Neuer Waldfriedhof am Gebhardsberg rückt näher: “Hier können Abschiede von allen Religionen stattfinden”

Nachfrage nach Naturbestattungen stark angestiegen.
Darum geht’s:
- Neuer Waldfriedhof am Gebhardsberg geplant für 2026.
- Erste Beisetzungen könnten bald stattfinden.
- Natürliche Urnenbestattung unabhängig von Religion möglich.
Bregenz Beim Bestattungsunternehmen Reumiller stehen derzeit drei Urnen mit bereits eingeäscherten Verstorbenen bereit. Sie sollen am geplanten Waldfriedhof am Gebhardsberg, dem sogenannten “Wald des Friedens”, ihre letzte Ruhe finden. “Gegen Jahresende wurde in den Medien bekannt, dass am Gebhardsberg ein ‚Wald des Friedens‘ entstehen soll, in dem Naturbestattungen möglich sein werden”, erklärt Daniel Dalmonek (39), Inhaber der Bestattung Reumiller in Hard. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2026 vorgesehen. Dalmonek hofft, dass erste Beisetzungen zeitnah stattfinden können, da die betroffenen Familien ihre Angehörigen zur letzten Ruhestätte begleiten möchten. Der Platz wurde von der Stadt Bregenz genehmigt, nun ist nur noch der rechtsgültige Bescheid ausständig.

Würdevolles Abschiednehmen im Grünen
Unweit des Gasthauses am Gebhardsberg zweigt eine kleine Straße in den Wald ab, wie Dalmonek exklusiv den VN zeigte. Auf einer Lichtung soll künftig der nächste “Wald des Friedens” entstehen – ein Areal, in dem Naturbestattungen unter Bäumen möglich sind. “Mir ist es wichtig, dass das Bestattungsniveau im Land hochgehalten wird. Ein würdevoller Abschied ist für die Trauerbewältigung essenziell”, betont der Bestatter. Der Waldfriedhof ist als Urnenstätte im Wald konzipiert und steht allen Menschen offen, unabhängig von Religion oder Herkunft. “Hier können Abschiede von allen Religionen, auch von Konfessionslosen, stattfinden”, unterstreicht Daniel Dalmonek.

Betreiber und Standorte des “Wald des Friedens”
Das Ethik-&-Umwelt-Krematorium in Hohenems, unter der Leitung von Geschäftsführer Claus Kergel, betreibt diese besonderen Waldfriedhöfe im Land. “Wir haben den Wald am Gebhardsberg gepachtet und stellen als öffentliche Institution sicher, dass dieser auch in vielen Jahrzehnten noch als Ruhestätte dient”, erklärt Kergel. In Feldkirch ist bereits ein “Wald des Friedens” eröffnet worden. Diese Waldstücke werden vom Ethik-&-Umwelt-Krematorium Hohenems gemeinsam mit allen Vorarlberger Bestattern betrieben. Der Gemeindeverband ist als Kontrollorgan beim Krematorium beteiligt. Als Gegenstück zu den Vorarlberger Standorten in Feldkirch und Bregenz gibt es den “Klosterwald” in Bludesch. Ob im Klosterwald oder im “Wald des Friedens”: Das Prinzip der Beisetzung bleibt dasselbe. Die Angehörigen wählen einen Baum aus und bestimmen den Platz für die Urne als letzte Ruhestätte.

Hinterbliebene gestalten den Abschied mit
Mit dem Trend zur Naturbestattung ändern sich auch die Abläufe für Bestatter. “Blumen, die bei der Verabschiedung niedergelegt werden, dürfen nicht mit in den Wald genommen werden. Diese bringen wir stattdessen zu verwandten Angehörigen oder Gräbern”, erklärt Dalmonek. Auch die Hinterbliebenen werden zunehmend in die Wahl des Beisetzungsortes einbezogen. “Das ist sinnvoll, denn sie kommen später zum Trauern an diesen Ort”, sagt Dalmonek. Bei Urnenbeisetzungen im Wald sollte bedacht werden, dass man sich in der freien Natur aufhält. Für viele ist die Bestattung in der freien Natur ein persönlicher Wunsch und Ausdruck der Freiheit. “Der Wegfall der Grabpflege ist ein weiterer entscheidender Grund für die Wahl der Bestattung im Wald. Diese übernimmt hier die Natur”, ergänzt Dalmonek. Lediglich ein kleines Schild weist auf Wunsch darauf hin, dass hier jemand seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Schon bald können nun auch am Gebhardsberg im “Wald des Friedens” Verstorbene beigesetzt werden. BVS
