Drogencheck deckt auf: Fast reines Kokain und tödliche Streckmittel in Vorarlberg

Beim “Drug-Checking” kann man Drogen auf Reinheit und Verunreinigungen untersuchen lassen – mit teils erschreckenden Ergebnissen. Was steckt wirklich in Vorarlbergs Drogen und warum ist das Testen sinnvoll?
Schwarzach Die jährliche Abwasseranalyse der Universität Innsbruck liefert spannende Einblicke in den Suchtmittelkonsum in Österreich. Für Vorarlberg werden dafür Proben aus den Hofsteiggemeinden untersucht. Die neusten Ergebnisse zeigen eine interessante Entwicklung: Lag die Region 2022 noch unter den Spitzenreitern beim Kokainkonsum, so ist sie nun auf Platz sechs zurückgefallen, gleichauf mit Wiener Neustadt. Auch der Konsum von Cannabis und Alkohol hat in den Hofsteiggemeinden – zumindest laut den Abwasserproben – deutlich abgenommen.
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Ein gegensätzliches Bild zeigt der “Lagebericht Suchtmittelkriminalität 2023” der Polizei. Laut diesem sind die Drogendelikte im vergangenen Jahr wieder auf das Niveau von 2019 gestiegen, nachdem sie in den Jahren 2021 und 2022 deutlich zurückgegangen waren. Zu den am häufigsten von der Exekutive sichergestellten illegalen Substanzen zählen Cannabis, Kokain und Amphetamine. Aber wie gefährlich sind die Drogen, die derzeit im Umlauf sind?
Drug-Checking bringt Klarheit
Genau hier setzt das “Drug-Checking”-Projekt an. Das Land Vorarlberg dieses im August 2023 in Zusammenarbeit mit der KOJE (Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung) und dem Institut für Gerichtliche Medizin Innsbruck gestartet. Konsumenten können in Dornbirn bei der Fähre und in Bludenz bei „do it yourself“ einmal wöchentlich ihre Drogen testen lassen. Die Ergebnisse werden regelmäßig auf der Instagram-Seite “taktisch klug” veröffentlicht und zeigen teilweise erhebliche Schwankungen in der Reinheit der getesteten Substanzen.

Im Juli 2024 variierte zum Beispiel der Wirkstoffgehalt der Kokainproben stark und reichte von 31 bis 94,4 Prozent. Besonders besorgniserregend war eine Probe vom Juni, die einen Wirkstoffgehalt von 99 Prozent aufwies – nahezu pures Kokain. Was auf den ersten Blick wie hohe Qualität erscheint, birgt immense Gefahren. “Je höher der Kokaingehalt, desto größer die Gefahr einer Überdosierung”, warnt Kathi Müller von der Suchtberatungsstelle “do it yourself”. Solch hohe Dosen können das Herz-Kreislauf-System massiv belasten und im schlimmsten Fall zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen.
Gefährliche Streckmittel
Aber auch Proben mit niedrigerem Wirkstoffgehalt sind keineswegs ungefährlich. So wurde in einer Kokainprobe mit 31 Prozent Wirkstoffgehalt das Streckmittel Levamisol nachgewiesen, ein Medikament, das in der Tiermedizin gegen Wurmbefall eingesetzt wird. Was für Tiere nützlich ist, kann beim Menschen schwere gesundheitliche Folgen haben, wie allergische Reaktionen, Verwirrungszustände oder eine Schwächung des Immunsystems, die zu lebensbedrohlichen Infektionen führen kann.
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Doch nicht nur Kokain birgt Gefahren. Ebenfalls häufig getestete Partydrogen wie MDMA (Ecstasy) und Amphetamin (Speed) können erhebliche Risiken für Konsumierende mit sich bringen. “Wir beobachten erhebliche Qualitätsunterschiede”, erklärt Müller. Einige Substanzen wie Ecstasy sind teils stark überdosiert, während andere wie Speed gefährliche Verunreinigungen, wie zum Beispiel extrem hohe Dosen Koffein, aufweisen. Besonders alarmierend ist die zunehmende Verunreinigung von Cannabis mit chemischen Cannabinoiden. “Diese synthetischen Stoffe können schwere gesundheitliche Folgen haben, von akuten Vergiftungen bis hin zu Psychosen”, warnt die Expertin.
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Aufklärung durch Drug-Checking
Gerade deshalb sind niedrigschwellige Angebote wie das „Drug-Checking“-Projekt sinnvoll und wichtig. “Wenn Konsumenten wissen, was in ihren Substanzen steckt, können sie besser entscheiden, ob sie diese überhaupt konsumieren wollen”, betont Müller. Und das Projekt zeigt bereits Wirkung: Viele Konsumenten lassen die Finger von ihren Drogen, sobald sie erfahren, dass diese extrem verunreinigt oder stark überdosiert sind.