Wieborfasnat im Vorarlberger Rheinland

Luterachar Schollesteacherinnen haben importierten Brauch “alemannisiert”.
Lauterach “So geht das noch mindestens fünf Stunden”, stöhnt ein schon reichlich gestresster Bürgermeister Elmar Rhomberg an der Theke im kleinen Hofsteigsaal. Er “genießt” das zweifelhafte Privileg, die Location heute betreten zu dürfen: Er “darf” mit einigen Kollegen zum Auftakt der Hochfasnat geballte Frauenpower bedienen, denn am Gumpigen Donnerstag werden nicht nur Braten gestohlen, nach dem Vorbild rheinländischer Närrinnen übernehmen auch in Lauterach die Wiebor die Macht.

Geht gerade noch durch
Als die Schollesteacherinnen vor vielen Jahren die Idee hatten, den Närrinnen im Rheinland nachzueifern, stellte es den Gralshütern der “reinen alemannischen Fasnat” zwar im ersten Augenblick die Nackenhaare auf, inzwischen haben sie sich mit dem Stilbruch der Schollesteacherinnen aber längst arrangiert, zumal Wieborfasnat auf Luteracharisch doch ein wenig anders gefeiert wird und deshalb für sie “gerade noch durchgeht”. Genau genommen ist die Wieborfasnat nach Ansicht der Historiker längst Teil der schwäbisch-alemannischen Fastnacht – sogar in der Schweiz, wo in manchen Regionen die Meitli-Zyt sogar drei Tage lang gefeiert wird.

Lauterach beschränkt es auf den Gumpigen Donnerstag und feiert Wieborfasnat light: Da ist nichts mit “weiblicher Arbeitsniederlegung” um 11 Uhr elf, wie das im Rheinland Brauch ist, nichts mit durch Straßen und Kneipen ziehen und schon gar nichts mit hemmungslosem Krawattenabschneiden.

Dafür kommen Närrinnen aus nah und fern nach Lauterach, um den Auftakt des Fasnatfinales zu feiern, denn ab dem Gumpigen Donnerstag geht es dann Schlag auf Schlag – Bratenstehlen, Anschmieren und dann vier Tage lang Umzüge im ganzen Land.

Einfach unter sich sein
An diesem Gumpigen Donnerstag wollen die Schollesteacher-Närrinnen einfach für ein paar Stunden unter sich sein, ausgelassen feiern und sich – und das setzt der Luterachar Wieborfasnat die Krone auf – von den Herren der Schöpfung bedienen lassen. Und so reichen der Bürgi und seine Mannschaft fleißig coole Drinks und Snacks für den kleinen Hunger zwischendurch über die Theke und sind bemüht, dass es ihren Gästen an nichts fehlt.

Nur kurz verschaffen ihm seine blau adjustierten Rathausmitarbeiterinnen eine Verschnaufpause – Erinnerungsfoto ist angesagt und das gibt dem Gemeindechef Gelegenheit, erstaunt zu fragen, wie denn ich es geschafft hätte, hier reinzukommen. Bevor das Geheimnis gelüftet werden kann, ist Elmar Rhomberg schon wieder an der Theke gefordert – eine ganze Bande von “Aperölchen” wartet auf Nachschub.

Noch ein paar Ausnahmen
Nicht nur das ausschließlich männliche Servicepersonal ist an diesem Abend “ausnahmsweise zugelassen”, auch die Band, die Partyjäger, wurden eingelassen. Und dann sind da noch die Luterachar Schalmeien, die krachend einmarschieren und ein kurzes Gastspiel geben.
Der ganze Saal ist Polonaise
Die Schalmeien haben offenbar inspiriert, denn die Partyjäger knüpfen nahtlos an: “They call me the wanderer – Yeah, the wanderer – I roam around, around, around.. .” Unglaublich, wie aktuell der Song immer noch ist, dabei stammt er aus dem Jahre 1961, ist also stolze 65 Jahre alt. Und wie die Partyjäger schon so schön für Bewegung im Publikum gesorgt haben, nehmen sie den Schwung gleich mit und setzen mit entsprechenden marschtauglichen Nummern fort – und dann ist mit einem Schlag der ganze Saal nur noch Polonaise.
Während die Mäschgerle ihre Runden drehen, atmet das Servicepersonal kurz durch, ist dankbar für die Verschnaufpause, denn der Abend geht noch lang. STP





































