“Ich werde Social Media fasten” – Vorarlberg vor dem Aschermittwoch

Wir haben uns in Vorarlberg umgehört, wer heuer fastet – und worauf: von Heilfasten über Alkohol- und Fleischpause bis hin zum Social-Media-Detox.
Bregenz Morgen ist Aschermittwoch – und damit beginnt für viele Vorarlberger die Fastenzeit bis Ostern. Wir haben uns in der Stadt umgehört: Wer verzichtet – und worauf? Die Antworten reichen von Heilfasten über Enthaltsamkeit bis zum Social-Media-Detox.
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Mit dem Aschermittwoch endet am 18. Februar offiziell der Fasching, die 40-tägige Fastenzeit bis Ostern beginnt. Für manche ist sie religiöse Tradition, für andere eine willkommene Gelegenheit, Gewohnheiten zu hinterfragen. In Bregenz und Umgebung haben wir Passantinnen und Passanten gefragt, ob sie heuer fasten – und wenn ja, wie.
“Eine Woche auf null”
Michaela Böhnke (55), die bereits mehrfach gefastet hat, setzt heuer auf klassisches Heilfasten. “Ich habe mir überlegt, in diesem Jahr mal eine Woche zu fasten und zwar Heilfasten zu machen”, erzählt sie. Nach zwei sogenannten Entlastungstagen gehe es “wirklich auf null und man trinkt nur noch Tee und Wasser”.

Erfahrung hat sie genug: “Schon sehr, sehr häufig”, sagt sie, insgesamt “10, 15 Mal”. Der Effekt sei jedes Mal spürbar: “Man fühlt sich danach wieder wie neugeboren und von innen gereinigt.” Wichtig sei ihr auch der bewusste Wiedereinstieg ins Essen – langsam, achtsam.
Andere Diätformen wie eine “Metabolic-Kur” habe sie ebenfalls ausprobiert. Diese sei zwar “sehr, sehr effektiv”, gerade wenn man Gewicht verlieren wolle, aber “sehr eiweißlastig” und nicht ohne Folgen. Heuer bleibe es daher beim Heilfasten.
Verzicht auf Alkohol, Fleisch – und Intimität
Nelson Votu (24) geht die Fastenzeit ebenfalls bewusst an. “Ich faste ab morgen – einmal verzichte ich auf Alkohol und auf Fleisch und versuche, enthaltsam zu leben”, sagt er. Mit Enthaltsamkeit meint er auch den Verzicht auf Intimität.

Bis Ostern wolle er durchhalten. “Ich versuche mein Bestes.” Schon einmal habe er in der Fastenzeit gefastet – mit positivem Effekt: “Man kommt wieder ein bisschen zur Besinnung, schafft Klarheit.” In seinem Freundeskreis würden sich viele zumindest Gedanken machen, auch wenn nicht alle verzichten.
Fasten? “Für mich nichts Besonderes”
Kathi Nägele (41) aus Bregenz sieht die Sache entspannter. “Ich schaue eigentlich, dass ich mich das ganze Jahr gut ernähre”, sagt sie. Für sie habe die Fastenzeit “nichts Besonderes”. Süßigkeiten esse sie ohnehin kaum, Alkohol hingegen schon.

Statt klassischer Fastenzeit setzt sie auf eigene Routinen – etwa den “Veganuary”, also einen veganen Jänner. “Das mache ich schon ab und zu”, erzählt sie. Fix sei das allerdings nicht: “Nach Lust und Laune.”
Drei Wochen Darmkur – zumindest fast
Anna Schöffel (28) hat bereits eine FX-Mayr-Kur hinter sich – eine mehrwöchige Darmreinigung. “Am besten wären drei Wochen. Ich habe es leider nur zwei Wochen geschafft”, sagt sie lachend. Auch drei Monate vegan habe sie ausprobiert. “Es ist echt interessant, was man alles machen kann.” Heuer allerdings werde sie nicht fasten: “Ich mag doch gerne ab und zu Fleisch.”

Digitaler Verzicht
Und dann gibt es noch jene, die weniger ans Essen denken – und mehr ans Handy. Benedikt Baur (29) plant, Social Media zu fasten. “Unter Fasten versteht man ja eigentlich den Verzicht auf Nahrungsaufnahme, aber das mache ich nicht. Ich werde Social Media fasten”, sagt er.

Wie lange? “Bis Ostern – vielleicht auch länger. Schauen wir mal.” Sein Gefühl sage ihm, “es ist an der Zeit, einfach mal ein bisschen mehr im realen Leben teilzunehmen”. Der Verzicht solle dem Wohlbefinden und der Gesundheit dienen.
Zwischen Tradition und Selbstoptimierung
Die Antworten zeigen: Die klassische religiöse Motivation tritt für viele in den Hintergrund. Fasten ist längst mehr als der Verzicht auf Fleisch am Freitag. Es geht um Detox, Achtsamkeit, Selbstoptimierung – oder schlicht darum, sich selbst etwas zu beweisen.