Mit Motor durch den Schnee: E-Skimo bringt E-Tourenski auf den Markt

Elektrische Tourenski sind keine Zukunftsvision mehr. E-Skimo entwickelt Ski mit Motor und Antriebsband
San Bernardino ist kein Ort für große Worte. Schnee, Wald, Passstraße. Und mittendrin ein unscheinbares “Labor”, in dem an der Zukunft des Skitouren-gehens gearbeitet wird. Hier entwickelt E-Skimo jene elektrischen Tourenski, die seit dem vergangenen Winter erstmals ausgeliefert werden.
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„Hier ist unsere Fabrik“, sagt Henri Cardinal-Pilote, Lead Product Engineer bei E-Skimo, und öffnet die Tür zur Werkstatt. Kartons mit Motoren, Bindungen und Akkus stapeln sich an den Wänden. In der Mitte stehen Montagetische. Vier Leute bauen hier Ski – Stück für Stück, meist erst dann, wenn eine Bestellung eingeht. Just-in-Time-Produktion, mitten in den Alpen.


Vom schweren Prototyp zur Serienreife
Der Weg bis hierhin war lang. Sehr lang. „Die Firma gibt es seit vier Jahren. Wir hatten mehrere Prototypen – manche davon waren extrem schwer“, erzählt Cardinal-Pilote. Frühere Versionen arbeiteten mit durchgehenden Ketten am Ski. Das Problem: Der Ski verlor an Elastizität, die Effizienz war gering.

Schritt für Schritt wurde das System kompakter. Die Länge des Kettenbetts schrumpfte, Materialien wurden ausgetauscht, das Innenleben neu gedacht. „Es war irgendwann keine Frage mehr, ob es funktioniert, sondern ob wir rechtzeitig für eine Saison fertig werden“, sagt der Ingenieur.
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Mitte des Jahres startete die Produktion der aktuellen Version. Die ersten Paare wurden zu Weihnachten ausgeliefert. Die Ski, die nun für den Winter 2025/26 vorgesehen sind, gelten intern als erste wirklich ausgereifte Generation.
Wie der E-Ski funktioniert
Schon auf den ersten Blick ist klar: Das ist ein Tourenski – aber ein massiver. Motor und Batterie sind offen sichtbar, der Ski wirkt schwer und ist es auch: Rund sieben Kilogramm pro Ski bringt das System auf die Waage. Dieses Gewicht spürt man beim Gehen deutlich. Statt eines klassischen Schritt-für-Schritt-Laufstils braucht es einen völlig anderen Bewegungsablauf: Man zieht den Ski nach vorne, lässt ihn flach am Boden und überlässt Motor und Antriebsband die Arbeit. Nur so bekommt das System Grip im Schnee.

Im Aufstieg unterstützt der Ski den Fahrer in mehreren Assistenzstufen. Bis zu 1.000 Höhenmeter, 10 bis 15 Kilometer oder drei bis vier Stunden sind mit einer Akkuladung möglich. Gesteuert wird das System über einen speziellen Skistecken, den ,,Power Pole.”
Mehr Menschen in die Berge – mit Kontrolle
Die Idee hinter E-Skimo ist größer als Technik. „Skitouren ist faszinierend, aber extrem fordernd“, sagt Cardinal-Pilote. Er erzählt von Touren mit seinen Eltern, die körperlich nicht mehr mithalten konnten. „Beim Radfahren gibt es E-Bikes – im Skisport gab es diese Möglichkeit lange nicht.“
Um einer Selbstüberschätzung entgegenzuwirken, setzt E-Skimo auf GPS-basierte Karten in jedem Ski. Auf Wunsch kann das System so eingestellt werden, dass der Motor als lawinengefährlich eingestuften Zonen automatisch deaktiviert wird. Der Ski bleibt nutzbar – aber nur noch ohne Unterstützung.
„Wir können den Ski kontrollieren. Das ist der große Unterschied“, sagt Cardinal-Pilote. Verantwortung und Ausbildung bleiben dennoch entscheidend. „Wie beim normalen Skitourengehen auch.“
Ein Ski für Distanz, nicht für Steilhang
Auch der Wechsel vom Touren- in den Abfahrtsmodus ist Arbeit. Mit Übung wird man schneller, dennoch bedeutet es: Motoren und Felle verstauen, Batterien sichern – und plötzlich ist der Rucksack schwer. Zwei Batterien, zwei Motoren, dazu Felle, Trinkflasche, Snacks und Wechselkleidung – alles, was man auf einer Skitour ohnehin dabei hat.

Dass viele Kunden aus Norwegen und Schweden kommen, überrascht daher nicht: Dort spielt sich Skitourengehen oft in flachem, weitläufigem Gelände ab. Rund 60 Käufer hat E-Skimo mittlerweile. Angeboten werden zwei Modelle: eines für klassische Skitourenschuhe – wie jenes, das wir getestet haben – und ein zweites für große Winterboots. Bei diesem steigt man einfach ein, fixiert den Fuß mit einem Band und kann loslaufen, ganz ohne spezielle Skischuhe.