Nur noch digital: Die Vignette in Österreich steht vor dem Umbruch

VN / 15.01.2026 • 16:00 Uhr
IMG_5082.JPG
ASFINAG-Abteilungsleiter Stefan Zangerle erläutert, wie der Umstieg auf die digitale Vignette abläuft und was bis 2027 noch geplant ist. VOL.AT/SKÖ

Die Klebevignette hat ausgedient: Ab 2027 gilt nur noch die digitale Variante.

Hohenems “Es ist einfach an der Zeit”, sagt Stefan Zangerle im Gespräch mit VOL.AT. Der Abteilungsleiter der ASFINAG spricht über einen tiefgreifenden Wandel im österreichischen Mautsystem: Ab dem Jahr 2027 wird es keine Klebevignette mehr geben. Stattdessen setzt man ausschließlich auf die bereits 2018 eingeführte digitale Variante.

Nur noch digital: Die Vignette in Österreich steht vor dem Umbruch
“Es ist einfach an der Zeit”, so Zangerle im Gespräch mit VOL.AT. VN/Steurer

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Was zunächst nach einem schlichten Digitalisierungsschritt klingt, hat weitreichende Gründe. Bereits jetzt nutzen rund 80 Prozent der Jahresvignetten-Käufer das digitale System. “Die Nachfrage ist einfach da – sowohl bei der Jahres- als auch bei der Kurzzeitvignette”, so Zangerle.

Praktischer, günstiger, umweltfreundlicher

Für viele Autofahrer bedeutet die Umstellung eine Erleichterung: kein mühseliges Aufkleben und Abkratzen mehr. Wer ein Wechselkennzeichen besitzt, kann mit einer einzigen Vignette mehrere Fahrzeuge abdecken. Auch bei einem Autowechsel bleibt die Vignette gültig – sofern das Kennzeichen gleich bleibt. Selbst bei einem neuen Kennzeichen ist eine Umschreibung möglich – einmal pro Jahr gegen eine Gebühr von 18 Euro.

Auch aus Sicht der ASFINAG hat der Umstieg Vorteile: Der logistische Aufwand für die Belieferung von Tausenden Verkaufsstellen entfällt. Das spart Ressourcen – finanziell und ökologisch.

Sorge um ältere Menschen? Kein Grund zur Panik

Kritik? Kaum. Auch ältere Kunden sollen nicht auf der Strecke bleiben. Die digitale Vignette wird weiterhin an über 3500 Verkaufsstellen erhältlich sein. Von der Trafik über Tankstellen bis hin zu Mautstationen. Und es sollen noch mehr werden: “Unser Ziel sind 4500 Vertriebspunkte bis Jahresende”, betont Zangerle.

IMG_5080.JPG
“Unser Ziel sind 4500 Vertriebspunkte bis Jahresende”, betont Zangerle. VOL.AT/SKÖ

Statt eines Klebers bekommt man dort einen Beleg. Die Registrierung läuft über das Kennzeichen. Wer möchte, kann sich die Vignette auch weiterhin persönlich besorgen – der Ablauf bleibt vertraut.

Wichtig zu wissen: Wichtig zu wissen: Wer die Vignette online kauft, muss 18 Tage auf die Gültigkeit warten – wegen des Rücktrittsrechts bei Onlinekäufen. Wer sie hingegen direkt vor Ort kauft, etwa in Hohenems oder bei einem der 3.500 Partner, kann sofort losfahren.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Kontrolle per Kamera – aber datenschutzkonform

“Wir haben derzeit 45 Kameras im Einsatz”, erklärt Zangerle. Diese sind über ganz Österreich verteilt und prüfen stichprobenartig, ob für ein Fahrzeug eine gültige Vignette vorliegt. Ein permanentes Tracking gibt es nicht – aus Datenschutzgründen. Wenn eine gültige Vignette erkannt wird, wird das Bild sofort gelöscht.

Was passiert bei Problemen?

Systemausfälle? Fehlanzeige. Die ASFINAG setzt auf Backups und robuste Verkaufsplattformen. “Wir stellen sicher, dass der Kauf rund um die Uhr möglich ist”, sagt der Abteilungsleiter der ASFINAG. Auch beim Datenschutz gibt es klare Regeln: “Wir brauchen nur das Kennzeichen und eine E-Mail-Adresse – mehr nicht.”

Preis bleibt unabhängig vom System

Die Preise für die Vignette orientieren sich weiterhin am harmonisierten Verbraucherpreisindex. Dass die Umstellung auf die digitale Variante zu einem Preisanstieg führt, schließt Zangerle aus: “Das ist gesetzlich nicht vorgesehen.”

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Österreich als Vorreiter

Mit dem Schritt reiht sich Österreich in eine wachsende Liste europäischer Länder ein. Darunter Slowenien, Tschechien und Ungarn, die bereits vollständig auf digitale Mautsysteme setzen. Der Unterschied: Österreich hat den Übergang mit einem dualen System behutsam gestaltet.

Mautfreie Strecke

Ein häufiger Irrtum betrifft die mautfreie Strecke bei Hohenems. Auch wenn sie gesetzlich geregelt ist, wissen viele Autofahrer nicht, dass dort keine Vignette erforderlich ist. “Manche glauben es einfach nicht und kaufen trotzdem eine”, erzählt Zangerle. Die ASFINAG bemüht sich gemeinsam mit dem Land Vorarlberg um bessere Beschilderung, ein schwieriges Unterfangen, das rechtlich komplex ist.