„Ich weiß nicht, wie Alleinerziehende das schaffen“ – Kinderbetreuung in den Semesterferien

VN / HEUTE • 18:00 Uhr
„Ich weiß nicht, wie Alleinerziehende das schaffen“ – Kinderbetreuung in den Semesterferien
Johannes Pircher-Sanou und seine Frau Mariam nehmen sich nur selten zur selben Zeit Urlaub, um die Ferienzeit ihrer Kinder Elisabeth (7) und Jonathan (5) abdecken zu können. Roland Paulitsch

Wenn beide Elternteile arbeiten und die Kinderbetreuung zum Pokerspiel wird.

Darum geht’s:

  • Schulfreie Tage als Herausforderung für Familie Pircher-Sanou.
  • Betreuung in den Semesterferien hängt vom Wetter ab.
  • Österreichs schulfreie Tage im europäischen Vergleich im Mittelfeld.

Dornbirn „Ich weiß nicht, wie Alleinerziehende das schaffen“, sagt Johannes Pircher-Sanou mit Blick auf die zahlreichen schulfreien Tage, die Eltern abdecken müssen. Der zweifache Vater spiegelt mit seiner Familie eine heute übliche Situation wider: Beide Elternteile arbeiten, und das soziale Netz der Ursprungsfamilie lebt zum Teil in größerer Entfernung. Die Semesterferien ab dem 9. Februar verdeutlichen für den 36-jährigen Dornbirner, dass „die Kinderbetreuung manchmal einem Pokerspiel gleicht“.  

Betreuung von Schulkindern

Während Pircher-Sanous Sohn Jonathan (5) noch in den Kindergarten geht, wurde Elisabeth (7) in diesem Schuljahr eingeschult. „Das war ein ziemlicher Schock.“ In der Kleinkindbetreuung gab es noch fixe Betreuungszeiten bis 18 Uhr. Im Kindergarten wurde es mit mehr Ferien und wechselnden Betreuungsorten bereits etwas komplizierter. Doch die Angebote für ein Schulkind erwiesen sich am Ende als noch eingeschränkter und unsicherer. „Wir haben bei vielen verschiedenen Schulen für eine Nachmittagsbetreuung angefragt, die über 16 Uhr hinausgeht. Aber bei jeder war eine fixe Zusage lange nicht möglich, weil es darauf ankam, ob sich genügend dafür anmelden.“

„Ich weiß nicht, wie Alleinerziehende das schaffen“ – Kinderbetreuung in den Semesterferien
Gemeinsame Urlaube wurden für Johannes Pircher-Sanou und seine Frau Mariam seit dem Schuleinstieg ihrer Tochter Elisabeth zur Seltenheit.Roland Paulitsch 

Pircher-Sanou arbeitet Vollzeit als Leiter von Neustart Vorarlberg, seine Frau Mariam (40) ist 32 Stunden pro Woche als Labortechnikerin tätig. Grundsätzlich arbeiten die beiden gerne. „Es macht uns Spaß, wir leisten gerne einen Beitrag zur Gesellschaft, und es ist gut, wenn beide in die Pension einzahlen“, verdeutlicht Pircher-Sanou. Andererseits möchten sie nicht, dass die Kinder von einer Betreuung in die nächste kommen. Vor allem die Umstellung in eine fremde Betreuungseinrichtung fiel Tochter Elisabeth in der Vergangenheit schwer.

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Mariam Pircher-Sanou beim Klavierüben mit Tochter Elisabeth. Roland Paulitsch

Betreuung unsicher

Trotz flexibler Arbeitgeber gibt es immer wieder zusätzliche Termine, die eine feste Routine durchkreuzen. „Man muss sehr gut planen können“, sagt Pircher-Sanou. Er und seine Frau setzen sich wöchentlich zusammen und besprechen die kommende Woche.

„Ich weiß nicht, wie Alleinerziehende das schaffen“ – Kinderbetreuung in den Semesterferien

Während der Semesterferien hängt die Kinderbetreuung bei Familie Pircher-Sanou maßgeblich vom Schnee ab. Sie haben ihre Tochter Elisabeth zu einer Skiwoche angemeldet. Falls diese aufgrund der Wetterlage nicht zustande kommt, muss spontan eine andere Lösung gefunden werden. „Die Anmeldung für die Kinderbetreuung ist schon längst abgeschlossen. Dann müssen wir uns irgendwie anders arrangieren.“

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Die Betreuung der Kinder während der Semesterferien ist bei Familie Pircher-Sanou derzeit noch unsicher.Roland Paulitsch

Vielleicht kann an manchen Tagen eine Freundin aushelfen, oder Mariams Eltern kommen aus Wien angereist. „Wegen ihres Alters würden sie aber nicht die ganze Woche aufpassen können und Johannes’ Eltern haben noch viele andere Enkelkinder.“ Trotz persönlicher Herausforderung verliert Pircher-Sanou den Vergleich nicht aus den Augen: Nämlich dass andere Eltern wie zum Beispiel Alleinerziehende mit noch größeren Belastungen konfrontiert sind – organisatorisch wie finanziell.

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Österreich im Vergleich

Laut den aktuellsten Daten der Europäischen Kommission liegt Österreich mit 114 schulfreien Tagen in Volksschulen im europäischen Mittelfeld. Die Niederlande kommen mit 77 Tagen auf den niedrigsten Wert, Malta mit 135 Tagen auf den höchsten.

Den 114 schulfreien Tagen in Österreich steht der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch für Erwachsene von 25 Tagen pro Jahr gegenüber. Wobei natürlich bedacht werden muss, dass die Arbeitszeiten von Vollzeitkräften auch an Schultagen deutlich über die Schulzeiten von Primarklassen hinausgehen.

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