Lust auf Leben in St. Gerold: „Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen“

In St. Gerold starten Russpreisträger und Propstei ein gemeinsames Projekt für krebskranke Kinder und ihre Familien.
St. Gerold Ein Ort der Ruhe, der Zuversicht und des Aufatmens: In der Propstei St. Gerold im Großen Walsertal entsteht eine neue Kooperation mit starker Wirkung. Unter dem Motto “Lust auf Leben” schenken drei engagierte Vereine krebskranken Kindern und ihren Familien eine Auszeit, die sie sich oft nicht leisten könnten.

“Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen”, zitiert Propst P. Martin Werlen die Schweizer Bundesverfassung. Gemeinsam mit den Russpreisträgern Susanne Marosch vom Verein Geben für Leben und Anton Kuttner, besser bekannt als Husky Toni, hat er ein Projekt ins Leben gerufen, das genau diese Haltung verkörpert. “Wir haben uns gefragt: Mit wem könnten wir gemeinsam Menschen in Not unterstützen?”, erzählt Propst Werlen. Die Wahl fiel schnell auf Marosch und Kuttner. Beide begleiten seit Jahren Familien, deren Alltag von Krankheit geprägt ist. “Was uns verbindet, ist das Engagement für jene am Rand der Gesellschaft. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir noch mehr bewirken”, sagt er im VN-Gespräch.

Die kostenlose Auszeit von Montag bis Freitag richtet sich an Familien mit krebserkrankten Kindern, die aktuell in onkologischer Behandlung sind. Die Gäste erwartet ein liebevoll gestaltetes Programm inmitten der Natur – mit Vollpension, seelsorgerischen Gesprächen, pferde- und huskygestützter Therapie und einer erfahrenen Sozialarbeiterin als verlässlicher Begleitung.

“Hier dürfen Familien einfach sein und zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen und gemeinsam wertvolle Momente erleben”, beschreibt Carmen Mangard, die das Fundraising für die Propstei betreut, die Atmosphäre dieses besonderen Ortes. Für viele Eltern sei allein das Gespräch mit jemandem, der verstehe, bereits heilsam.


Tiergestützte Therapie, Spiritualität und Gemeinschaft
In der neuen Kooperation finden die Stärken aller drei Partner zusammen: Die Propstei bietet einen geschützten Rahmen inmitten der Natur samt seelsorgerischem Angebot. Kuttner bringt seine Huskys in die Arbeit ein. Diese Kindheitsvision stammt aus einer Zeit, in der er selbst schwer erkrankt war: “Ich war als Kind selbst an Leukämie erkrankt. Dass ich heute lebe, Vater und Opa bin, gibt Betroffenen Hoffnung”, sagt er. “Manche Kinder fangen durch die Begegnung mit den Tieren überhaupt erst wieder an zu lachen.”

Auch Marosch kennt die Ohnmacht nach einer Schockdiagnose aus eigener Erfahrung. “Aber dann kann aus dieser Hilflosigkeit auch Kraft entstehen, zum Beispiel, wenn sich Hunderte Menschen typisieren lassen, weil sie helfen wollen”, sagt sie. Diese Solidarität berühre viele Familien zutiefst.
Dabei hat die Kooperation auch eine gesellschaftspolitische Botschaft: “Es darf nicht sein, dass in Zeiten von Sparmaßnahmen gerade jene unter die Räder kommen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stehen”, warnt Propst Werlen. Ziel sei es laut den Initiatoren, möglichst vielen Familien dieses Angebot zugänglich zu machen. Auch die Vorarlberger Landeskrankenhäuser werden eingebunden: Ärztinnen und Ärzte erhalten Informationsmaterial, um Betroffene zu informieren. “Die Landeskrankenhäuser kooperieren gerne mit der Initiative, weil die Kindergesundheit einen besonders hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben muss”, so Geschäftsführer Gerald Fleisch.
So können Sie unterstützen
Verein Sozialwerke der Propstei St. Gerold
Raiffeisenbank im Walgau
IBAN: AT25 3745 8000 0821 7440
BIC: RVVGAT2B458
Verwendungszweck: Lust auf Leben!