Neubeginn in Ausnahmezeiten

Bücher haben Denise Sterr-Cabral geholfen, in Vorarlberg heimisch zu werden.
Dornbirn Vor viereinhalb Jahren packte Denise Sterr-Cabral in Berlin ihre Sachen und übersiedelte gemeinsam mit ihrem Ehemann und den Kindern nach Vorarlberg. Land und Leute hat die heute 38-jährige Buchgestalterin „schneller und besser durch Bücher kennengelernt“ – durch jene Bücher, die sie selbst gemacht hat. Diese entstanden im Dornbirner Verlag edition v. Dort, in ihrem Büro, erzählt sie nun, wie sie nach Vorarlberg gekommen ist und warum der Umzug gar nicht einfach war.
Ihre Lebensgeschichte beginnt am 1. September 1987 in Riederich, einer rund 4200 Einwohner zählenden Gemeinde in Baden-Württemberg. Denise wuchs mit einer älteren Schwester auf und studierte nach der Matura Verlagsherstellung in Leipzig, schloss als Diplom-Ingenieurin ab. Es folgten Stationen bei namhaften Verlagen: Carlsen in Hamburg, Piper in München, Klaus Wagenbach in Berlin. Heute arbeitet sie als Buchgestalterin und Buchherstellerin bei edition v und ist für deutsche Verlage selbstständig tätig.

In Berlin begegnete Denise ihrem späteren Ehemann, dem Portugiesen Bernardo Cabral. In Berlin kamen beide Kinder zur Welt. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, weiter südlich zu leben. „Ich wollte näher an den Alpen sein. Ich bin begeisterte Wanderin und Kletterin“, sagt Denise, „aber auch näher bei meinen in Baden-Württemberg lebenden Angehörigen“.
An der Grenze abgewiesen
Anfang 2021 stand fest: Vorarlberg soll die neue Heimat der Familie Sterr-Cabral werden. „Über das Internet fanden wir eine Wohnung in Dornbirn.“ Eine Besichtigung vor Unterzeichnung des Mietvertrags war nicht möglich – wegen Corona“, erinnert sich Denise. „Trotzdem wollten wir die Stadt, in der wir künftig leben würden, vorher einmal sehen und spüren.“ Beim ersten Einreiseversuch wurde die Familie an der Lindauer Grenze abgewiesen. Der zweite Versuch gelang: „Wir stellten fest, Dornbirn gefällt uns. Wir hatten ein gutes Gefühl.“

Im Juli 2021 – zwischen zwei Lockdowns – zog die Familie von Berlin nach Dornbirn. „Corona-bedingt war das Übersiedeln ziemlich anstrengend“, sagt Denise rückblickend. „Aber wir schafften es ohne gröbere Probleme.“ Da sie es gewohnt war, alle drei bis vier Jahre den Wohnort zu wechseln und sich immer wieder neu einzurichten, fiel ihr das Ankommen in Vorarlberg nicht schwer: „Das Anpassen an neue Situationen – beruflich, sozial und privat – hat mich reich an Erfahrung gemacht.“
Im Mai 2024 heirateten Denise und Bernardo in Bezau auf dem Sonderdach. Zu Hause wird Deutsch und Portugiesisch gesprochen, die Kinder sollen mehrsprachig aufwachsen. Die sechsjährige Tochter besucht die Volksschule, der vierjährige Sohn den Kindergarten.
„Mi subers Ländle“
Bernardo, Bauingenieur von Beruf, fand rasch eine Anstellung. Denise machte sich nach der Karenz als Buchgestalterin selbstständig, schickte ihr Portfolio an zahlreiche Verlage im deutschsprachigen Raum. In Vorarlberg wurde die Herausgeberin des Verlags edition v, Nina Winkler, auf sie aufmerksam und beauftragte sie mit der Gestaltung des Buches „Mi subers Ländle“. Das Sachbuch von Kathrin Stainer-Hämmerle über Skandale, politische Machenschaften und andere Affären erschien im November 2022. „Danach sagte Nina zu mir: ‚So jemanden wie dich brauchen wir‘“, erzählt Denise. Seitdem ist sie bei edition v teilzeitangestellt. Seit „Mi subers Ländle“ gestaltet sie dort weitere Publikationen, unter anderem Kinderbücher und Reiseführer.
Durch ihre Arbeit an den Büchern hat sie sich intensiv mit Vorarlberg auseinandergesetzt und dabei viel über das Land gelernt: „Die Bücher haben mir geholfen, hier anzukommen und mich heimisch zu fühlen.“
