Streiflicht: Lebensschule
Die ersten Tage im Internat steckten voller Überraschungen. Wie räumt man den Spind ein? Wieso trugen Präfekten gottähnliche Züge und doch so menschliche Schwächen zur Schau? Der Studiensaal fasste 80 Studierpulte – wie sich seinen Platz merken? Das Wandtäfer eines langen Ganges verbarg „Fressalienkästen“, in denen die Zöglinge ihre Frühstücksmarmeladen versorgten. Das Futteral mit Besteck und Stoffserviette lag im Speisesaal. Auf den Esstischen dümpelte laues Wasser in Blechnäpfen, in denen jeder sein Besteck mit den Fingern wusch. Manche Überraschungen hätte man auch gerne vermieden.
Die Hackordnung der Klasse hatte darwinistische Züge. Der Stärkste übernahm das Kommando. Bald löste ihn derjenige ab, der sich am besten anpasste. Der Klügste blieb außen vor, aber überlebenswichtig. Die Telefonzelle im Parterre des alten Kastens bot die einzige Verbindung nach außen. Der nötige Schilling war Gold wert. Nicht, dass es viel zu erzählen gab, aber die vertrauten Stimmen halfen bei Heimweh über die Nacht. In der Abendfreizeit bildeten sich lange Schlangen.
Das Lernen in ungeliebten Fächern zog sich wie eine Ewigkeit. Die Tage vor Schulschluss vergingen im Flug. Dazwischen suchten Patres, Erzieher, Lehrer und Schüler ihren Alltag zu bemeistern. Neben dem Gymnasium entstand so eine ganz andere Schule. Eine Lebensschule.
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