„Viele wissen gar nicht, dass auch hier Armut herrscht” – Jürgen Burger hilft Vorarlbergern in Not

VN / 08.01.2026 • 20:30 Uhr
„Viele wissen gar nicht, dass auch hier Armut herrscht" – Jürgen Burger hilft Vorarlbergern in Not
Jürgen Burger bei einem Gespräch mit einer Betroffenen. VN/Grundner

Bei einem Bier mit Freunden und dem Sohn ist die Idee des Sozialvereins miralle entstanden.

Darum geht’s:

  • Jürgen Burger hilft ehrenamtlich armutsbetroffenen Vorarlbergern.
  • Er gründete miralle gemeinsam mit langjährigen Freunden und seinem Sohn.
  • Der Verein gewann den Bank Austria Sozialpreis in Vorarlberg.

Von Katja Grundner

Lauterach Zehn bis 15, manchmal sogar 20 Stunden pro Woche investiert Jürgen Burger ehrenamtlich, um armutsbetroffenen Vorarlbergern zu helfen. Als Gründungsmitglied und Obmann des Sozialvereins miralle ist er so gut wie jeden Tag für den guten Zweck erreichbar. Mehr als 43.000 Euro kamen im vergangenen Jahr zahlreichen Menschen zugute. Aber wie die Bedeutung des Namens „wir alle“ zeigt und Burger betont: „Das geht nur durch Teamarbeit.“

„Viele wissen gar nicht, dass auch hier Armut herrscht" – Jürgen Burger hilft Vorarlbergern in Not
Beim monatlichen Stammtisch mit Jürgen Burger (links) und weiteren Ehrenamtlichen. miralle

Viel Einsatz

Schon vor der Gründung des spendenfinanzierten Vereins im Jahr 2023 war der 58-jährige Lauteracher sozial engagiert. Während der Flüchtlingswelle vor rund zehn Jahren startete er zum Beispiel einen Aufruf und organisierte innerhalb kürzester Zeit 100 Winterjacken für die Betroffenen. Auch mehrere seiner Freunde und sein Sohn teilten seine soziale Ader. „Als wir einmal bei einem Bier zusammengesessen sind, hatten wir die Idee, das Ganze auf ein neues Level zu heben und einen gemeinnützigen Verein zu gründen.“

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Das Gründungsteam im Jahr 2023: (v.l.n.r) Martin Küng, Ralf Gassner, Jürgen Burger, Martin Lampl, Laurin Burger. miralle

„Einer Gesellschaft kann es nur so gut gehen wie ihrem schwächsten Glied.“

Jürgen Burger,
Gründungsmitglied und Obmann des Sozialvereins miralle

Burger ist hauptberuflich Geschäftsleiter bei der Sozialen Berufsorientierung Vorarlberg. Außerhalb davon fällt es ihm schwer, nicht für Vereinsanliegen erreichbar zu sein. „Am Abend und am Wochenende bin ich viel für miralle am Telefonieren“, sagt der ausgebildete Lithograf. Er ist vor allem für organisatorische Aufgaben zuständig. Seine Motivation? „Einer Gesellschaft kann es nur so gut gehen wie ihrem schwächsten Glied.“

Menschen in Not

„Viele Vorarlberger wissen gar nicht, dass auch hier Armut herrscht“, merkt Burger an. „Jeder Mensch kann plötzlich in Not geraten – Schicksalsschläge kennen keine Grenzen.“ Er berichtet zum Beispiel von ehemals Selbstständigen, die durch Unfall oder Krankheit arbeitsunfähig wurden, sowie vom plötzlichen Tod oder einer Trennung des Ehepartners. Die meisten Betroffenen, die von miralle unterstützt werden, sind alleinerziehende Mütter.

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Im Jahr 2025 wurden 95 Personen beziehungsweise Familien aus Vorarlberg unterstützt. VN/Grundner

Die Hilfe ist rasch und unbürokratisch, etwa durch Lebensmittelgutscheine oder die Übernahme von Rechnungen – also stets zweckgebunden. Ergänzend dazu erfolgt bei Bedarf eine persönliche Begleitung sowie die Vermittlung an professionelle Sozialeinrichtungen, Beratungsstellen und Partnervereine. Im vergangenen Jahr hat das Projekt den Bank Austria Sozialpreis in Vorarlberg gewonnen.  

„Viele wissen gar nicht, dass auch hier Armut herrscht" – Jürgen Burger hilft Vorarlbergern in Not
Im Jahr 2025 hat das Projekt miralle den Bank Austria Sozialpreis in Vorarlberg gewonnen.   MEDIArt Photographie

Aktuell wird der Verein von 16 ehrenamtlichen Mitgliedern getragen. Neue Helfer sind jederzeit willkommen. „Wir suchen momentan Ersthelfer, Mitgliedsbetreuer und Veranstaltungsmanager.“

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Eigeninitiative

Einen wichtigen Ausgleich zum Beruf und intensiven Ehrenamt findet Burger in seiner Familie und seinen Hobbys, etwa bei Aktivitäten in der Natur wie Rad- und Skifahren. Die enge Verbindung zur Natur hat ihm sein Großvater vorgelebt und mitgegeben. Kurz vor der Vereinsgründung von miralle schrieb Burger ein Buch über ihn: Der Pionier des 7. Grades. „Er bestieg 91 Viertausender und führte zwei Erstbesteigungen durch – seine Leistungen haben mich fasziniert.“ Vielleicht hat sein Großvater dazu beigetragen, dass auch er gerne Projekte aus eigener Initiative heraus verfolgt. Wobei er eine andere Richtung gewählt hat: das Gemeinwohl.  

„Viele wissen gar nicht, dass auch hier Armut herrscht" – Jürgen Burger hilft Vorarlbergern in Not
Jürgen Burger beim Fahrradfahren mit seiner Frau. privat

Zur Person:

Jürgen Burger, Gründungsmitglied und Obmann des Sozialvereins miralle

  • Geboren: 30.11.1967
  • Wohnort: Lauterach
  • Ausbildung: Lehre als Lithograf
  • Beruf: Geschäftsleiter bei der Sozialen Berufsorientierung Vorarlberg
  • Familie: Verheiratet, vier Kinder, zwei Enkelkinder
  • Hobbys: Kochen, Aktivitäten in der Natur (etwa Radfahren und Skifahren) sowie der Besuch von Kunstausstellungen und Museen
  • Webseite: miralle.at

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(VN)