Das Klima durch Essen beeinflussen – Diätologin Julia Berger zeigt, wie es geht

VN / 03.01.2026 • 17:27 Uhr
Das Klima durch Essen beeinflussen – Diätologin Julia Berger zeigt, wie es geht
Guacamole kann auch mit Erbsen zubereitet werden, und Bolognese mit Linsen. VN/Steurer

Für das Klima und die Gesundheit wäre weniger Fleisch wichtig – doch das muss sich nicht unbedingt wie Verzicht anfühlen.

Darum geht’s:

  • Globales Ernährungssystem verursacht ein Drittel der Treibhausgasemissionen
  • Vegetarische und vegane Ernährung senken Emissionen erheblich
  • Bekannte Gerichte fleischfrei abwandeln, wie Linsen-Bolognese

Von Katja Grundner

Bludenz Der Klimawandel zeigt sich deutlich auf den Skipisten. Doch sogar im Alltag kann dieser Entwicklung ein Stück weit entgegengewirkt werden – zum Beispiel über die Ernährung. „Dabei wäre es wichtig, weniger Fleisch zu essen“, sagt Julia Berger, Diätologin am GesundheitsCampus Bludenz. „Das muss sich aber nicht unbedingt wie Verzicht anfühlen. Es kann auch eine Bereicherung sein.“

Das Klima durch Essen beeinflussen – Diätologin Julia Berger zeigt, wie es geht
Durch vielfältige Alternativen kann klimafreundliches Essen auch eine Bereicherung sein. VN/Steurer

Zu viel Fleisch

„Es gibt verschiedene Zahlen, aber im Schnitt wird angegeben, dass das globale Ernährungssystem circa ein Drittel aller menschengemachten Treibhausgasemissionen ausmacht“, informiert Berger. Klimafreundliches Essen bedeutet zum Beispiel, regional und saisonal einzukaufen und Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Aber einer der wichtigsten Punkte ist die Reduktion von tierischen Lebensmitteln. Fleisch wird von den meisten Vorarlbergern deutlich zu viel gegessen. „Auch aus gesundheitlicher Sicht wird ein moderater Fleischkonsum von zwei- bis dreimal pro Woche empfohlen“, erklärt die 34-Jährige, die in Tschagguns wohnt.

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Für Alternativen wie Guacamole mit Erbsen statt Avocado braucht es vor allem Offenheit für Neues. VN/Steurer

Wie groß der Effekt sein kann, belegen Daten der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages): Würden Österreicher den Fleischanteil um 66 Prozent reduzieren, würde dies die Treibhausgasemissionen des Landes um etwa 28 Prozent pro Jahr senken. Vegetarische Ernährung würde Einsparungen von bis zu 48 Prozent ermöglichen, vegane Ernährung sogar bis zu 70 Prozent.

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Schmackhafte Alternativen

Essgewohnheiten für Klima und Gesundheit zu ändern, fällt vielen nicht leicht. Ein guter Start wäre, bekannte Gerichte abzuwandeln. „Zum Beispiel kann man Bolognese mit Linsen oder Fleischlaibchen mit Bohnen machen“, sagt die Diätologin. Beides sind gute alternative Proteinquellen. Außerdem sollte man mit kleinen Schritten beginnen. „Schon ein fleischfreier Tag pro Woche hat eine Wirkung.“

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Julia Berger rät, pflanzlichen Proteinen wie Linsen auch nach einer möglicherweise schlechten Erfahrung noch einmal eine zweite Chance zu geben. Hier: Linsen-Bolognese. VN/Steurer

Der Umstieg erfordert anfangs etwas Mehraufwand. Doch mit der Zeit werden auch neue Rezepte zur Routine und manche vegetarischen Alternativen sind sogar einfacher und praktischer als Fleischgerichte. „Linsen und Bohnen kann man zum Beispiel viel länger lagern als Fleisch.“

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Dinkelkörner, Rübenzucker und Leinsamen sind gute heimische Alternativen. VN/Steurer

Aber auch bei der Wahl von Obst, Gemüse und Getreide lässt sich viel für das Klima tun: Statt Chiasamen wäre es gut auf heimische Leinsamen zurückzugreifen. Agavendicksaft kann durch Apfel- oder Birnendicksaft und Reis durch Dinkelkörner ersetzt werden. „Man kann sogar eine Guacamole aus Erbsen zubereiten.“ Solche Alternativen bringen Vielfalt in den Speiseplan und können somit auch als Bereicherung anstatt als Verzicht erlebt werden. „Man darf natürlich auch einmal Avocados essen, aber dann sollte es etwas Besonderes sein.“ Genauso wie bei Fleisch, Kaffee, Kakao und so weiter soll es kein Verbot geben, sondern sich ein bewusster Konsum einstellen.

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Käferbohnenaufstrich ist sehr proteinreich. VN/Steurer

Aus Klimasicht wäre es auch sinnvoll, auf Gütesiegel wie Bio und Fairtrade zu achten. Bio-Fleisch oder Dinkelkörner statt billigem Reis sind zunächst teurer. Berger betont jedoch, dass klimafreundliche Ernährung insgesamt nicht unbedingt mehr kosten muss: Wer Fleisch reduziert, kann sich dafür hochwertigere Alternativen leisten. Pflanzliche Proteinquellen wie getrocknete Bohnen oder Linsen sind vergleichsweise günstig. Außerdem kann regionales und saisonales Bio oder der Direktkauf beim Bauern preislich durchaus konkurrenzfähig sein.

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Am 22. Jänner hält Berger am GesundheitsCampus Bludenz einen Vortrag zum Thema. Im Mittelpunkt stehen praxisbezogene Tipps und Tricks, etwa Rezeptideen, die die Anwendung der Theorie erleichtern sollen.

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Seit Julia Berger die Folgen des Essverhaltens auf die Umwelt kennt, ist ein bewusster Konsum für sie selbstverständlich geworden. VN/Grundner

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(VN)