Jugendliches Feuer am Ölrain

Quarta einviertel begeisterte in der Evangelischen Kirche Bregenz.
Bregenz Von Sonntag bis Mittwoch haben sie geprobt, die Musikerinnen und Musiker aus vier Ländern, die der Dirigent Christoph Eberle seit nunmehr 10 Jahren in intensiver Detailarbeit zum Ensemble der Quarta Jugendphilharmonie zusammenschmiedet. Diesmal standen die rund 20 Streicher im Mittelpunkt, drum die Bezeichnung Quarta einviertel. Das Programm versprach absolute Wohlfühlliteratur: Edvard Griegs spätromantische Suite „Aus Holbergs Zeit“ und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, ein Straßenfeger der Barockmusik. Die evangelische Kirche in Bregenz war bis zum letzten Platz gefüllt, als am Donnerstag das erste von vier geplanten Konzerten über die Bühne ging. Man spürte förmlich die freudige Erwartung auf dieses jugendliche Ensemble, das mit vollem Einsatz und voller Freude und auf hohem technischem Niveau spielt. Grieg mit seiner Holberg-Suite machte den Anfang. Mit kraftvoll punktierten Rhythmen startete das Präludium, mit feinen Linien in den ersten Geigen und klangvollen Pizzicati in den Celli. Eberle legte Wert auf einen satten, warmen Klang, weniger auf Durchsichtigkeit. Hochromantisch klang die langsame Sarabande; hier glänzten die Cellisten durch ihre schwelgerische Tongebung. Die kraftvoll musizierte Gavotte erinnerte weniger an einen höfischen als an einen Bauerntanz. Besonders schön gelang das Air mit schmelzend-melancholischem Klang. Es ist bewundernswert, wie in so kurzer Probenzeit ein so homogenes Ensemble entstehen kann. Eberle dirigierte deutlich, mit disziplinierten Gesten, nie überschwänglich. Im Rigaudon brillierten dann die Konzertmeisterin Susanne Isenberg und der Solobratschist Ali Delangiz in den überbordend fröhlichen virtuosen Passagen.

Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ kannte wahrscheinlich jeder im Publikum. Trotzdem gelang Quarta einviertel eine frische, mitreißende Interpretation, die gar nichts von Routine hatte. Jedes der vier Violinkonzerte mit jeweils anderen Solisten war ein charakteristischer Kosmos für sich mit perfektem Zusammenspiel von Solisten und Orchester. Selbst Liebhaberinnen von Interpretationen auf historischen Instrumenten (wie die Rezensentin) wurden nicht enttäuscht. Im „Frühling“ zeigte Hanna Kaufmann, Masterstudentin in Wien, von den beginnenden Trillern an einen sehr schönen Ton mit wenig, gezielt dosiertem Vibrato und differenzierter Gestaltung. Im „Sommer“ mit seinen Gewitterszenen konnte sich Yashar Noroozi, Masterschüler von Rudens Turku an der Stella-Musikhochschule, effektvoll in Szene setzen, mit expressiver Gestaltung der exzentrischen Melodie im 2. Satz und Finger- und Bogenakrobatik in den schnellen Passagen. Klara Egger, Bachelor-Studentin in Wien, verlieh dem „Herbst“ mit blitzsauberen Doppelgriffen und perlenden Läufen eine sprechende Interpretation, geradezu entrückt im geheimnisvollen Moll-Adagio und bäuerlich-stampfend im Dialog mit dem Solo-Cello (exzellent Kilian Erhart). Ein Höhepunkt war der „Winter“ in der Interpretation durch Carla Sophie Aichinger, die Konzertfach Violine in Wien studiert, von den temperamentvollen Phrasen über dem eisigen Klirren des Orchesters im 1. Satz an über die zauberische Melodie im Dur-Largo mit der Regentropfen-Begleitung bis zu den plastischen Schlittschuhläuferfiguren im Schlusssatz. In der Zugabe vereinten sich die Solisten im 1. Satz aus Vivaldis Konzert für vier Violinen in a-Moll. Ein umjubeltes Konzert, das man am 14. 2. in Hohenems oder am 15. in Schwarzenberg nicht versäumen sollte.
Ulrike Längle