24 Jahre jung und 1,60m groß – Sonja Stüttler ist ein seltener Anblick im Schneepflug

Sonja Stüttler überrascht im Schneepflug – und widerlegt Klischees mit Humor und Geschick.
Darum geht’s:
- Sonja Stüttler ist 24-Jährige Schneepflugfahrerin aus Tschagguns.
- Gefährliche Stellen auf ihrer Route: Montjola- und Bärgerstraße.
- Frühes Aufstehen ist größte Herausforderung im Job.
Von Katja Grundner
Schruns/Tschagguns Manche sind überrascht, wenn sie Sonja Stüttler aus der Fahrerkabine des mächtigen Schneepfluges steigen sehen: eine 24-jährige junge Frau mit zierlichen 1,60 Metern Körpergröße. Doch sobald man sie reden hört – mit ihrer lässigen Art und ihrem beiläufigen Humor – ist einem klar: Die hat es faustdick hinter den Ohren.
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Rückwärtsfahren muss man können
Es ist Nachmittag und schneit in Schruns. Die Schneepflugfahrerin aus Tschagguns kontrolliert das Fahrzeug, steckt ihre Karte in den digitalen Fahrtenschreiber und fährt los. Als Laie wirkt es unvorstellbar, ein derart wuchtiges Fahrzeug unfallfrei durch die engen Straßen zu lenken. „Ich fahr seit fünf Jahren – zu Beginn war es sehr schwer. Aber etwas Gröberes ist mir noch nie passiert, nur kleinere Sachschäden“, erzählt sie während der Fahrt und drückt dabei, ohne hinzusehen, auf verschiedene Knöpfe, die den Pflug steuern.
Viel zum Wegschieben gibt es nicht: „Mein Bruder hat schon gute Vorarbeit geleistet.“ Die Geschwister arbeiten im Familienunternehmen Reinhard Stüttler Transporte und konzentrieren sich außerhalb der Winterzeit auf verschiedenste Gütertransporte.
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Es dauert nicht lang, bis die junge Berufskraftfahrerin zur gefährlichsten Stelle der Strecke kommt: die Montjola- und die Bärgerstraße – eng und steil, mit zahlreichen Serpentinen. Gleich zu Beginn kommt ihr ein Bus entgegen. Stüttler legt den Rückwärtsgang ein und fährt in eine Seitengasse. Nachdem der Bus vorbeigefahren ist, macht sie den nächsten Anlauf: Doch nun kommt ihr ein Traktor entgegen. „Rückwärtsfahren kann ich gut“, sagt sie lachend.

Danach kann sie endlich ein paar Hundert Meter fahren, bis ihr bei einer Serpentine zwei Autos entgegenkommen – diesmal sind es die anderen, die ausweichen. „Oftmals sind Autofahrer überfordert, man sieht ihnen die Angst in den Augen an. Aber die machen es gut.“

Zwei Serpentinen später parkt sie sich in eine Ausweichbucht und schaut aufs Telefon, um die Busfahrzeiten zu kontrollieren. „Der nächste sollte gleich kommen, deshalb warten wir.“ Nach fast fünf Minuten taucht er auf. Der Busfahrer bedankt sich durch ein Winken. „Es gibt genug Leute, die sich aufregen, zum Beispiel wenn Schnee in Zufahrten oder auf Gehsteige gelangt. Aber es sind auch viele froh und dankbar, speziell Busfahrer.“
Arbeiten mit der Familie
In Innerberg beim Gasthaus Mühle angekommen, plaudert Stüttler aus dem Fenster hinaus mit Bekannten. Danach fährt sie wieder über Bartholomäberg nach St. Anton im Montafon, wobei es bereits dämmert und nicht mehr schneit. „Ich fahr gern, wenn es dunkel ist, da ist weniger los.“ Sie und ihre Familie sind außerdem für das Silbertal und Tschagguns zuständig – ausschließlich für die Hauptstraßen, mit Ausnahme von Tschagguns.

Die größte Herausforderung in ihrem Job als Schneepflugfahrerin? Das frühe Aufstehen. „Ich bin eigentlich ein richtiges Murmeltier“, scherzt sie. Drei- bis fünfmal pro Woche muss sie um drei Uhr morgens aus dem Bett, um eine Stunde später auf der Straße zu sein. Trotzdem macht ihr der Beruf Spaß. „Das Schönste ist, dass ich mit meiner Familie zusammenarbeiten kann – kitschig, nicht wahr?“, sagt sie lachend.

Während manche überrascht sind, eine junge Frau hinter dem Steuer des Schneepfluges zu sehen, haben ihre Eltern in dieser Hinsicht nie einen Unterschied zwischen ihr und ihrem Bruder gemacht. Bei Kunden und Anrainern muss sie sich zwar manchmal beweisen, doch das führt sie auf ihr Alter, nicht auf ihr Geschlecht zurück. Entscheidend ist schlussendlich nur, wie die Arbeit gemacht wird.
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(VN)