Romeo und Julia als modernes Politdrama

In “Blaue Romanze” verwebt Nora Haddada Liebe, Politik und die Sehnsucht der GenZ.
Schwarzach Nora Haddada studierte Kreatives Schreiben und Literaturwissenschaft in Hildesheim, Paris und Berlin. Neben ihren zwei Romanen erschienen zahlreiche Veröffentlichungen in Magazinen und Anthologien. Die in Berlin lebende Drehbuchautorin und Literatin arbeitete außerdem als Vertretung in der Deutschen Botschaft Paris und als Agentin in der Agentur Petra Eggers.
Schicksalhafte Begegnung
Zu einer Liebesgeschichte gehören immer zwei Personen. Einerseits Julian. Julian kommt aus Berlin und macht in Marseille Urlaub. Dort trifft er zufällig alte Schulfreunde. Gemeinsam mit einer Gruppe Franzosen besuchen sie eine Karaokebar. Andererseits Myriam. Die Deutsch-Französin studiert Philosophie in Paris. Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten freundet sie sich mit den “Oberschicht-Parisern” an ihrer Universität an und macht gemeinsam mit ihnen Urlaub in Marseille. Spätnachts macht sie sich auf den Weg in dieselbe Karaokebar, in der auch Julian feiert. Myriams und Julians Blicke treffen sich: Das ist Liebe auf den ersten Blick. Betrunken und glücklich covern sie Popsongs, stehlen eine Chiantiflasche, ziehen durch die laue Sommernacht, klettern auf ein Baugerüst und philosophieren über den Dächern Marseilles über die Liebe. Kurz vor ihrem ersten Kuss rufen Anrainer die Polizei. Die Verliebten können sich verstecken, doch vergessen sie, voller Adrenalin, ihre Nummern auszutauschen.
Politischer Diskurs
Wieder zurück in Berlin und Paris fühlen sie sich leer, bedeutungslos und denken ständig aneinander. Julian beginnt exzessiv zu feiern und versucht seine innere Leere durch Onlinedates zu füllen. Nach einigen Wochen wird Julian wieder Herr der Lage, verfasst seine Masterarbeit, besucht eine Journalistenschule in Tel Aviv-Jaffa und bekommt schließlich einen Job als Voluntär in einer Berliner Zeitung. Auch Myriams Leben verläuft nicht ohne Komplikationen. Myriam zieht aufgrund ihres Doktorats nach Berlin. Dort treffen sich Julian und Myriam zufällig wieder, beginnen zu daten und verlieben sich, doch auf einmal beginnt der Nahostkonflikt. Julian unterstützt die israelitische Position, während Julian die palästinensische Seite vertritt. Kann diese Liebe eine Zukunft haben?
Gefühlswelt der GenZ
Nora Haddada fängt in “Blaue Romaze” die Gefühlswelt der GenZ gekonnt ein. Dabei beschreibt sie dieses besondere Verliebtsein und den Prozess des Trennens über Drogen, Leere, Gelegenheitssex und Datingapps. Viele junge Menschen werden sich darin wiederfinden. Mit “Blaue Romanze” zeigt Haddada, dass ein Liebesroman nicht peinlich sein muss, sondern auch anspruchsvoll sein kann. Die Autorin bezieht sich auf viele Querverweise zu historischen Ereignissen, Wissenschaftlern, Schriftstellern, Philosophen und ihren Werken. Hier stellt sich die Frage, ob der Roman nur für eine gewisse Personengruppe gedacht ist, denn teilweise wirken die Diskussionen sehr abstrakt und tief philosophisch – zumindest die Liebesgeschichte lockert den Roman auf und lässt die Emotionen hochkochen.