„Mehr Steuern für Überreiche“ – Millionenerbin Marlene Engelhorn in Vorarlberg

Die Aktivistin hat 25 Millionen Euro an die Gesellschaft rückverteilt – doch jeder Einzelne könnte und sollte etwas tun.
Zwischenwasser „Überreiche sollten stärker besteuert werden“ – ein Satz, den man niemals aus dem Mund einer überreichen Person hören würde, denken viele. Die Wienerin Marlene Engelhorn beweist das Gegenteil. Sie hat 25 Millionen Euro an die Gesellschaft rückverteilt und sprach darüber am Dienstag bei einem Vortrag im Bildungshaus Batschuns. „Eine gerechtere Vermögensverteilung würde Ungleichheit reduzieren und den Wohlstand aller fördern“, sagt die 33-Jährige.

Geld rückverteilen
Die Millionenerbin hinterfragt die Geschichte ihres Vermögens, aber auch die mit Geld einhergehenden Privilegien. „Das sind Vorrechte, die Ungleichheit in der Gesellschaft schaffen.“
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Geld bedeute einflussgebende Macht, aber auch potenzielle Gewalt, mit der man die Realität fremder Menschen bestimmen kann. Somit seien Überreichtum und seine dynastische Weitergabe in vielerlei Hinsicht unsozial. Diese Einstellung bewegte Engelhorn im Jahr 2021 dazu, Mitgründerin der Initiative taxmenow (deutsch: Besteuert mich jetzt) zu werden. Diese setzt sich für die Wiedereinführung einer Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungsteuer ein.

Im Jahr 2024 gab die Autorin mit dem „Guten Rat für Rückverteilung“ 25 Millionen Euro an die Gesellschaft ab. 50 Österreicher berieten sich in Form eines Bürgerrates über die Verwendung des Geldes. Am Ende wurden 77 Initiativen ausgewählt.

Nach eigenen Angaben ist Engelhorns Vermögen heute nahezu vollständig rückverteilt, abgesehen von einem Rest für ihren Lebensunterhalt und ihr aktivistisches Engagement. Neben der Steuer- und Verteilungsgerechtigkeit setzt sie sich für Themen wie Klima und ein freies Palästina ein, weshalb sie teilweise aber auch in der Kritik steht: zum Beispiel als sie die „Global Sumud Flotilla“ unterstützte – eine Segelflotte, an der auch Greta Thunberg beteiligt war und mit der im vergangenen Jahr versucht wurde, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Darüber hinaus betreibt Engelhorn Öffentlichkeitsarbeit, wirkt am Theaterstück „Geld ist Klasse“ mit und ist Co-Host des Podcasts „Hinter den Millionen“.
Strukturen ändern
Das reichste Prozent der Haushalte in Österreich verfügt laut Österreichischer Nationalbank zwischen 25,7 und 47,5 Prozent des gesamten Nettovermögens. Da sich Überreichtum mit normalen Statistikmethoden nur schwer erfassen lässt, ist der wahre Wert unbekannt. Doch die verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass er näher an den rund 50 Prozent liege. „Das Abschaffen von Armut hängt mit dem Abschaffen von Reichtum zusammen“, sagt Engelhorn. Für sie wäre es wichtig, das Machtgefälle zu reduzieren.

Philanthropie sei dabei keine Lösung, da sie nur eine Symptombehandlung sei. Zum Beispiel müsste das Ziel von Sozialeinrichtungen wie der Caritas darin bestehen, sich überflüssig zu machen. Es sollte darum gehen, ein gerechtes System zu schaffen, das niemanden bevorzugt. Utopisch? „Nur weil es schwierig ist, heißt es nicht, dass man sich nicht dafür einsetzen sollte.“

Während es eine Armutsgrenze gibt, sollte es laut der Aktivistin auch eine Reichtumsobergrenze geben. Wie bei der Besteuerung nennt sie hierbei keine Zahlen – das sei Aufgabe von Experten. Ihr geht es darum, Diskurse und Dialoge zu fördern. Denn für eine Umstrukturierung brauche es die Gesellschaft, die so viel wie möglich politisch mitwirkt, etwa durch Demonstrationen und Bürgerräte. Aber schon das Sprechen über Geld mit Freunden und der Familie bringe wichtige Impulse.
„Unser System mag nicht perfekt sein, aber wenigstens können wir mitbestimmen und müssen nicht nur zusehen, wie Überreiche den Planeten zerstören und sich an Krieg und Ausbeutung bereichern.“
