„Für alle erlebbar machen“: Alpenverein Montafon öffnet Bergwelt für Menschen mit Beeinträchtigung

Der Alpenverein Montafon bietet gemeinsam mit Special Olympics Vorarlberg Wanderungen für Menschen mit Beeinträchtigung an. Sechs bis sieben Aktivitäten pro Jahr sind geplant.
Montafon Beeinträchtigten Menschen bleibt die Bergwelt oftmals verwehrt. Das möchte Stefan Wiech, Obmann des Alpenvereins Montafon, gerne ändern. Gemeinsam mit Special Olympics Vorarlberg will er auch für beeinträchtigte Menschen Touren in den Bergen anbieten. „Wir wollen ein Programm machen, das nicht nur für fitte Menschen, sondern für alle erlebbar ist“, so Stefan Wiech, der mittlerweile auch Vorstandsmitglied von Special Olympics Vorarlberg ist.

Beatrice Amann-Büchel, Geschäftsführerin von Special Olympics Vorarlberg, war von der Kooperation direkt angetan. „Aktuell bieten wir 15 Sportarten an, eine davon ist Nordic Walking“, berichtet sie. Unter dieser Sportart werden zurzeit die Touren angeboten, aber es sei nicht ausgeschlossen, dass es bald sogar eine eigene Bergwandergruppe geben wird. Beatrice Amann-Büchel freut sich, das Angebot dank Stefan Wiech erweitern zu können. „Für viele Athleten ist es das erste Mal, dass sie in höhere Lagen kommen. Sie haben sonst keine Möglichkeit, in die Berge zu gehen, da sie immer an Personen gebunden sind, die sie mitnehmen“, sagt Beatrice Amann-Büchel.
Die erste Tour führte im Jänner mit fünf Teilnehmern über acht Kilometer an der Ill entlang. Stefan Wiech schwärmt: „Sie kamen auf mich zu und hatten keine Barriere im Kopf, so wie wir. Sie nehmen einem die Barriere. Wir hatten eine Jause dabei und haben alles gemacht, was man eben macht, wenn man unterwegs ist.“

Im März ist die nächste Tour geplant
Sechs bis sieben Aktivitäten im Jahr sollen für Menschen mit Beeinträchtigung angeboten werden. Die nächste Tour ist für den März geplant und bereits auf der Homepage ausgeschrieben. Geplant ist eine Wanderung vom Gasthaus Mühle in Innerberg bis zum Panoramagasthaus Kristberg – je nach Schneelage. „Es kann kommen, wer will“, betont Beatrice Amann-Büchel, dass es sich hierbei um ein inklusives Programm handelt und sich deshalb auch nicht beeinträchtigte Menschen daran beteiligen können.

Die Menschen bei Special Olympics Vorarlberg sind zumeist geistig beeinträchtigt, dennoch sind manche von ihnen auch auf einen Rollstuhl angewiesen. Stefan Wiech achtet deshalb darauf, dass die Wege barrierefrei sind, kann sich aber genauso gut vorstellen, auch einmal zur Tübinger Hütte oder zur Tilisunaalpe zu wandern – eine Sonderfahrgenehmigung ins Ganera- bzw. Gampadelstal vorausgesetzt.

Hütten sind oftmals nicht barrierefrei
Doch nicht nur die Wege müssen barrierefrei sein, sondern auch die Hütten – und das ist die größere Herausforderung. In der Wormser Hütte hätten „die Rollstuhlfahrer keine Chance, auf die Toilette zu kommen“, erkennt Stefan Wiech die Problematik, die die allermeisten Hütten betrifft. Selbst wenn die Toilette ebenerdig ist, ist sie meistens so eng, dass ein Rollstuhlfahrer nicht durch die Türen gelangt, geschweige denn sich dort umdrehen kann. Dabei wäre der Weg von der Grasjochbahn bis zur Wormser Hütte sogar barrierefrei.

Für manche sei es eine riesige Herausforderung, überhaupt zum Ausgangspunkt der Wanderung zu kommen, „weil die Strukturen durchbrochen werden“, sagt Wiech. Deshalb werden die Teilnehmer, die von außerhalb des Montafons kommen, mit einem Kleinbus abgeholt. Eine Betreuung der maximal acht Teilnehmer sei unumgänglich, sagt Stefan Wiech. Die Betreuer werden von Special Olympics Vorarlberg gestellt. Um an der Tour teilzunehmen, muss man weder Mitglied im Alpenverein noch bei Special Olympics Vorarlberg sein. Versichert ist man für diesen Tag trotzdem, falls etwas passieren sollte.

Weitere Inklusionsprojekte sind in Planung. So sollen Mitfahrbänkle im Montafon aufgestellt werden, die die Menschen mit Beeinträchtigung aktiv mitgestalten können. Mit einer Montafoner Gemeinde steht Stefan Wiech bereits im engeren Kontakt. Der Alpenverein Montafon wolle weitere Ideen entwickeln und diese sukzessive umsetzen. „Der Alpenverein Montafon ist der einzige Bezirk in Vorarlberg, der ein Inklusionsprogramm hat“, so Wiech.