Zwischen Modellen und Menschlichkeit

VN / 16.02.2026 • 15:00 Uhr
Mathematik hat Julian Jenny immer schon begeistert – er liebt es, komplexe Dinge auf den Punkt zu bringen. @privat
Mathematik hat Julian Jenny immer schon begeistert – er liebt es, komplexe Dinge auf den Punkt zu bringen. privat

Julian Jenny studiert Finanz- und Wirtschaftsmathematik und denkt weit über Zahlen hinaus.

Dornbirn Wer denkt, Mathe hat nur mit Zahlen zu tun, wird von Julian Jenny eines Besseren belehrt. Der 22-Jährige studiert an der TU Wien im fünften Semester Finanz- und Wirtschaftsmathematik und sagt: „Tatsächlich dreht es sich im Studium weniger um Zahlen, als viele glauben – oft geht es eher um Konzepte, Modelle und sauberes Denken.“

„Für mich ist Mathematik nicht nur Theorie, sondern eine Sprache, mit der man die Welt präziser beschreiben kann.“

Julian Jenny, Student

Genau diese Art des Denkens fasziniert den gebürtigen Vorarlberger. Sein vergleichsweise wenig bekanntes Studium ist ein Mathematikstudium mit starkem Praxisbezug: Risiken werden analysiert, Wahrscheinlichkeiten bewertet und finanzielle Entwicklungen modelliert. „Es geht nicht nur um reines Rechnen, sondern darum, reale Probleme in ein Modell zu übersetzen und daraus fundierte Aussagen treffen zu können“, erklärt Jenny.

Julian Jenny (Mitte) lernt gerne gemeinsam mit seinen Studienkollegen. @ Matthias Heisler
Julian Jenny (Mitte) lernt gerne gemeinsam mit seinen Studienkollegen. Matthias Heisler

Offen und zielorientiert

Als Mensch beschreibt sich Jenny als zielorientiert. „Meine Motivation ziehe ich vor allem daraus, dass ich den Sinn und das Ziel einer Aufgabe verstehe“, sagt er. Hat er diese einmal verinnerlicht, arbeite er strukturiert, bleibe ausdauernd dran und übernehme Verantwortung. Gleichzeitig sei ihm wichtig, offen zu bleiben: „Ich mag Gespräche, bei denen man neue Blickwinkel kennenlernt – und am Ende soll man nicht nur funktionieren, sondern auch menschlich bleiben.“

Mit dem Studium der Finanz- und Wirtschaftsmathematik an der TU Wien hat Julian Jenny (links) für sich den passenden Weg gefunden. @ Matthias Heisler
Mit dem Studium der Finanz- und Wirtschaftsmathematik an der TU Wien hat Julian Jenny (links) für sich den passenden Weg gefunden. Matthias Heisler

Julian Jenny wollte immer schon Mathematik studieren. „Mich begeistert, dass Mathematik Klarheit schafft: Man kann komplexe Dinge auf den Punkt bringen – und Mathematik ist universell. Egal ob in der Physik, Informatik, im Finanz- und Versicherungswesen oder in der Statistik – sie liefert Werkzeuge, um reale Probleme zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen.“ Nachdem er sich mit verschiedenen Studiengängen auseinandergesetzt hatte, fiel die Entscheidung für die TU Wien recht schnell. „Mich haben der praxisnahe Zugang und die klare Anwendungsorientierung überzeugt. Rückblickend war das genau die richtige Wahl – ich habe die Entscheidung keine Sekunde bereut.“

Julian Jenny mit Nobelpreisträger Anton Zeilinger, den er im Rahmen eines Seminars der Studienstiftung getroffen hat. @privat
Julian Jenny mit Nobelpreisträger Anton Zeilinger, den er im Rahmen eines Seminars der Studienstiftung getroffen hat. privat

