltung der Bildungsdirektion in dieser Angelegenheit. “Man hat das Gefühl, es geht den Verantwortlichen dort vor allem darum, Dinge zu kalmieren. Zumal die Schulbehörde zu jener Zeit auch mit einigen Wechseln an der Spitze beschäftigt war. Das muss man schon auch berücksichtigen.”

BID wehrt sich

Die Bildungsdirektion will die Vorwürfe nicht gelten lassen. Elisabeth Mettauer, Kommunikationsleiterin der Schulbehörde: “Wir wussten von der Sache erst am Ende des letzten Schuljahres. Dann waren die Ferien. Vom Schulqualitätsmanagement erhielten wir zudem kein Signal, massiver einzugreifen. Und im neuen Schuljahr waren die betroffenen Kinder ja nicht mehr an der Schule.”

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Entschieden wehrt sich Mettauer auch gegen Vorhaltungen, die Bildungsdirektion sei mit einer Stellungnahme gegenüber der Staatsanwaltschaft säumig. “Wir haben den Ermittlern diese prompt geliefert.”

Man habe trotzdem die Lehren aus der Causa Thoma gezogen. “Wir legen den Schulleitungen nahe, sich bei ähnlichen Problemen umgehend an uns zu wenden”, betont die Sprecherin der Bildungsdirektion.

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