„Was stimmt nicht mit mir?“ – Petra Krügers unerfüllter Kinderwunsch

Über Jahre hinweg kämpfte sie mit ihrer ungewollten Kinderlosigkeit – nun will sie andere Betroffene unterstützen.
Darum geht’s:
- Petra Krüger kämpft mit unerfülltem Kinderwunsch.
- Führt zu einer tiefen Trauer- und Selbstfindungsphase.
- Bietet Unterstützung durch Orientierungsgespräche und Green-Meditation-Spaziergänge.
Lauterach „Es war ein riesen Schock“, erinnert sich Petra Ilse Krüger an die Zeit zurück, als sie erfahren hatte, dass sie eine Fruchtbarkeitsstörung hat und möglicherweise keine Kinder bekommen kann. Viele Jahre kämpfte die heute 58-Jährige damit, dass alle um sie herum schwanger wurden, nur sie nicht. Auch wenn die Kinderlosigkeit sie bis heute noch manchmal mit neuen Fragen und Gefühlen konfrontiert, hat Krüger erkannt, dass man auch auf andere Art und Weise fruchtbar sein kann.

Selbstzweifel und Verunsicherung
Nach ihrem Studium, Anfang 30, wollte Krüger mit ihrem Partner ihr erstes Kind. Die gebürtige Bielefelderin, die seit fast 20 Jahren in Vorarlberg lebt, war zutiefst erschüttert über die lebensverändernde Mitteilung ihres Arztes. Es wurde nicht ganz ausgeschlossen, dass sie schwanger werden konnte, aber die Wahrscheinlichkeit war gering. Als klar wurde, dass Krügers Partner gesund war und die Ursache bei ihr lag, kamen Schuldgefühle auf. „Er liebt Kinder und geht so gut mit ihnen um. Er wollte genauso gern welche wie ich“, erzählt die Lebens- und Sozialberaterin.

Nach ungefähr einem halben Jahr voller Abklärungen und Untersuchungen stand für die naturverbundene Frau fest, dass sie Methoden wie eine künstliche Befruchtung oder Hormonbehandlungen nicht in Anspruch nehmen möchte. Pflege oder Adoption waren nie Thema. „Ich hoffte einfach, dass es mit der Zeit natürlich passieren würde.“ Doch Selbstzweifel und Verunsicherung durchzogen ihren Alltag: Was stimmt nicht mit mir? Gibt mein Partner seinen Kinderwunsch mir zuliebe auf?

Krüger las Bücher zum Thema und flüchtete sich in die Arbeit und Therapieausbildungen. Außerdem begann sie, selbst einen Therapeuten aufzusuchen. „Doch dieser hatte eine Familie – solche Personen können sich oft nicht vorstellen, wie komplex und schmerzhaft es ist, keine Kinder bekommen zu können.“

Neue Selbstfindung
Krüger und ihr Partner trennten sich, als sie knapp 40 Jahre alt war. Die Kinderlosigkeit war ein wesentlicher Grund dafür. „Das stürzte mich in eine noch tiefere Krise“, schildert die Naturheiltherapeutin. „Nun war ich zusätzlich noch partnerlos – es war, als wäre mein letzter Funken Hoffnung auf ein Kind gestorben.“ Zwar ging sie in den darauffolgenden Jahren neue Beziehungen ein, doch war sie unter anderem wegen ihres Alters an einen Punkt gekommen, an dem sie spürte: „Die Zeit ist um.“
Der Verlust löste bei Krüger eine tiefe Trauer aus und leitete eine neue Phase der Selbstfindung ein. Sowohl die Natur als auch zusätzliche Aus- und Weiterbildungen wurden für sie zu wichtigen Stützen.

Mitte 40 fanden sie und ihr Expartner wieder zusammen. Zwar standen eigene Kinder nicht mehr im Raum, doch nahm das Ursprungsthema neue Formen an: In ihrem Umfeld erzählten die Menschen stolz von den ersten großen Errungenschaften ihrer Kinder oder davon, Großeltern geworden zu sein. „Kinderlosigkeit bedeutet auch Enkellosigkeit.“ Heute holt sie das Thema noch manchmal ein, wenn sie mit glücklichen Familien zu tun hat. „Menschen ohne Kinder und Enkelkinder bekommen den Lebenssinn nicht einfach geschenkt.“

Andere Fruchtbarkeit
Nun möchte Krüger Menschen, die keine, oder noch keine Kinder haben, unterstützen, indem sie kostenlos Orientierungsgespräche und monatliche Green-Meditation-Spaziergänge anbietet. In der Natur sollen zum Beispiel positive innere Bilder geschaffen und auf die unterschiedlichen Arten von Fruchtbarkeit aufmerksam gemacht werden. „Ungewollte Kinderlosigkeit ist kein persönliches Versagen oder sinnentleertes Leben, sondern ein anderer Weg zur eigenen Fruchtbarkeit.“
