Pfefferspray-Kurs in Lustenau: “Je öfter man übt, desto schneller kann man handeln”

Sicherer Umgang mit Pfefferspray: Kurs stärkt Frauen im Ernstfall.
Lustenau Was tun, wenn eine Frau angegriffen wird und in eine Notsituation gerät? Kürzlich lud die Frauenberatungsstelle femail in Lustenau zu einem Pfefferspray-Kurs ein. Ziel war es, den richtigen Umgang mit dem Abwehrspray zu erlernen und zu klären, wann dessen Einsatz erlaubt ist. Die Teilnehmerinnen folgten aufmerksam den Ausführungen der Kursleiterin Eva Kathrein, stellten Fragen und konnten den Einsatz des Sprays in simulierten Gefahrensituationen selbst üben. Für die Übungen brachte Kathrein Sprays mit, die mit Wasser gefüllt waren. Am Ende des Abends fühlten sich alle sicherer im Umgang mit dem Pfefferspray.

Gefahren frühzeitig erkennen
Zu Beginn des Kurses führte Eva Kathrein ein Reaktionsspiel mit den Frauen durch. “Gefahrensituationen sind oft komplex – da muss man schnell überlegen und handeln”, erklärte sie. Die beste Option sei immer, zu fliehen, um Verletzungen zu vermeiden. Gefährlich werde es, wenn man vor Schreck erstarrt und nicht mehr wegrennen kann. “Was mache ich, wenn mich jemand festhält und mir etwas antun möchte?”, fragte Kathrein in die Runde. Ihre Antwort: Befreien, laut sprechen, schreien, sich in Sicherheit bringen und andere um Hilfe bitten. Erst wenn keine Hilfe möglich ist und ein Angriff unmittelbar bevorsteht, sei der Einsatz von Pfefferspray angebracht, um Zeit zur Flucht zu gewinnen.

“Dabei ist es wichtig, mit beiden Händen ins Gesicht des Angreifers zu zielen und sich dabei zu bewegen, denn der Täter kommt meist direkt auf einen zu”, betonte sie. Gewalt dürfe nur angewendet werden, wenn keine andere Möglichkeit mehr besteht. Pfefferspray sei dabei das mildeste Mittel, das niemanden dauerhaft verletze.

Rechtliche Grundlagen
Im Kurs wurde auch auf die gesetzlichen Bestimmungen eingegangen. “Denkt daran, dass Pfefferspray als Waffe gilt und erst ab 18 Jahren verwendet werden darf”, so Kathrein. Es gibt verschiedene Modelle: Flüssigstrahl-, Gel- und Nebelsprays, die Kosten belaufen sich auf 15 bis 25 Euro. “Das Flüssigstrahlspray hat eine Reichweite von bis zu sieben Metern, die anderen Typen erreichen zwei bis vier Meter”, erklärte sie. Wichtig sei es, nach dem Kauf regelmäßig zu üben, wie schnell das Spray griffbereit ist und korrekt eingesetzt werden kann. Das Spray kann zudem ablaufen, ein Hinweis, der wichtig ist.

Dem Bauchgefühl vertrauen
“Ich habe immer ein Bauchgefühl, wenn mir eine Situation nicht geheuer ist”, berichtete Kathrein. In solchen Momenten solle das Pfefferspray bereits griffbereit sein. Sie empfiehlt, regelmäßig an Pfefferspray- oder Selbstverteidigungskursen teilzunehmen. “Je öfter man übt, desto schneller kann man handeln und verfällt nicht in Schockstarre.” Es reiche nicht, lediglich einen Spray zu besitzen, warnte sie: “Sonst wiegt man sich in falscher Sicherheit.”

Eine Teilnehmerin erzählte, sie habe ihren Spray bisher zu Hause aufbewahrt, wisse nun aber, wie wichtig es sei, diesen griffbereit zu haben. Saadet Yildirim (50) aus Feldkirch erklärte, sie hätte sich vor dem Kurs kein Pfefferspray zugelegt, da sie sich nicht getraut hätte, ihn einzusetzen. Nach dem praktischen Training fühle sie sich nun sicherer.

Kathrein appellierte abschließend: “Wenn ihr beobachtet, dass jemand in eine Notsituation gerät, schaut nicht weg und helft. Wegschauen ist strafbar.” Am Ende des Abends zeigten sich die Teilnehmerinnen gestärkt und selbstbewusster im Umgang mit dem Pfefferspray. Bereits am 12. Mai bietet femail in Kooperation mit Eva Kathrein einen weiteren Selbstverteidigungskurs an. Anmeldungen sind ab sofort bei femail Lustenau möglich. BVS



