Von Großfisch gebissen: “Er hatte meinen ganzen Fuß im Maul”

VN / 07.07.2025 • 16:52 Uhr
Von Großfisch gebissen: "Er hatte meinen ganzen Fuß im Maul"
Gerri Hämmerle ist ein Vollblutsportler und ein guter Schwimmer. Doch seit dem 19. August des Vorjahres will er nicht mehr alleine im Alten Rhein schwimmen.

Am Alten Rhein hatte Gerri Hämmerle (64) beim Schwimmen ein traumatisches Erlebnis.

Lustenau Die Meldungen von Welsangriffen auf Menschen im mittelfränkischen Brombachsee lösten beim Lustenauer Gerri Hämmerle ein ganz besonderes Gefühl von Unruhe aus. Reflexartig kehren bei ihm die Gedanken an den 19. August des Vorjahres zurück.

Alleine im Wasser

“Ich werde diesen Tag niemals vergessen”, sagt der ehemalige Skitrainer, während er am Alten Rhein an jener Stelle des Ufers steht, von wo er an besagtem Tag seinen nach wie vor durchtrainierten Körper gegen halb acht Uhr früh ins angenehm warme Wasser bewegte. “Normalerweise gehe ich nie alleine schwimmen. Ich bin seit einem Jahr Mitglied einer Schwimmgruppe, die im Sommer fast täglich einen Kilometer und mehr schwimmt. Ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Aber an diesem Tag hatte keiner von unseren Haubentauchern, wie wir uns nennen, Zeit. Und so beschloss ich, alleine zu schwimmen.”

Welsbiss Gerri Hämmerle
Rötungen und leichte Schürfungen. Schwer verletzt wurde Hämmerle durch den Großfisch nicht. Aber im Kopf hat der Vorfall bei ihm einiges ausgelöst. Hämmerle

Plötzlich passierte es

In seinem ansehnlichen Kraulstil pflügte Hämmerle bei schlechtem Wetter durch das ruhige Wasser des Alten Rheins. “Ich war so richtig im Flow, genoss jeden Zug.” Doch dann passierte es. Hämmerle: “Auf einmal spüre ich am rechten Fuß einen Schnapper. Ich bin zu Tode erschrocken, bekam Panik. Ein Fisch hatte meinen ganzen Fuß im Maul. Ich dachte in diesen Momenten an den weißen Hai.” Kurz darauf nahm der 63-Jährige eine kräftige Klatschbewegung auf der Wasseroberfläche wahr. “Es war alles echt beängstigend.”

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Obwohl die Begegnung mit der Kreatur nur wenige Augenblicke dauerte, versetzte sie den leidenschaftlichen Hobbysportler in einen Schockzustand. So schnell es ging, kraulte er ans Ufer. “Ich hatte Angst zu ertrinken.” An seinem Fuß waren die Spuren der Begegnung mit dem Tier zu erkennen: Rötungen und leichte Schürfungen. “Die physischen Verletzungen waren nicht schlimm. Sie sind dann auch bald einmal abgeklungen. Aber im Kopf ist von diesem Erlebnis einiges geblieben. Ich traue mich nicht mehr, alleine schwimmen zu gehen”, gibt der durchtrainierte Lustenauer unumwunden zu.

Wahrscheinlich ein Wels

Dass es sich beim tierischen Angreifer um einen Wels gehandelt hat, ist laut Experten wahrscheinlich. “Die Beschreibung des Vorfalls würde perfekt zu einem Wels passen. Es gibt sehr viele davon im Alten Rhein. Freilich nur einige, die wirklich groß sind”, erzählt ein Fischer, der den Alten Rhein und seine Tierwelt gut kennt. “Welse können angriffig werden, wenn sie sich in ihrer Laichphase befinden. Am aggressivsten sind dann freilich Zander. Aber die bringen nicht einen ganzen Fuß ins Maul”, erklärt der 38-jährige Petrijünger. Im Alten Rhein würde es zwar auch große Hechte geben. “Nur die greifen kaum jemals an”, sagt der kundige Fischer.

Gerri Hämmerle wird weiterhin im Alten Rhein längere Strecken schwimmen. Ganz sicher jedoch nur noch in Gesellschaft mit anderen. Das Erlebnis vom 19. August des Vorjahres hat bei ihm psychisch Spuren hinterlassen. So unbeschwert wie zuvor wird die morgendliche Schwimmtour für ihn nicht mehr.