Berufliche Möglichkeiten

Beruflich sieht sich Jenny vor allem im aktuariellen Bereich oder im Risikomanagement. Als außerordentliches Mitglied der Aktuarsvereinigung kann er bereits während des Studiums Kontakte knüpfen. „Der Austausch mit Leuten aus der Praxis ist extrem wertvoll. Es ist eine Art Brücke zwischen Studium und Beruf.“ Künstliche Intelligenz bereitet ihm dabei keine Sorgen: „Modelle müssen nachvollziehbar und begründbar sein. KI kann unterstützen, aber die Verantwortung kann sie nicht übernehmen.“

Julian in der Hofburg bei der Verabschiedung der Auslandsdiener durch den Bundespräsidenten. @privat
Julian in der Hofburg bei der Verabschiedung der Auslandsdiener durch den Bundespräsidenten. privat

Neben dem Studium unterrichtet Jenny als Übungsleiter Mathematik für Informatikstudierende. „Wenn jemand plötzlich diesen Aha-Moment hat, ist das extrem motivierend“, sagt er. Zudem wird er von der Österreichischen Studienstiftung ideell gefördert. Besonders schätzt er dabei den interdisziplinären Austausch: „Man lernt Menschen aus ganz anderen Fachrichtungen kennen und bekommt neue Perspektiven.“

Der zukünftige Finanzexperte mit dem Charging Bull bei der New Yorker Börse am Eingang der Wall Street. @privat
Der zukünftige Finanzexperte mit dem Charging Bull bei der New Yorker Börse am Eingang der Wall Street. privat

Wertvolle Erfahrung

Prägend war auch sein Gedenkdienst bei der Azrieli Foundation in Toronto/Kanada. Die Arbeit mit Holocaust-Überlebenden habe ihm ein starkes Verantwortungsbewusstsein vermittelt. „Diese Geschichten lassen einen die eigene Realität anders wahrnehmen“, sagt Jenny. „Wir als junge Generation müssen die Verantwortung übernehmen, die Vergangenheit lebendig zu halten.

In seiner Freizeit spielt Julian Jenny Tennis – gerne auch mit Studienkollegen. @privat
In seiner Freizeit spielt Julian Jenny Tennis – gerne auch mit Studienkollegen. privat

Ausgleich findet der Student beim Tennis, in der Natur oder im Austausch mit anderen Studierenden – etwa bei Veranstaltungen der Studienstiftung. Und auch Vorarlberg bleibt für ihn präsent: „Es ist meine Heimat. Ich kann mir gut vorstellen zurückzukehren – vielleicht nicht sofort, aber mittelfristig.“ LCF

Zur Person

Julian Jenny

Geboren 2003

Wohnort Wien, Dornbirn

Studium Matura am BG Dornbirn, Finanz- und Versicherungsmathematik an der TU Wien (5. Semester)

Hobbys Tennis, Wandern, Schwimmen

Lebensmotto Neugierig bleiben, Verantwortung übernehmen.

Ausgleich findet Julian unter anderem beim Tennisspielen. @privat
Ausgleich findet Julian unter anderem beim Tennisspielen. privat
Während seines Gedenkdienstes bei der Azrieli Foundation mit dem Holocaustüberlebenden Pinchas Gutter (Mitte). @privat
Während seines Gedenkdienstes bei der Azrieli Foundation mit dem Holocaustüberlebenden Pinchas Gutter (Mitte). privat
Julian Jenny mit Judy Cohen (Aktivistin), Jody Spiegel, Direktorin des Holocaust Survivor Memoirs Program bei der Azrieli Foundation und Dara vom Toronto Holocaust Museum. @privat
Julian Jenny mit Judy Cohen (Aktivistin), Jody Spiegel, Direktorin des Holocaust Survivor Memoirs Program bei der Azrieli Foundation und Dara vom Toronto Holocaust Museum. privat
Julian während seines Auslandsdienstes mit dem gesamten Team des Azrieli Holocaust Survivor Memoir Program. @privat
Julian während seines Auslandsdienstes mit dem gesamten Team des Azrieli Holocaust Survivor Memoir Program. privat
Julian hat seine frühere Schule besucht und Maturanten am BGD über das Studium der Finanz- und Wirtschaftsmathematik informiert. @privat
Julian hat seine frühere Schule besucht und Maturanten am BGD über das Studium der Finanz- und Wirtschaftsmathematik informiert. privat