Der Lehrkörper spielt auf

Kultur / 23.01.2026 • 11:38 Uhr
Der Lehrkörper spielt auf
Der 1. Satz aus Debussys frühem Klaviertrio in G-Dur wurde von Laura Moosbrugger (Flöte), Dorothea Kügler und Arndt Rausch am Klavier subtil interpretiert. Raphael Höll

Buntes Benefizkonzert der Musikschule Bregenz im Festspielhaus.

Bregenz Schon vor Konzertbeginn sorgten Vincent Rein und Daniel Seyr für gepflegte Jazz-Atmosphäre, dann wurde im bis auf den letzten Platz besetzten Seestudio des Festspielhauses ein Feuerwerk an unterschiedlichsten Musikstücken entzündet: Beim Benefizkonzert der Musikschule Bregenz mutierten sonst im Hintergrund agierende Lehrer und Lehrerinnen zu Bühnenstars, die unter dem Motto “Wir für Euch” ihr Können in den Dienst von Musikschülern aus sozial schwachen Familien stellten, denen die freiwilligen Spenden zugutekommen. Auch die Politik war prominent vertreten: Kulturlandesrätin Schöbi-Fink, der Bregenzer Bürgermeister Ritsch, Vize Frühstück und mehrere Stadträte drückten so ihre Wertschätzung für die Arbeit der Musikschule aus, die heuer ihr 125-jähriges Bestehen feiert. Man kann nur hoffen, dass diese Wertschätzung sich auch in budgetär schwierigen Zeiten bewährt. Denn eines ist sicher: Für das Menschsein ist Musik unverzichtbar.

Der Lehrkörper spielt auf
Anita Martinek und Susanne Mattle. Raphael Höll

Moderiert wurde der Abend bekannt charmant von Direktorin Mag. Mag. Bettina Wechselberger und Julia Scheurle, wobei man einiges über die Musikschule erfuhr, etwa, dass die Schülerzahlen sich mittlerweile in einer Höhe von über 2000 bewegen und 54 Lehrkräfte aus 14 Nationen zur Verfügung stehen.

Der Lehrkörper spielt auf
Nach einem Jingle “A Fragrance of Bregenz” von R. Jenny intonierte das Blech- & Holzbläserensemble einen flotten Marsch.Raphael Höll

International war auch das Programm: Nach einem Jingle “A Fragrance of Bregenz” von R. Jenny intonierte das Blech- & Holzbläserensemble einen flotten Marsch; die von Moritz Rädler (Akkordeon), Sonja Bühler-Schuler (Harfe) und Martin Deuring (Bass) rhythmisch gekonnt verzögert präsentierte “Älpler-Polka” von H. Pixner riss alle mit. Feinere Klänge produzierte ein Gitarrenquartett (Paul Becker, Carlos Peralta, Magnus Panek, Behnam Zarandi) in Telemanns Konzert für 4 Gitarren in E-Dur. Zu einem ersten Höhepunkt wurden 3 Sätze aus Schostakowitschs 5 Stücken für 2 Violinen (Anita Martinek, Susanne Mattle) und Klavier (Zsuzsanna Csegzi), deren melancholische Melodik und schräger Humor perfekt vermittelt wurden. Eine synkopengespickte Jazz-Nummer von M. Öttl führten Dorothea Kügler (alles auswendig gespielt!) am Hackbrett und Viktoria Köppl am Saxofon gekonnt vor, bevor mit “Guarda che bianca luna” ein romantisch verzücktes Liebesduett von Saghar Ahmadi Marvast, Yauheni Post (Gesang) und Michaela Kauper (Klavier) vorgetragen wurde.

Der Lehrkörper spielt auf
Der Abend ging mit dem Jazzensemble zu Ende. Raphael Höll

Nach der Pause ging es schwungvoll weiter, mit einer Tango-Nummer von Altmeister H. Salgan, interpretiert von einem Quintett aus Köppl, Keuper, Peralta, Deuring und Raphael Höll (Geige). Jubelstürme erntete ein Trio aus Peralta, Scheurle (Cello) und Aydin Balli an Saz und Ut mit dem türkischen Volkslied “Üsküdar’a gider iken” und Piazzollas “Libertango”. Der 1. Satz aus Debussys frühem Klaviertrio in G-Dur wurde von Laura Moosbrugger (Flöte), Dorothea Kügler und Arndt Rausch am Klavier subtil interpretiert. Dass die Direktorin, die erste in der Geschichte der Bregenzer Musikschule seit 125 Jahren und immer noch die einzige (!) in Vorarlberg, singen kann, bewies sie expressiv und stimmkräftig mit der Arie der Lauretta aus Puccinis “Gianni Schicchi”. In einer virtuosen Flamenco-Nummer von B. Kovács brillierte das bulgarische Lehrerpaar Levent Ivov (Klarinette) und Darina Naneva-Ivov (Klavier), bevor der Abend mit dem Jazzensemble und P. Steeles “High Society”, R. Ciceros “Das Experiment” und einer Hommage an James Brown als Zugabe zu Ende ging. Standing Ovations für ein abwechslungsreiches, absolut professionell präsentiertes Programm – und hoffentlich offene Geldtaschen für die Spenden. Ulrike Längle