Coole Murmeltierfamilie am Warther Dorfplatz

Lechtaler Eiskünstler Ernst “Schnully” Schnöller schuf auch heuer ein vergängliches Kunstwerk.
Warth Der auffällige und deshalb nicht zu übersehende Doppelstöcker aus Antwerpen hält auf der Fahrt vom Salober nach Elbigenalp im Tiroler Lechtal am Warther Dorfplatz kurz an, und kaum sind die Türen geöffnet, wieseln Dutzende Kids eilig hinüber zur coolen Murmeltierfamilie, denn dieses Foto “müssen sie einfach haben”, weil es sie ihr Leben lang an eine unvergessliche Woche erinnern wird. Sieben Tage lang hatten die Schulkinder aus Belgien im Tiroler Lechtal Quartier bezogen und in diesen Tagen alle Facetten des Winters im Gebirge erlebt: vom Schneesturm mit Chaos auf den Straßen bis zum Wintermärchen mit strahlender Sonne am blauen Himmel.

Wie im Himalaya
Die Schulkinder und ihre Begleitpersonen müssen sich in dieser Woche am Hochtannberg wie im Himalaya gefühlt haben, denn sie kommen aus den belgischen Kleinstädten Alsemberg und Dworp. Jeweils etwas mehr als 5000 Seelen zählen diese beiden Kommunen in einer geschichtsträchtigen Region: Vor 210 Jahren wurden hier bei der Schlacht von Waterloo – keine zehn Kilometer von Dworp entfernt – nachhaltig Weichen für das heutige Europa gestellt. Heute sitzen die europäischen Weichensteller im gerade mal gut 20 Kilometer nördlich von Alsemberg gelegenen Brüssel. Und was die Höhenlage anlangt: Dworp ist im Radsport ein Begriff, denn regionale “Bergrennen” führen hier von einer Ausgangshöhe von 43 Metern über dem Meeresspiegel zum “Gipfel” auf 122 m ü. M. Und – kein Witz – 2004 gab es hier sogar im Verlauf der Tour de France eine Bergwertung. Zum Vergleich: Elbigenalp, das Quartier der Schulkinder aus Belgien, liegt auf gut 1000 Metern Seehöhe und die Bergstation der Saloberbahn noch einmal 1000 Meter höher auf 2040 Metern.

Nicht nur die Belgier
Wie dem auch sei – das coole Kunstwerk auf dem Warther Dorfplatz war nicht nur für die Kids aus dem rund 800 Kilometer entfernten Belgien ein spezielles Fotomotiv, die Murmeltierfamilie wird seit Beginn der Wintersaison vieltausendfach fotografiert. Sehr zur Freude des Künstlers Ernst “Schnully” Schnöller, der hier wieder einen vielbestaunten Blickfang geschaffen hat.

Aus der Not eine Tugend
Die Idee zu diesen vergänglichen Kunstwerken auf dem Dorfplatz entstand aus einer Not, die zur Tugend wurde: Anfang Jänner 2019 versank nicht nur Warth im Schnee und die Entsorgung der weißen Pracht wurde zum Problem. Dem Tirolerhof-Gastronom Rainer Huber kam Ernst Schnöller zu Hilfe. “Machen wir doch einfach aus dem Schneeberg vor deinem Haus ein Kunstwerk”, schlug der bekannte Holzschnitzer aus dem Lechtal seinem Freund vor. Gesagt, getan, Schnöller, der nicht nur mit Holz und anderen Materialien arbeitet, sondern auch Erfahrung mit Schnee und Eis hat, unter anderem durch seine Arbeit in den Eispalästen am Dachstein-Gletscher oder durch die Teilnahme an den Wettbewerben in Ischgl, die in Fachkreisen als inoffizielle Weltmeisterschaft der Eisschnitzer gilt.

Jetzt die Murmeli
Als Warth den Dorfplatz neugestaltete, griff die Gemeinde die “Sofa-Idee” wieder auf und lud Schnöller ein, Kunstwerke auf dem neuen Platz zu schaffen. 2024 entstand der Walser Wichtel, im Vorjahr die Bärenfamilie und in diesem Winter die Murmeli.

Eine Woche lang hat Schnöller daran gearbeitet, zunächst mithilfe der Liftgesellschaft mehr als 100 Kubikmeter Kunstschnee produziert (Schnöller: “Der ist kompakter und deshalb haltbarer als Naturschnee.”) und dann mit Schneefräse und Motorsäge die Figuren in ihrem “Sonnenschutz” modelliert. Exakt 5,70 Meter hoch ist das vergängliche Kunstwerk, von dem nicht nur der Künstler hofft, dass es bis zum Saisonende nach Ostern Bestand hat. STP
