Erste-Hilfe-Station für Igel in Lustenau

VN / 18.02.2026 • 14:40 Uhr
Sabine Matt aus Lustenau päppelt kranke und unterernährte Igel auf und bringt sie so durch den Winter.
Sabine Matt aus Lustenau päppelt kranke und unterernährte Igel auf und bringt sie so durch den Winter. Bernadette von Sontagh

Eine Lustenauerin packt an und kümmert sich um verletzte, kranke und unterernährte Igel.

Lustenau Im Garten von Sabine Matt (52) finden Igel, die keinen Unterschlupf für den Winterschlaf gefunden haben, eine Zuflucht. Hier können Tiere, die im Herbst vergeblich nach einem Schlafplatz suchen, geeignete Verstecke entdecken. Kranke oder unterernährte Igel nimmt Sabine Matt in ihre Obhut. „Zuerst schaue ich, was dem Igel fehlt, und dann päpple ich ihn so lange auf, bis er gesund ist und in den Winterschlaf gehen kann“, erklärt die Lustenauerin. Ohne ihre Unterstützung würden viele dieser Wildtiere den Winter nicht überleben. Seit 2021 widmet sie sich mit großem Engagement den stacheligen Gartenbewohnern.

Auf der Terrasse überwintern jene Igel in eigenen Igelbehausungen, die sich zu wenig Fettschicht für den Winterschlaf angeeignet haben. Sie erhalten hier Nahrung, Wasser und eine geschützte Schlafstelle.
Auf der Terrasse überwintern jene Igel in eigenen Igelbehausungen, die sich zu wenig Fettschicht für den Winterschlaf angeeignet haben. Sie erhalten hier Nahrung, Wasser und eine geschützte Schlafstelle.

Wie alles begann

Der Anfang ihrer Igelhilfe liegt im Januar 2021. Damals entdeckte ihr Lebensgefährte einen abgemagerten, winzigen Igel, der tagsüber unterwegs war, ein Alarmsignal für Experten. Er brachte das Tier nach Hause, und gemeinsam überlegten sie, wie sie helfen könnten. „Wir haben sofort im Internet recherchiert, denn bis dahin hatte ich kaum Erfahrung mit Igeln“, berichtet Matt. Schnell wurde ihr bewusst, dass viele Menschen helfen wollen, aber unsicher sind, wie sie vorgehen sollen. „Findet ein Igel zu wenig Futter, vor allem Insekten, kann er sich nicht genug Reserven für den Winterschlaf anfressen“, erklärt sie. Die Folge: Viele Igel irren noch im Dezember auf Futtersuche durch die Gärten, zu einer Zeit, in der das Nahrungsangebot bereits knapp ist und sie schlafen sollten. „Wenn ein Igel hochbeinig läuft und am Nacken einen sogenannten Hungerknick hat, ist er unterernährt und braucht dringend Hilfe“, sagt Matt. Idealerweise sollte ein Igel die Form einer runden Birne haben. Als erste Hilfe empfiehlt sie Rührei. Zudem sollte man geschützte Futterstellen im Garten anlegen.

Sabine Matt hat ein großes Herz für die Igel und hilft, wo sie kann.
Sabine Matt hat ein großes Herz für die Igel und hilft, wo sie kann.

Terrasse als Igelheim

Derzeit beherbergt Sabine Matt sieben Igel in geschützten Unterkünften auf ihrer Terrasse. In der Wohnung selbst lebt aktuell nur noch ein Igel, der sich von einem starken Milbenbefall erholt und weiterhin Spezialnahrung benötigt. „Sobald die Igel genug Gewicht haben, gesund sind und die Winterschlafzeit vorbei ist, entlasse ich sie wieder in die freie Natur“, berichtet sie. Matt betont, dass Igel Wildtiere sind und sie nur kranke oder untergewichtige Tiere aufnimmt. Parasiten seien bei Igeln durchaus normal, doch bei geschwächten Tieren könne das Immunsystem nicht mehr dagegen ankämpfen.

Im Garten hat sie Igelhäuschen aufgestellt, in denen es sich die Igel im Herbst gemütlich gemacht haben.
Im Garten hat sie Igelhäuschen aufgestellt, in denen es sich die Igel im Herbst gemütlich gemacht haben.

Engagiertes Netzwerk für Wildtiere

In Vorarlberg gibt es insgesamt neun Privatpersonen wie Sabine Matt, die hilfsbedürftige Igel bei sich aufnehmen. „Wir haben begonnen, uns zu vernetzen und auszutauschen. Unsere Hilfe spricht sich herum, und immer mehr Menschen bringen uns unterernährte Igel“, erzählt sie. Unterstützung für ihre Arbeit erhalten sie von der Wildtierhilfe. „Bis der Bau der Wildtierhilfe abgeschlossen ist machen wir so weiter und helfen Igeln, den Winter zu überstehen“, so Matt.

Jeder kann helfen

Das größte Problem für heimische Igel ist das schwindende Nahrungsangebot an Insekten. Hinzu kommen aufgeräumte Gärten, nächtlich fahrende Mähroboter und fehlende wilde Ecken. „Schon eine dauerhafte Wasserstelle im Garten und geschützte Futterplätze würden den Tieren sehr helfen“, betont Matt. So könnten gesunde, aber unterernährte Igel ihre überlebenswichtige Fettschicht für den Winterschlaf aufbauen. Der Igel zählt inzwischen zu den bedrohten Arten und verschwindet still aus unseren Gärten. „Es ist höchste Zeit, aktiv zu werden und den Tieren etwas zurückzugeben, schließlich nehmen wir ihnen immer mehr Lebensraum“, appelliert Sabine Matt. BVS

Eine Wasserstelle ist für jeden Igel im Garten vorhanden.
Eine Wasserstelle ist für jeden Igel im Garten vorhanden.
Geschützte Futterstellen sind für jene vorgesehen, die aus dem Winterschlaf frühzeitig erwachen.
Geschützte Futterstellen sind für jene vorgesehen, die aus dem Winterschlaf frühzeitig erwachen.
Die Igel haben sich ihr eigenes Nest gebaut und sich unter dem Haufen Blätter und Stroh versteckt.
Die Igel haben sich ihr eigenes Nest gebaut und sich unter dem Haufen Blätter und Stroh versteckt.
Diese Igeldame befindet sich noch in der Wohnung von Sabine Matt und erholt sich von einer starken Milbenerkrankung. Mittlerweile wiegt sie auch wieder genug.
Diese Igeldame befindet sich noch in der Wohnung von Sabine Matt und erholt sich von einer starken Milbenerkrankung. Mittlerweile wiegt sie auch wieder genug.
Sabine Matt pflegt die Igel bei sich zu Hause und entlässt sie gesund und wohlgenährt in die freie Natur.
Sabine Matt pflegt die Igel bei sich zu Hause und entlässt sie gesund und wohlgenährt in die freie Natur.