Frost, Schnee und das Leiden der Störche

VN / 04.01.2026 • 15:58 Uhr
Frost, Schnee und das Leiden der Störche
Roland PaulitschIm Schweizer Ried kämpfen die Störche gegen den kalten Winter. Bald wird es noch schwieriger für sie, wenn der Schnee kommt.

Nahrungssuche wird schwieriger. Zugefrorene Schlafstelle als weitere Herausforderung.

Lustenau, Fußach. Alwin Schönenberger (73), einer der profiliertesten Vogelexperten des Landes, kennt sich nicht mehr aus. “Wo sind sie denn nur?”, fragt sich der Vogelkundler und meint damit die Störche. Er sei bereits an der Fußacher Bucht gewesen. “Das ist die Schlafstelle der Störche. Aber dort sind sie nicht mehr. Die Flachwasserzone war zugefroren.” Am frühen Nachmittag befindet sich Schönenberger im Schweizer Ried. Viele Vertreter von “Meister Adebar” sonnen sich dort auf den Dächern der Loacker-Betriebshallen, einige fliegen gerade weg, nur ein paar wenige Tiere spazieren im Ried herum, auf der Suche nach Futter.

Nur Jungvögel sind weg

Bis zu 200 Störche überwintern auch heuer im Schweizer Ried. Aufseher Reinhard Hellmair hat sie noch kurz vor dem Schneefall auf Höhe des Areals von Abfallwirtschafter Loacker alle auf einem Haufen angetroffen.

Frost, Schnee und das Leiden der Störche
Roland PaulitschDie Futtersuche auf dem gefrorenen Boden gestaltet sich schwierig. Bei viel Schnee wird’s noch schwieriger.

Seit Jahren bleiben etwa die Hälfte der im Rheintal anwesenden Störche auch im Winter in Vorarlberg. “Nur die Jungvögel fliegen weg”, weiß Schönenberger. Der erfahrene Vogelkundler beobachtet die Umtriebe der gefiederten Wildtiere im Ried nahezu jeden Tag. “Die Störche finden immer Futter, wenn es keinen Schnee hat. Sie schnappen sich Würmer und Mäuse. Dass sie die Wiesenbrüter bedrohen, stimmt nicht. Dafür gibt es keine Beweise.”

Frost, Schnee und das Leiden der Störche
Roland PaulitschAlwin Schönenberger ist auf der steten Suche nach “seinen” Störchen. Diese mussten ihr Nachtlager wechseln.

Hoher Energiebedarf

Je härter die klimatischen Bedingungen sind, desto größer die Herausforderungen für die stolzen Vögel. “Wenn es sehr kalt ist, brauchen sie mehr Energie. Wenn dann auch noch die Futtersuche wegen einer Schneedecke schwierig wird, dann überleben das einige nicht”, erzählt Schönenberger.

Er macht sich weiter auf den Weg bei seiner Suche nach dem neuen Schlafquartier der Störche. “Einige übernachten auf Hochspannungsleitungen. Das weiß ich. Andere suchen ihre Nester auf.”

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Roland PaulitschAuf dem Dach eines der Loacker-Betriebsgebäude genießen die stolzen Vögel die Sonntagssonne.

Der Flachwasserbereich in der Fußacher Bucht ist unter normalen Umständen das beliebteste Massennachtlager der Störche. “Weil es im Wasser zumeist wärmer ist als außerhalb. Und weil sie im Wasser in der Nacht von einigen Feinden geschützt sind.”