Liensberger und ihr Weg zurück in kleinen Schritten

Sport / 14.01.2026 • 19:19 Uhr
Liensberger und ihr Weg zurück in kleinen Schritten
Gemeinsam mit Manuel Hofer, Physiotherapeut im Olympiazentrum Dornbirn, hat Katharina Liensberger ihre Reha begonnen. Steurer

Geduld ist gefragt, wenn bei der Olympiasiegerin die Gesundheit und nicht der Sport an erster Stelle steht.

Dornbirn Der 2. Jänner hat den Alltag von Vorarlbergs Skistar Katharina Liensberger verändert. Seit ihrem Trainingssturz mit der schwerwiegenden Knieverletzung muss die Olympiasiegerin in kleinen Schritten denken und Geduld zeigen. “Eigentlich ist das nicht meine beste Eigenschaft”, sagt sie mit einem leichten Schmunzeln, wohl wissend, dass ihr Weg zurück ein langer sein wird. Denn nach dem erfolgreich verlaufenen Eingriff von Dr. Christian Fink und seinem Team im Klinikum Hochrum gehören vorerst Krücken zu ihren ständigen Wegbegleitern.

Liensberger und ihr Weg zurück in kleinen Schritten
Kurz nach 10 Uhr Vormittags trifft Katharina Liensberger in Dornbirn beim Olympiazentrum ein. Steurer

“Essen, duschen, anziehen, die ganz normalen Dinge im Leben sind jetzt einfach beschwerlicher”, spricht die 28-Jährige die aktuellen Veränderungen an. Und so ist ihre Dankbarkeit für all die Hilfe, die sie im Umfeld erfährt, zumal sie auch ein privates “Taxi” benötigt, um die tägliche Strecke von Göfis ins Olympiazentrum nach Dornbirn gut bewältigen zu können, weit mehr als nur ein Wort: Sie kommt von Herzen. Die VN durften Liensberger bei einer ihrer ersten Einheiten, gemeinsam mit Physiotherapeut Manuel Hofer, begleiten.

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Katharina, die erste Frage, die sich aufdrängt: Wie geht es dir?
Die Situation ist für mich neu, weil ich bisher von einer so schweren Verletzung verschont geblieben bin. Deshalb möchte ich mich in erster Linie bei allen bedanken, die mir geholfen und mich betreut haben. Angefangen von der Rettungskette nach dem Sturz bis zur Operation und jetzt im Olympiazentrum. Auch vom ÖSV ist mir volle Unterstützung zugesagt worden, gerade auch in Fragen der psychologischen Betreuung und des Versicherungsschutzes. Für mich ist vieles neu, war ich doch nie ernsthaft verletzt. Somit befinde ich mich in einem Lernprozess, um in kleinen Schritten zu denken und Geduld aufzubringen. Gilt es doch auch, den seelischen Schmerz zu verarbeiten.

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Manuel Hofer zeigt die Übung vor . . .

Wie gut sind die Erinnerungen an die Geschehnisse vom 2. Jänner, an deinen folgenschweren Sturz?
Ich kann mich sehr gut erinnern. Es war die zweite Fahrt an diesem Tag, es war kalt, gut 13 Grad minus. Ich habe mich gut gefühlt, wollte beim zweitletzten Tor, bei einer Kuppe, noch einmal gut auf den Ski stehen. Die Geschwindigkeit war normal, nicht zu riskant, zumal der Schnee schnittig war. Als die Ski plötzlich überkreuzten, wirkten die Kräfte zu stark. Die Folge davon war eine extreme Überstreckung. Ich spürte dann auch gleich die Schmerzen.

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. . . hilft in der Ausführung und . . .VN

Du hast alle Details quasi “abgespeichert”. Hast du dir den Sturz im Video angesehen?
Nein, bewusst noch nicht. Vielleicht später einmal. In meinem Kopf sind die Bilder vom Sturz jedenfalls noch sehr präsent. Mir war sofort bewusst, dass etwas passiert ist. Denn selbst mithilfe der Ersthelfer bin ich nicht mehr auf die Beine gekommen.

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. . . . schließlich kann Katharina Liensberger ihre Freude über erste spür- und sichtbare Fortschritte nicht verbergen.Steurer/3

Du hast den seelischen Schmerz erwähnt. Dabei spielen wohl das aufgrund der Verletzung verpasste zehnjährige Weltcupjubiläum in der Flachau oder das Verpassen der Winterspiele in Cortina, wo dein Stern 2021 bei der WM mit drei Medaillen (Anm. d. Red.: zweimal Gold, einmal Bronze) so richtig aufgegangen ist, eine Rolle?
Sicher auch. Meine Erinnerungen an Cortina sind so schön. Ich habe mich sehr auf die Rückkehr gefreut. Zumal die Saison natürlich in Richtung Olympia ausgerichtet war. All das gilt es jetzt zu verarbeiten. Da hilft, den eigenen Kummer nicht als Mittelpunkt der Welt zu betrachten.

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Schauen wir in die Zukunft. Was bringen die nächsten Tage, die nächsten Wochen?
Die Fäden im Knie sind gezogen. Deshalb habe ich nun das Reha-Programm mit Manuel (Anm. d. Red.: Hofer) hier im Olympiazentrum starten dürfen. Jetzt muss ich meinem Körper und mir einfach auch die nötige Zeit geben.

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Wieder trainieren zu dürfen, wenngleich noch sehr eingeschränkt, macht Liensberger sichtlich Spass. Steurer

Jetzt hat sich mit Magdalena Egger noch eine weitere Vorarlbergerin schwer verletzt und fällt für die gesamte Saison aus.
Eine wirklich traurige Geschichte, sie war richtig gut drauf. Ich habe ihr gleich geschrieben und ihr das Allerbeste gewünscht.

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Die Olympischen Ringe vor sich, beginnt der Weg zurück für Katharina Liensberger. Steurer

Wie wichtig ist für dich der Austausch mit anderen Athlet:innen?
Elisabeth (Anm. d. Red.: Kappaurer) hat mich im Spital besucht. Das hat mich sehr berührt, sie hatte ja eine ähnliche Verletzung erlitten und kann schon einiges erzählen. Auch Eva (Anm. d. Red.: Pinkelnig) hat mit mir über Verletzungen gesprochen. Solche Gespräche tun wahrhaftig gut, auch für das Seelenheil.

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Der besondere Blick auf Katharina Liensberger. Steurer