“Kaum Schnee, das tut im Herzen weh” – Ehemaliger Liftwart kennt das Silbertal anders

Walter Mangeng erinnert sich an den vielen Schnee der 90er Jahre, eine große Katastrophe und eine Gefahr, die es so heute nicht mehr geben würde.
Darum geht’s:
- Walter Mangeng vermisst den vielen Schnee im Silbertal.
- Ausstattung veränderte sich stark.
- Gefährliche Lawinen und Heizmethode.
Schruns „Dass es nur mehr wenig Schnee gibt, macht mich traurig“, sagt Walter Mangeng (66). „Es fühlt sich weniger wie zu Hause an.“ Der gebürtige Silbertaler war ab 1989 über 20 Jahre lang Liftwart am Kristberg im Montafon. Im Laufe dieser Zeit hätte sich das Klima stark verändert. Genauso wie die technische Ausstattung: Schneekanonen kamen plötzlich zum Einsatz und es wurde eine weniger gefährliche Art zu heizen gefunden.

Früher war anders
Mangeng, der heute im Pflegeheim St. Josef in Schruns lebt, wohnte früher nur fünf Gehminuten von seiner Liftwarthütte entfernt. „Es war toll.“ Er arbeitete am größeren Sattellift, wo er den Kindern die Schleppbügel gab und den Lift anhielt, falls jemand hinfiel. Außerdem musste er viel Schneeschaufeln.


„Zwar gab es auch früher schneearme Phasen, insgesamt fiel jedoch deutlich mehr Schnee – manchmal über zwei Meter.” Mangeng erinnert sich, dass das Fenster der kleinen Liftwarthütte so zugefroren war, dass man nicht mehr hinaussehen konnte. Denn damals wurde noch mit Gas geheizt. „Wenn man sich eine Zigarette angezündet hätte, wäre die Hütte in die Luft gegangen. Heute ist das unvorstellbar.“ Später wechselte man zu einer Elektroheizung. Auch die Lifte wurden mit der Zeit modernisiert oder komplett erneuert.

Für Mangeng ist die Klimaveränderung der letzten Jahrzehnte klar spürbar. „Es wurde immer wärmer. Die Sonne ist viel stärker heutzutage.“ Hoffnung, dass es wieder kälter wird, hat er keine.
Schöne und schlimme Erinnerungen
Das Schönste an Mangengs Arbeit waren für ihn die Menschen und das Plaudern mit ihnen. „Manche Besucher kamen über Jahre hinweg und kannten mich schon.“ Doch es gab auch beängstigende Momente: 1999 ereignete sich in der Tiroler Gemeinde Galtür eines der größten Lawinenunglücke Österreichs. Aufgrund extremer Schneefälle und allgemein vieler Lawinen wird diese Zeit gern als „Lawinenwinter“ bezeichnet. „Nach dem Vorfall in Galtür schaute ich bei der Arbeit eine Woche lang ständig auf die Berge, weil ich Angst hatte, dass auch bei uns etwas passieren könnte“, erzählt Mangeng.

Im Sommer arbeitete er bei der Firma Jäger Bau. Doch als er im Jahr 2009 einen Gokart-Unfall hatte und ein Jahr später noch immer an den Folgen litt, war er auf die Invalidenpension angewiesen. „Ich kann bis jetzt nur auf der Seite liegen und schlafen.“

Wenn er nicht gerade Krippen baut, fährt Mangeng noch immer ab und zu auf den Kristberg, um alte Bekannte und die jetzigen Liftwarte zu besuchen. Dabei kommen immer schöne Erinnerungen in ihm hoch: der viele Schnee, die freundlichen Besucher und das Skifahren an seinen freien Tagen.