Deswegen sucht die Bildungsdirektion Lehrer wie noch nie

Im laufenden Kalenderjahr gibt es im Bildungssystem einige neue Herausforderungen. Vor allem die Sommerschule.
Bregenz Monika Steurer (61), pädagogische Leiterin der Bildungsdirektion Vorarlberg, krempelt im Hinblick auf das kommende Schuljahr schon jetzt die Ärmel hoch. “Wir werden für die Sommerschule zum nächsten Termin 100 Lehrerinnen und Lehrer mehr brauchen”, sagt die hohe Vertreterin der heimischen Schulbehörde. Aus einem einfachen Grund: Die Sommerschule in den zwei letzten Ferienwochen ist ab sofort für alle außerordentlichen Schüler verpflichtend. Schon bisher besuchten 1800 Kinder und Jugendliche die Sommerschule, im kommenden Spätsommer werden es rund 1000 mehr sein, schätzt Steurer.

Zauberwort “Kooperation”
“Wir müssen den verpflichtenden Besuch den betroffenen Eltern gut kommunizieren. Und natürlich brauchen wir die entsprechenden Lehrerressourcen”, äußert sich Dietmar Bickel (61), Direktor der MS Höchst, zu der neuen Bestimmung. Skeptisch zur verpflichtenden Teilnahme an der Sommerschule für außerordentliche Schüler zeigt sich Christian Höpperger (56), Direktor der Mittelschule Hard Mittelweiherburg. “Wie soll ich Eltern und Kinder, die womöglich weit weg in ihren Heimatländern die Ferien verbringen, dazu verpflichten, früher nach Hause zu kommen?”

Für Monika Steurer ist “Kooperation” das Zauberwort für eine gelungene Umsetzung der gesetzlichen Bestimmung. “Wir brauchen die Mitarbeit der Schulen ganz dringend. Für die Schüler ist der Besuch der Sommerschule zwar verpflichtend, für die Lehrer jedoch nicht.” Immerhin: Umsonst müssen sich die Pädagoginnen und Pädagogen zur Sommerszeit nicht abmühen. Sie erhalten 60 Euro pro gehaltener Stunde.
Allerletzte Maßnahme
Eine Herausforderung speziell in den Mittelschulen bedeutet auch das drohende Kopftuchverbot. Legt der Verfassungsgerichtshof da nicht ein Veto ein, müssen es die Schulen umsetzen. “Wir werden das bei den wenigen Schülerinnen, die es möglicherweise betrifft, umsetzen”, sagt Schulleiter Bickel. Wenig begeistert von dieser geplanten Maßnahme ist Kollege Höpperger. “Ich bräuchte eher Unterstützung beim Mobbing-Problem. Ganz sicher sind wir in Sachen Umsetzung des Kopftuchverbots nicht der verlängerte Arm der Exekutive.”

Als allerletzte Maßnahme grundsätzlich okay finden beide Schulleiter Sanktionsmöglichkeiten gegen Eltern, die sich Perspektivengesprächen im Zusammenhang mit ihren Kindern verweigern. “Natürlich wäre eine Sanktionierung der Eltern alles andere als das, was wir uns wünschen. Aber andererseits sagen mir Lehrer, wie zahnlos sie sich fühlen, wenn sich Eltern Gesprächen kategorisch verweigern”, betont Monika Steurer.
Deutschförderung neu
Keine Freude mit der verpflichtenden Sommerschule für außerordentliche Schüler hat der Sprecher des Landeselternverbandes, Michael Tagger (62). “Wir werden die Neuerungen im Schulsystem noch im Elternverband besprechen. Ich persönlich finde die Pflicht zur Sommerschule nicht gut. Wie soll man denn auch in zwei Wochen aufholen, was sich in einem Jahr an Defiziten angehäuft hat?
Das drohende Kopftuchverbot erachtet Tagger als Schritt hin zu einer Polarisierung an Schulen. Dass kooperationsunwillige Eltern in letzter Konsequenz mit Geldstrafen zu rechnen haben, sieht Tagger als gerechtfertigte Maßnahme. “Aber bitte nur dann, wenn gar nichts mehr hilft.”

Viele andere neue Bestimmungen werden von Schulvertretern begrüßt: wie etwa die Autonomie bei der Deutschförderung, die Suspendierungsbegleitung für Schüler, der Chancen-Bonus für Volks- und Mittelschulen mit besonderen Herausforderungen oder diverse Maßnahmen zum digitalen Kinderschutz.