Mitleben im Kloster in Bregenz – egal mit welcher Konfession

VN / 17.02.2026 • 17:15 Uhr
Mitleben im Kloster in Bregenz – egal mit welcher Konfession
Schwester Rita-Maria Schmid, Äbtissin des Konvents in Bregenz, erzählt, dass manche Personen ihre Gastfreundschaft auch auszunutzen versuchen. VN

Manche nehmen sich eine Auszeit vom Alltag und leben für kürzere oder längere Zeit mit den Schwestern der Hl. Klara: Was Gäste dort erwartet.

Darum geht’s:

  • Äbtissin Schwester Rita-Maria gewährt Einblicke in Klosteralltag.
  • Gebet, Meditation und Arbeit prägen den Tagesablauf.
  • Angebote zum Klosterleben kennenlernen sind vielfältig.

Bregenz Die Schwestern der Heiligen Klara in Bregenz leben sehr zurückgezogen, doch zur gleichen Zeit stehen ihre Türen für Gäste offen: Zum Beispiel geben sie Essen aus und laden zu Meditationsabenden ein. Äbtissin, also Leiterin des Konvents, Schwester Rita-Maria Schmid, gewährt Einblicke in den Alltag des Klosters.

Mitleben im Kloster in Bregenz – egal mit welcher Konfession
Schwester Rita-Maria Schmid ist seit 2009 mit Unterbrechungen in Bregenz und seit 2019 Äbtissin, also Leiterin des dortigen Konvents der Hl. Klara.VN

Beten, Meditation und Stille

Schwester Rita-Maria ist in einer katholischen Familie in der deutschen Region Bodensee-Oberschwaben aufgewachsen. „Ich wollte das Evangelium ganz leben“, erzählt sie. Deshalb führte sie ihr Weg Anfang zwanzig in die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Reute. „Aber ich suchte nach mehr, ich war noch nicht angekommen.“ Sechs Jahre später trat sie den Schwestern der Hl. Klara in Deutschland bei und kam im Jahr 2009 in das Bregenzer Konvent im ehemaligen Kapuzinerkloster.

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Schwester Rita-Maria mit einem Säckchen, in dem Bibelstellen gezogen und anschließend gelesen werden können.VN

Der dortige Tag ist geprägt von Routine und vielen gemeinsamen Gebetszeiten. Er beginnt um sechs Uhr mit einer Stunde persönlicher Meditation. Anschließend trifft sich die Gemeinschaft zum Gebet. Während des darauffolgenden Frühstücks und auch danach wird bis neun Uhr geschwiegen. „Die Stille schafft Raum für die Beziehung zu Gott“, erklärt die 60-Jährige.

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Schwester Rita-Maria (Mitte) bei einem gemeinsamen kurzen Gebet mit zwei ihrer Ordensschwestern.VN

Nach einem erneuten kurzen, also circa 15-minütigen Gebet wird gearbeitet: sei es Haus- oder Büroarbeit, das Herstellen von Klosterprodukten oder Pfortendienst, bei dem Bedürftige etwas zu essen bekommen. „Es gibt Tage, an denen sich niemand eine Jause holt und Tage, an denen sechs Personen kommen.“ Zu den warmen Mittagessen, die in den Wintermonaten einmal in der Woche angeboten werden, kommt hingegen immer jemand.

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Schwester Rita-Maria bei der Klosterpforte. VN/Grundner

Der Alltag der Klostergemeinschaft geht nach dem Arbeiten weiter mit einem kurzen Mittagsgebet und dem gemeinsamen Essen, bei dem sich die Schwestern bewusst austauschen. Danach folgt eine weitere Zeit der Stille. Diese gestaltet jede nach ihrem Bedürfnis, etwa mit Lesen, Meditation oder einem Spaziergang. Nach einem nochmaligen kurzen Gebet, weiterer Arbeitszeit und einer neuerlichen Meditationsstunde findet um 18 Uhr der Höhepunkt statt: die Vesper, also das Abendlobgebet, das eine halbe Stunde lang dauert. Danach folgt das Abendessen, und vor dem Schlafengehen wird zum sechsten und letzten Mal gebetet – diesmal für sich allein.

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Schwester Rita-Maria beim Kochen. VN

Mitleben im Kloster

In dem Konvent der Hl. Klara in Bregenz leben aktuell sieben Schwestern mit einem Altersdurchschnitt von rund 65 Jahren. Ausgebildet werden in der Vorarlberger Gemeinschaft momentan drei etwa 50-jährige Frauen. „Früher waren die Neuzugänge viel jünger, zwischen 20 und 30 Jahren“, meint Schwester Rita-Maria.

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Sechs der Ordensschwestern der Heiligen Klara in Bregenz. VN

Angebote, das Klosterleben kennenzulernen, gibt es viele: vom Mitbeten über Exerzitien bis hin zu „Stillen Tagen“, einem Ordensjahr oder dem Mitleben im Kloster für einige Wochen oder Monate. Immer wieder komme es vor, dass Frauen aus ihrem Alltag aussteigen und für längere Zeit in der Gemeinschaft mitleben. Grundsätzlich ist dies kostenfrei, jedoch wird eine Mitarbeit erwartet und Spenden sind willkommen. „Dabei spielt nicht einmal die Konfession eine Rolle. Aber für einen tatsächlichen Eintritt muss der entscheidende Funke von innen kommen.“

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Drei Ordensschwestern beim Gebet . VN

Es gibt auch Menschen, die diese Offenheit auszunutzen versuchen. Speziell zur Zeit der Festspiele kämen immer wieder Anfragen für einen kurzen Aufenthalt. „Wir sind kein Urlaubskloster. Aber man spürt normalerweise schnell, mit welcher Intention jemand kommt.“

Noch ausführlicher spricht Schwester Rita-Maria über Themen wie den Sinn und die Zukunft des klösterlichen Lebens bei einem Gesprächsabend am Donnerstag im Kloster Mehrerau.

Gesprächsabend unter dem Titel „Drei Ordensleitungen – drei Welten“ am Donnerstag, 19. Februar um 19.30 Uhr in der Aula Bernardi des Klosters Mehrerau: Äbtissin Rita-Maria Schmid, Abt Urban Federer und Abt Vincenz Wohlwend geben persönliche Einblicke in ihre Verantwortung, ihren Alltag und die Leitbilder ihrer Ordensgemeinschaften.

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