Störenfried oder Künstler? Neue Biberspuren am Alten Rhein

Der Biber in Vorarlberg spaltet viel – auch die Gemüter.
Darum geht’s:
- Petra Stadelmann entdeckt immer wieder neue Biberspuren am Alten Rhein.
- Zahlreiche Beschwerden über Schäden werden gemeldet.
- Biberbeauftragte des Landes betont ökologische Vorteile.
Hohenems „Dieser Baum hat am vergangenen Wochenende noch nicht hier gelegen“, sagt Petra Stadelmann am Freitag, als sie am Alten Rhein in Hohenems entlangspaziert. Hier hinterlässt der Biber deutliche Spuren: angenagte Baumstämme, umgestürzte Bäume mit zugespitzten Enden und Hackschnitzelhaufen. Was für manche ein Ärgernis ist, sehen andere als Kunstwerk und Gewinn für die Natur.
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Störenfried oder Künstler
Petra Stadelmann geht häufig am Alten Rhein spazieren. „Vor ein paar Jahren war am Uferrand noch alles voller Bäume, jetzt ist es licht hier“, schildert die 56-jährige Hohenemserin. „Bis weit hinauf nach Lustenau entdecke ich bei meinen Spaziergängen Biberspuren, auch abseits des Gewässers.“

Als Waldbesitzerin würden sie die Schäden stören, aber als unbeteiligte Passantin gefallen ihr die Konstruktionen: „Auf mich wirken sie wie schöne Skulpturen.“ Die Hackschnitzel, die rund um die abgenagten Baumstämme liegen, nimmt sie oft mit nach Hause. „Die verwende ich zum Mulchen oder um Wege damit auszulegen.“

Laut Christian Gantner, Landwirtschafts- und Naturschutzlandesrat, sind die Biber-Hotspots vor allem in Götzis, Koblach und Altach: „Ich bekomme viele Beschwerden. Im Sommer und Herbst täglich. Aktuell alle paar Tage.“ Gemeldet werden zum Beispiel umgestürzte Bäume, die am Weg liegen, oder Dämme, die landwirtschaftliche Flächen überfluten, sodass Traktoren in den aufgeweichten Boden einsinken. Vermehrt gibt es Beschwerden in Siedlungsgebieten – unter anderem wird von Schäden in Kellern berichtet.

„Biber gestalten um, das passt vielen Leuten nicht“, wirft Agnes Steininger ein. Sie ist im Auftrag des Landes Vorarlberg für das Bibermanagement zuständig. „Aber das ist ihr Job in der Natur, der ökologisch gesehen positive Folgen hat, zum Beispiel nimmt dadurch die Artenvielfalt zu.“

Maßnahmen
Steininger und Gantner gehen aktuell von um die 350 bis 400 Bibern in Vorarlberg aus. „Bei dieser Anzahl braucht es weiterführende Maßnahmen. Von Vergrämung bis hin zur letalen Entnahme“, sagt Gantner. Die letale Entnahme ist der fachliche Ausdruck für die Tötung eines Tieres. „Wir wollen den Biber nicht ausrotten, aber er hat keinen natürlichen Feind und deshalb müssen wir wieder ein Gleichgewicht herstellen.“

Steininger führt aus, dass eine letale Entnahme in Einzelfällen Sinn machen kann, aber nur, wenn sie in andere Maßnahmen eingebettet ist. Diese seien vom jeweiligen Fall abhängig: zum Beispiel das Schaffen von Bereichen mit ausreichend Nahrungsangebot, Elektrozäune oder das Eingittern von Bäumen.

„Grundsätzlich regulieren sich Biber selbst“, teilt Steininger mit. Da sie territorial organisiert sind, sinkt bei hoher Revierdichte der Nachwuchs, zugleich nehmen innerartliche Auseinandersetzungen und Überfahrungen zu. „Beobachtungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass sich die Population an die verfügbaren Lebensräume anpasst.“
Mögliche Entschädigungen
Der Umgang mit dem Biber soll in einem Biber-Managementplan geregelt werden. „Wir arbeiten aktuell daran, ein erstes Grobkonzept liegt vor“, schildert Gantner. Diskutiert wird dabei unter anderem über mögliche Entschädigungen für vom Biber verursachte Schäden sowie über Förderungen für Präventionsmaßnahmen, etwa zum Schutz von Hausmauern oder Bäumen. „Ziel ist es, dass der Plan noch dieses Jahr beschlossen wird.“