“Die Stunde ist gekommen – nun geht’s heim!”

Uraufführung im Vorarlberger Landestheater von „Carl Lampert – Das erste Gebet“.
Bregenz Im Vorarlberger Landestheater wurde am Samstagabend die Uraufführung von „Carl Lampert – das erste Gebet“ präsentiert. Provikar Dr. Carl Lampert wurde am 13. November 2011 in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn von Kardinal Angelo Amato seliggesprochen und damit ist er der einzige in der Diözese Feldkirch seliggesprochene Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Lampert, 1894 in Göfis-Unterdorf geboren, wurde am 13. November 1944 im berüchtigten Zuchthaus „Roter Ochse“ in Halle von den Nazis hingerichtet. Ein Stolperstein in Göfis erinnert an sein Schicksal; die Seitenkapelle der Pfarrkirche St. Martin wurde nach Lampert, und anlässlich des 80. Jahrestages der Hinrichtung wurde der Vorplatz der Landschaftlichen Pfarrkirche Mariahilf in Innsbruck als „Dr. Carl Lampert-Platz“ benannt. Das Stück von Peter Mair und Kirsten Ossoinig war ursprünglich als Filmdrehbuch gedacht, wurde zu einem Theaterdrehbuch adaptiert und folgt der Biografie Carl Lamperts.

In einer Gefängniszelle sitzen die zwei Mädchen Romy und Emilia (herrlich leicht und ungeniert verkörpert von Paula Futscher und Josepha Yen) wegen Gewalt- bzw. Drogendelikten ein. Dort entwendet Emilia den iPod der Wärterin Nora (Rebecca Hammermüller, sie liefert immer wieder auch als Moderatorin Hintergrundinformationen zum Leben Lamperts), auf dem ein Podcast über Carl Lampert zu hören ist, den Nora für ihre Oma Gerda, die im Krankenhaus liegt, aufgezeichnet hat. Mit dieser Rahmenhandlung bzw. durch diesen Podcast wird in ihrer Zelle Carl Lampert zum Leben erweckt.

Der erste Auftritt des Priesters Lampert auf der Bühne ist jener, als er sitzend am Tisch seinen letzten Brief an seinen Bruder Julius unter anderem mit diesen Worten „Oh, wie bin ich froh, dass endlich ein Ende kommt von all dem harten Leid! – Nun geht’s heim! – Und ich bleib doch bei Euch. – Lebt wohl, wohl, wohl!“ schreibt. Szenenwechsel. Ein buntes Tohuwabohu, Menschen umringen den jungen Priester Carl, der gerade seine erste Stelle in Dornbirn St. Martin angetreten hat („Carl Lampert war ein richtiger Leutpriester“). Lampert wird von Nico Raschner verkörpert – kurz gesagt, eine Idealbesetzung! Nicht nur das, er ist Carl Lampert wie aus dem Gesicht geschnitten, nahezu schon unheimlich. Das gesamte Ensemble liefert eine tolle Leistung ab, ob Stefan Pohl als Bruder Julius, oder Chefankläger, Sebastian Reusse als Gauleiter Franz Hofer oder Ing. Hagen, oder Rebecca Hammermüller als „Erzählerin“, Wärterin Nora, Schwester Angela und Soldat Hubert. Die Musik von Oliver Rath ist sparsam, aber pointiert eingesetzt. Die Inszenierung übernahm Hermann Weiskopf, seine erste Regiearbeit am Landestheater. Weiskopf hat unter anderem mit dem Film „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ (2019) auf sich aufmerksam gemacht (der Priester Neururer wurde 1940 von den Nazis im KZ Buchenwald ermordet). Handwerklich gediegen, schnörkellos, und er verleiht der Figur Lamperts Authentizität. Behutsam und mit Gespür verarbeitete er die Szenen, in denen Lampert von den Nazi-Folterknechten schikaniert und „sonder behandelt“ wird. Eine äußerst sehenswerte Aufführung. Viel Premierenapplaus.
Am 27. Jänner findet um 19 Uhr in St. Martin/Dornbirn eine philosophische und historische Annäherung an Carl Lampert eine Podiumsdiskussion mit Bischof Benno Elbs, Intendantin Stephanie Gräve und Historiker Meinrad Pichler sowie Vertreterinnen und Vertreter der Freunde und Nachkommen Carl Lamperts statt.
Weitere Aufführungen siehe: www.landestheater.org
Thomas Schiretz