„Am liebsten würd ich auf jedem Berg einen Kite sehen“, so Snowkiter Daniel

Am Arlberg zeigt Daniel, wie man mit einem Kite über verschneite Hänge gleitet.
Arlberg Die Leidenschaft begann im Jahr 1992. Damals fuhr Daniel Sadjak aus Feldkirch mit 18 zum Windsurfen an den Comer See. Ein erstes Abenteuer, bei dem er gleich ordentlich abgetrieben wurde, aber auch ein bleibender Eindruck. Jahre später traf er einen Schweizer, der ihm das Kite-Surfen zuerst am Wasser und dann im Schnee zeigte. „Das war mein Kite-Lehrer. Eine Ikone. Der ist mit dem Kite den Berg raufgefahren – das hat mich fasziniert“, erzählt Daniel im Gespräch mit den VN.
Kiten heißt: Mit einem Lenkdrachen steuern – und mit Ski oder Snowboard über den Schnee zu gleiten.
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Was ihn besonders fesselte, war die Freiheit: „Du bist allein, in einer tief verschneiten Landschaft, weit weg vom Skizirkus. Keine Lifte, keine Warteschlangen. Nur du und der Wind“, sagt er.
Der Selbstversuch
Auch die VN wagte den Selbsttest. Nach einer gründlichen Einführung ging es auf ein breites, flaches Schneefeld. Den Kite richtig auslegen, Leinen richtig ausspannen und positionieren. Was in der Theorie noch einfach klang ist in der Praxis wesentlich schwieriger.


Der erste Startversuch war komplizierter als gedacht. Der Wind muss passen und das Timing stimmen. Als erste Übung sollte ich einen Achter in der Luft fliegen. Nach zwei Stunden spürte ich meine Arme deutlich. Aber der Kite stand, der Achter funktionierte. Und am Ende ging es sogar ein paar Meter mit den Skiern über den Schnee.

Es war anspruchsvoller als erwartet, lautet das Fazit. Der Sport verlangt Konzentration, Technik und ein gutes Gespür für Wind und Gelände – und belohnt mit einem Erlebnis, das sich vom klassischen Skitag deutlich unterscheidet.
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Drei Dimensionen im Schnee
Der Kite, also der Lenkdrachen, zieht einen über flache Ebenen – und mit etwas Übung auch bergauf. „Das ist wie ein Lift im Rucksack“, sagt Daniel. Drachen starten, den Wind richtig erwischen und mit Ski oder Snowboard über den Schnee gleiten, das ist die Kunst.
Sicherheit hat Vorrang
Trotz aller Faszination: Snowkiten erfordert Respekt. Windverhältnisse können schnell wechseln, besonders in den Bergen. Wichtig sei laut Daniel, moderat zu starten – „nicht beim größten Sturm mit dem größten Kite“. Gleichzeitig betont er aber auch: „So gefährlich, wie viele meinen, ist es nicht.“ Moderne Kitesysteme verfügen über ausgeklügelte Sicherheitsmechanismen: Wer in Gefahr gerät, kann sich mit einem Handgriff ausklinken. Eine fünfte Leine lässt den Schirm drucklos zusammenfallen, das reduziert das Risiko erheblich.

Die Kites selbst sind ähnlich zu Wasserkites, unterscheiden sich hauptsächlich von der Funktionalität. Ein gutes Set kann bis zu 2000 Euro kosten.
Zudem gilt: Nicht überall darf gekitet werden. Skigebiete, Straßen, Wald- und Naturschutzgebiete sind tabu. „Man muss sich informieren, Rücksicht nehmen und im Zweifelsfall lieber Abstand halten“, so Daniel.
Kurse für Neugierige und Wiederholungstäter
Seit 2016 betreibt Daniel mit „Spotcheck“ seinen eigenen Vertrieb und bietet Kurse an. Von ersten Schritten bis hin zu Touren für Profis. „Ich wollte das professionell machen, um anderen zu zeigen, was mich selbst so begeistert“, sagt er.
Rund 50 Schüler pro Saison kommen zu Spotcheck. Viele davon sind Wiederkehrer. Die meisten steigen nach dem Kurs in die eigene Ausrüstung ein. „Wer einmal richtig dabei war, den lässt es nicht mehr los“, sagt Daniel.

Sein Ziel? „Nicht größer werden – sondern besser. Ich mache das fürs Leben gern“, sagt Daniel. Snowkiten sei für ihn keine bloße Sportart, sondern eine Lebenseinstellung.