Deutschförderklassen und der Ruf nach mehr Autonomie

VN / 11.11.2025 • 16:24 Uhr
Deutschförderklassen und der Ruf nach mehr Autonomie
Deutschförderklassen für Kinder völlig ohne Deutschkenntnisse wurden 2018 eingeführt. Jetzt wird die Organisation reformiert. APA

Schulen sollen selbst entscheiden, wie sie mit Kindern ohne Deutschkenntnisse umgehen.

Bregenz 56 Deutschförderklassen gibt es an den Vorarlberger Schulen im laufenden Schuljahr. Sie wurden für Kinder ohne Deutschkenntnisse eingerichtet, um ihnen die notwendigen Grundkenntnisse zur späteren Teilnahme am regulären Unterricht zu vermitteln. Bisher war die Eröffnung einer solchen Klasse ganz klar geregelt. Wenn acht Kinder ungenügende Sprachkenntnisse aufweisen, musste eine solche Klasse eröffnet werden. Nun will Bildungsminister Christoph Wiederkehr die Organisation der Deutschförderklassen, die 2018 eingeführt wurden, den Schulen überlassen.

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ÖAABBarbara Röser, Obfrau der ÖAAB-Lehrerinnen und -Lehrer, wünscht sich flexible Regelungen für Deutschförderklassen.

ÖAAB-Lehrer erfreut

Ein Plan, der vor allem bei den ÖAAB-Lehrern auf Zustimmung trifft. Der schwarzen Lehrervertretung gefällt, “dass künftig flexiblere Übergänge möglich sein sollen. Das ist ein richtiger Schritt. Jedes Kind soll die Förderung bekommen, die es braucht”, formuliert es ÖAAB-LehrerInnenobfrau Barbara Röser. Die Entscheidung darüber, ob Kinder ohne jegliche Deutschkenntnisse im Regelklassenunterricht dieses Defizit beseitigen oder in einer Deutschförderklasse, soll die jeweilige Lehrperson entscheiden. Die ÖAAB-Lehrer warnen vor einer zu stark an standardisierten Sprachstandserhebungen ausgerichteten Einstufung der Kinder. “Die Lehrpersonen müssen ihre pädagogische Einschätzung einbringen können. Sie kennen die Kinder, deren Lernfortschritte und Potenziale am besten”, sagt Röser.

Deutschförderklassen und der Ruf nach mehr Autonomie
VNPflichtschullehrervertreter Alexander Frick ist kein ausgewiesener Freund des Systems der Deutschförderklassen

Frick nicht begeistert

So seine grundsätzlichen Probleme mit Deutschförderklassen hat Pflichtschullehrer-Vertreter Alexander Frick (58). “Ich finde Deutschförderklassen nicht die ideale Lösung, um Kinder mit nicht deutscher Muttersprache eben diese nahezubringen. In einem regulären Klassenverband lernen sie diese schneller und besser. Und vor allem auch im Rahmen von Projekten, bei denen Kinder zusammenarbeiten müssen.” Freilich räumt auch Frick ein, dass die Zahl von Kindern ohne Deutschkenntnisse natürlich mitentscheidend sein müsse, ob man eine eigene Deutschförderklasse einrichtet oder nicht. Zu bedenken gibt Frick auch die Ressourcenkapazität. “Ich bezweifle, ob genügend Lehrpersonal für die Umsetzung dieser Pläne vorhanden ist.”

Deutschförderklassen und der Ruf nach mehr Autonomie
Foto LerchSimon Hagen, Direktor der Volksschule im Park in Bludenz, will die bestehende Organisation der Deutschförderung an seiner Schule umgestalten.

Homogene Kleingruppen

Kein Ressourcenproblem mit einer schulautonomen Lösung bei der Deutschförderung hat laut eigener Aussage Simon Hagen (42), Direktor der Volksschule im Park in Bludenz. Bei ihm sind gleich 34 der 272 Schülerinnen und Schüler in zwei Deutschförderklassen. “Das läuft alles nicht schlecht, aber auch nicht gut. Für uns ist es gut, wenn wir schulautonom die Organisationsform ändern und die Kinder in homogene Kleingruppen einteilen können”, begrüßt auch Hagen die neuen Möglichkeiten. Als Grundlage für die Einstufung der Kinder wünscht sich der Schulleiter jedoch weiterhin die standardisierten Sprachstandserhebungen.