Warum Skifahren für Schüler zur Randsportart verkümmert

VN / 19.01.2026 • 16:39 Uhr
Warum Skifahren für Schüler zur Randsportart verkümmert
Skifahren macht gute Laune. Schon gar, wenn die Bedingungen in den Skigebieten so perfekt sind wie zurzeit. VN/Heimat

Sportwochen gibt es ja noch viele. Doch das Wort “Winter” davor wird immer seltener.

Dornbirn, Bregenz Im Skikeller der Mittelschule Dornbirn Markt probiert Elias, 12, einen Skihelm an. Etwas verunsichert blickt er um sich. “Ich war noch nie Skifahren”, sagt er schüchtern.

Dass eine Bildungsanstalt wie die MS Dornbirn Markt überhaupt noch über so etwas wie einen Skikeller verfügt, in dem sich eine stattliche Anzahl von Ski, Skihelmen und Stöcken befindet, ist alles andere als selbstverständlich. Eine Pflichtschule im städtischen Bereich, mit vielen Kindern und Jugendlichen, zu deren ethnischem Hintergrund vieles, aber definitiv nicht Skifahren gehört. Doch der sportliche Direktor Christoph Hämmerle (48) unternimmt alles, um seinen Schülern einen unkomplizierten Zugang zum Skisport zu ermöglichen. Er ist selbst Skilehrer und kam gerade von einer Tagung des Arbeitskreises “Wintersportwoche” zurück. Thema dort: Wie können Eltern ihren Kindern Skifahren finanzieren.

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Alexandra SerraStolz präsentiert Direktor Christoph Hämmerle “seinen” Skikeller. Dort gibt es für die Schüler alles, was sie für ein Skiabenteuer brauchen.

Schulsportticket

“Wir ermöglichen kostengünstige Skitage. Ausrüstung ist im Haus, die Eltern müssen nur die Einstellung der Bindungen bezahlen. Das Gesetz schreibt diese Dienstleistung in einem Fachgeschäft vor. Fünf Skitage kann eine Klasse für das Arlberggebiet in Anspruch nehmen, das Schulsportticket vom Vorarlberger Verkehrsverbund ermöglicht einen Gratis-Transport zum Skigebiet”, zählt Hämmerle die Leistungen auf, welche die Schüler bzw. deren Eltern an seiner Schule in Anspruch nehmen können.

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Alexandra SerraChristoph Hämmerle legt auch selbst fachmännisch Hand an, wenn es um den Skiservice geht.

Und doch. Auch der Schulleiter der MS Dornbirn Markt musste beobachten, wie die Zahl der skifahrenden Kinder an seiner Schule schrumpfte. “Vor zehn Jahren fuhren noch die Hälfte Ski, jetzt ist es nur noch jedes vierte Kind.” Eine gemeinsame Skiwoche gibt es an der Schule heuer nicht, lediglich einzelne Skitage.

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Alexandra SerraElias’ Blick ist beim Anprobieren eines Skihelms noch etwas skeptisch. Dabei tut Sportlehrerin Anna Mathis ihr Bestes, gute Laune zu verbreiten.

Fremdwort “Skiwoche”

Skiwoche. Dieses Wort hat an der Mittelschule Lustenau-Kirchdorf nur noch einen nostalgischen Klang. “Seit zwölf Jahren gibt es an unserer Schule keine Skiwoche mehr”, berichtet Direktorin Sabine Müller (56). Die Gründe dafür sind die bekannten: abnehmendes Interesse am Wintersport, kaum mehr Kinder, die Skifahren, hohe Kosten. “Würde ein breites Interesse am Skifahren zurückkommen, würden wir ein Comeback von Skiwochen selbstverständlich wieder in Erwägung ziehen”, will Müller das Kapitel nicht für alle Zeit geschlossen wissen.

Kein Schnee, keine Lust

Konrad Berchtold (64), Fachinspektor für Bewegungserziehung und Sport, muss den Rückgang an jugendlichen Wintersportlern seit Jahren registrieren. Doch nicht überall scheint Skifahren vom Aussterben bedroht. “Es gibt einen großen Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Schulen. An letzteren ist der Wintersport durchaus noch populär.” Berchtold ist froh über die Angebote von Wirtschaftskammer und Seilbahnern. Sie ermöglichen Schülern im ganzen Land Skitage zu günstigsten Konditionen. Mit Gratistageskarten, unentgeltlichen Transporten zu den Skigebieten und der Bereitstellung von Skiausrüstung. Anfänger erhalten sogar einen ausgebildeten Skilehrer, der die ersten Bewegungen auf Ski fachmännisch begleitet.

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VSVKonrad Berchtold, Fachinspektor für Bewegungserziehung und Sport, weiß, warum immer weniger Schülerinnen und Schüler Skifahren.

Dass die Zahl der skifahrenden Schülerinnen und Schüler dennoch im besten Fall stagniert, aber eher abnimmt, hat nicht nur wirtschaftliche und kulturelle Gründe. “Die schneearmen Winter mit schneefreien Landschaften im Tal tragen ihren Teil dazu bei. Da nützen beste Schneeverhältnisse in den Bergen halt auch wenig”, weiß Berchtold.