Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

VN / 06.02.2026 • 16:10 Uhr
Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Après-Ski der etwas anderen Art: Jeden Samstagabend spielt das “Goaßbock-Trio” – Martin Berchtold, Albert Hager, Luggi Dietrich (v. l.) – im adaptierten Goaßstall von Nazes Hus in Mellau für Gäste aus nah und fern auf. peter strauss

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Mellau Mit der legendären Tenne im Keller der Sonne machte sich Mellau 1971 zum Mekka des Wälder Nachtlebens. In Scharen pilgerten Jugendliche aus der Region und „vom Land“ in die Tenne. Nach fast 40 Jahren war Schluss, in der Sonne gingen 2008 die Lichter aus, das Hotel wurde samt Tenne abgerissen und im neuen Hotel war für den Diskotempel kein Platz. „Ersatz“ gab es nur kurzzeitig von 2006 bis 2016 im E-Werk in Andelsbuch.

Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Jan Svenson, Henje Hauschild und Michael Mojen (v. l.) unter dem imposanten Adler im “Foyer” von Nazes Hus: “Für heute ist’s genug, andere Gäste sollen auch noch ihren Spaß haben.”

Geplatzte Träume Wälderhalle

Als auch im E-Werk „ausgetrunken“ war, hatten Wälder Jugend und Eishockeyklub längst ein anderes Projekt ins Visier genommen: die Wälderhalle.Jahrelang wurde diskutiert und geplant – Ende 2025 platzte auch dieser Traum. Mit dem „Erfolg“, dass Eishockeyklub und Wälder Jugend endgültig mit leeren Händen – ohne Sportstätte und Freizeitlocation – dastanden.

Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Wenn Albert, Luggi und Martin “Im schönen Mellau…” anstimmen, dann bekommen ehemalige Tenne-Besucher feuchte Augen…

Tropfen auf den heißen Stein

Einer, dem das gar nicht passt, ist der Mellauer Schindeler Albert Hager, der seit einigen Jahren auch als Zimmervermieter und Gastronom erfolgreich ist: Er hat Mellaus ältestes Haus als Pension und Gasthaus – „Nazes Hus“, so benannt nach einem Vorbesitzer Ignaz „Naze“ Dietrich – adaptiert und jetzt durch eine originelle kombinierte Location ergänzt: Aus dem ehemaligen Stall wurde ein kleines Gastlokal – einzigartig mit Blick auf einen kleinen Ziegenstall hinter einer großen Glaswand.

Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Ein sensationelles Dokument einer Freundschaft: Auf den Tickets zum GP von Belgien tauschten Jos (Erath) & Jos (Meyens) 1984 Adressen aus. Die “Visitenkarte” ist vom vielen Gebrauch arg ramponiert.

Wohl wissend, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, die legendäre Après-Ski-Tradition von Mellau wieder aufleben zu lassen, aber „irgendwie muss man damit wieder anfangen…“, sagt’s und greift zur Gitarre. Rund drei Dutzend Sitzplätze gibt es in „Nazes Stall“, etwa noch einmal so viele Gäste drängen sich auf den Stehplätzen, wenn Albert Hager jeden Samstagabend mit seinen Kollegen Luggi Dietrich und Martin Berchtold als „Goaßbock-Trio“ zum Après-Ski aufspielt. Von „Im schönen Mellau“ über „Wenn wir erklimmen…“ bis „Eine neue Liebe“ schmettern die drei die ganze Palette von Evergreens in den Raum und die Gäste singen eifrig mit.

Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Nicht einmal dann, wenn Martin, Albert und Luggi Gebhard Wölfles “Schätzle, heandon Fiostorschibo” anstimmen, lassen sich die “Göaßle heandon Fiostorschibo” aus der Ruhe bringen. Waltraud und Willi Lang sowie Josef Erath und Stammgast Jos Meyens genießen den Après-Ski “voror Fiostorschibo”. PETER STRAUSS

Über die Formel 1 in den Wald

Einer, der dabei besonders „aktiv auffällt“, ist Jos Meyens aus Belgien, vor einem halben Jahrhundert erfolgreicher Motocrosser und u. a. belgischer Meister. Bereitwillig rückte man an seinem Tisch noch enger zusammen und bot Platz an – und dann erzählte er seine Geschichte: Eine motorsportbegeisterte Gruppe um seinen heutigen Quartiergeber Josef Erath war in ganz Europa unterwegs und 1984 zum Grand Prix nach Zolder gereist. Geld fürs Hotel – so Erath – hatte man nicht, also blieb als Alternative nur ein „Durchnacht“ in irgendeiner Bar. Dort lernten die Wälder Jos kennen. Man schloss Freundschaft, tauschte Adressen aus und hatte die Belgien-Reise fast vergessen, als Monate später in Bizau Besuch vor der Türe stand. „Es war mein erster Skiurlaub – auf Ski stand ich erstmals in Bizau, dort hat mir Manfred Kaufmann das Skifahren auch beigebracht“, lacht er und ergänzt: „Jetzt bin ich schon den 42. Winter hier und ich hoffe, dass noch viele dazukommen.“

Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Manchmal begleitet Leon Muth das Goaßbock-Trio auf seinem “Löffel-Schlagzeug”.

Im Sommer fahren die Wälder dann auf Gegenbesuch nach Belgien. „Zum Fischen in der Nordsee – das ist für sie wie für mich Skifahren im Bregenzerwald“, erklärt Jos lachend.

Inzwischen gibt es Bewegung am Nebentisch: Michael Mojen und Jan Svenson, bekennende HSV-Fans, die 1990 erstmals nach Mellau kamen und heute mit einer mehr als 20-köpfigen Gruppe hier urlauben, räumen das Feld für die „nächste Schicht“. „Für heute ist’s genug, wir wollen ja morgen wieder fit auf die Piste – und andere sollen doch hier auch noch zu ihrem Spaß kommen“, machen sie Platz.“ STP

Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Nachfragen erübrigen sich – diese Gäste deklarieren ihre Herkunft unübersehbar…

Après-Ski im Goaßstall von Nazes Hus

Die Nachfrage ist enorm – und die Gäste nehmen gerne auch Stehplätze in Kauf, um die spezielle Atmosphäre im Goaßstall von Nazes Hus in Mellau erleben zu dürfen.